Editorial

In der Tiefe

Ohne Kaffee ist Arbeit gar nicht denkbar. Wir konsumieren ihn davor, dabei und danach. Auf dem Weg zum Job, in der Pause, auf dem Heimweg. Wir trinken ihn, um uns zu konzentrieren, zu entspannen, ins Gespräch zu kommen. Allein, zu zweit, im Team. So weit, so pauschal.



Aber ist die Liebe zum allgegenwärtigen Heißgetränk tatsächlich überall gleich? Konsumiert der Beamte genauso viel Kaffee wie der Angestellte? Die Vollzeit-Schichtarbeiterin so viel wie der Busfahrer in Teilzeit? Gibt es Konsum-Unterschiede nach ­Arbeitszeit, Arbeitsort oder zwischen einzelnen Berufsgruppen? Wie unterscheiden sich die Gewohnheiten von Ärztin, Lehrer, Pfleger, Gerüstbauer oder Kassiererin? Und welchen Einfluss haben Unternehmensgrößen und Hierarchien: Trinkt der Vorstand mehr als der Azubi?

Wir wollten es wieder genau wissen und haben in unserer Umfrage mehr als 5500 Kaffeetrinker in Deutschland nach ihren Routinen und Vorlieben gefragt. Und über die Antworten gestaunt. Menschen mit flexiblen Arbeitszeiten beispielsweise konsumieren häufiger Kaffee als Schichtarbeiter. Leitende Angestellte deutlich mehr als Arbeiter. Computerfachleute mehr als Betriebswirte.

Auch bei Ort und Zeit gibt es unterschiedliche Präferenzen, genau wie zwischen Unternehmensgrößen, Geschlechtern oder Altersklassen. Sogar das Arbeitsverhältnis macht offenbar einen Unterschied. So ist zum Beispiel eine saubere Kaffeemaschine für mehr als 62 Prozent der Angestellten in Teilzeit ein wichtiges Thema – aber nur für gut 40 Prozent der Selbstständigen. Genau umgekehrt verhält es sich beim Geruch: 60,3 Prozent der Selbstständigen und Einzelunternehmer empfinden ihn als wichtig, aber nur 45,6 Prozent der Vollzeitangestellten.

Einigkeit hingegen besteht über sämtliche Arbeitsverhältnisse, Arbeitsorte und ­Positionen hinweg bei den Gründen für den Kaffeekonsum. Neben der Hoffnung auf einen Energiekick, einen Motivationsschub, Unterstützung bei schwierigen Gesprächen oder der Bewältigung von Stress trinken wir unseren Kaffee am Arbeitsplatz mit großer Mehrheit einfach deshalb, weil er uns schmeckt.    

Susanne Risch
– brand eins Wissen