Female Impact Summit 2026: Panel 6 – Kapital und Impact
moderiert von Annabelle Mandeng, Moderatorin und Schauspielerin
„Je mehr Kapital, desto weniger Impact – das Label wird zur Fassade.“
Rolf Schrömgens, Founder brafe.space, Gesellschafter/Aufsichtsrat Trivago
WIE KANN KAPITAL ECHTE WIRKUNG ENTFALTEN?
Impact ist zum Standardversprechen geworden. Kaum ein Fonds, der nicht Wirkung im Namen trägt. Doch genau darin lag die Unruhe dieses Panels: Wenn alle Impact sagen – was bleibt dann davon übrig?
Schnell wurde klar: Es geht nicht zuerst um grüne Labels oder ESG-Kriterien. Es geht um Macht. Wer entscheidet, wohin Kapital fließt? Und wer bleibt außen vor? Die Zahlen sind bekannt – und trotzdem wirken sie jedes Mal neu ernüchternd. Nur ein Bruchteil des Venture Capitals geht an Gründerinnen. Menschen mit Migrationsgeschichte sind trotz überdurchschnittlicher Gründungsdynamik strukturell unterfinanziert. Die Pointe der Diskussion war jedoch keine moralische, sondern eine ökonomische: Wer immer im gleichen Netzwerk investiert, bekommt auch immer die gleichen Ergebnisse. Diversität ist kein soziales Korrektiv – sie ist ein Wettbewerbsfaktor. Wenn Kapital immer wieder in ähnliche Lebensläufe, ähnliche Universitäten, ähnliche Milieus fließt, wird das Portfolio zwangsläufig homogen.
Doch selbst dort, wo Kapital mit guter Absicht fließt, entsteht ein zweites Problem. Je größer die Fonds, desto stärker der Renditedruck. Und je stärker der Renditedruck, desto schneller verwandelt sich Impact in eine Kennzahl. Wirkung wird operationalisiert, gemessen, gerankt – und am Ende optimiert wie jede andere KPI. Die Warnung aus der Runde: Systeme, die primär auf Rendite getaktet sind, integrieren Impact nur so weit, wie er nicht stört.
Der entscheidende Prüfstein lautet deshalb: Wäre dieses Projekt auch ohne dieses Kapital entstanden? Wenn ja, ist der zusätzliche Effekt gering. Wenn nein, entsteht echte Wirkung. Impact misst sich nicht an Absicht, sondern an Additionalität.
Die Diskussion wurde besonders konkret, als es um Finanzbildung ging. Digitale Banken, Apps, neue Plattformen – der Zugang zu Finanzprodukten war nie einfacher. Doch Zugang ersetzt kein Verständnis. Wer früh lernt, wie Kapital funktioniert, baut Vermögen auf. Wer es nicht lernt, bleibt Konsument. Demokratisierung ohne Kompetenz ist eine halbe Reform. In einem Land, in dem soziale Aufstiege statistisch mehrere Generationen dauern, wird Finanzbildung selbst zu einer Form von Impact Investing. Auch der Standort Deutschland kam auf den Prüfstand. International gilt das Land strukturell als solide, ingenieurgetrieben, verlässlich. Doch regulatorische Zersplitterung in Europa, langsame Entscheidungsprozesse und kulturelle Risikoaversion bremsen Dynamik. Kapital sucht Skalierung – und findet sie oft anderswo schneller.
Am Ende verdichtete sich die Debatte auf eine unbequeme Frage: Ist Impact ein Produkt – oder eine Haltung? Wer Kapital gibt, kann Verantwortung nicht vollständig delegieren. Mandate, Investment Committees, Incentives – all das entscheidet darüber, ob Wirkung strukturell verankert wird oder im Reporting verschwindet. Impact ist möglich. Aber er entsteht nicht durch das Label auf dem Fonds. Sondern durch bewusste Machtverschiebung, klare Wirklogik und die Bereitschaft, Rendite und Verantwortung nicht als Gegensätze zu behandeln – sondern als Spannung, die man aushalten muss.
„Demokratisierung ohne Kompetenz ist unvollständig – Finanzbildung muss viel früher anfangen.“
Marcus W. Mosen, Co-CEO der N26 SE
„Wir neigen in Deutschland dazu, alles schwarz zu malen, dabei ist unsere industrielle Substanz für internationale Investoren hochattraktiv.“
Teresa Schawe, Partnerin und Managing Director, PE/M&A Sektor Kearney (DACH)
„Wir müssen Impact über harte Zahlen und wirtschaftlichen Mehrwert definieren. If we are talking money, everybody is listening.“
Gülsah Wilke, Head of Germany DN Capital, Co-Founder 2hearts