Female Impact Summit 2026: Panel 1 – Globale Wirtschaft – Wo steht Deutschland?
moderiert von Anja Wehler-Schöck, Mitglied der Chefredaktion, der Tagesspiegel
„Wir haben alle Fähigkeiten, die es für einen Umschwung braucht. Aber wir sind bequem geworden. Arbeit ist Leistung mal Zeit. Wenn die Leistung sinkt, muss man bei der Zeit drauflegen.“
Isabel Knauf, Mitglied des Gesellschafterausschusses der Knauf Gruppe
WIE LÄSST SICH IN DEUTSCHLAND EINE NEUE WIRTSCHAFTLICHE DYNAMIK ENTFACHEN?
Wo Deutschland steht? Noch steht es mitten auf dem Platz, doch schon bald könnte es ins Abseits geraten. Oder anders gesagt: Das Urteil über die heimische Wirtschaft fällt bei diesem Panel überraschend einmütig aus: In Deutschland gibt es kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Das Land krankt an einer lähmenden Mischung aus ausufernder Regulierung, erdrückenden Energiekosten – und zu großer Bequemlichkeit.
Im Kern stimmen die vier Vertreterinnen aus Finanzwelt, Industrie und Mittelstand überein: Zu hohe Lohnnebenkosten, zu hohe Unternehmenssteuern, Genehmigungsverfahren, die sich oft über Jahre ziehen, die Vernachlässigung der grundlegenden Infrastruktur und eine extreme Detailversessenheit der europäischen und deutschen Bürokratie führen dazu, dass Deutschlands internationale Wettbewerbsfähigkeit zusehends erodiert. Unternehmerische Dynamik werde hierzulande erstickt. Die Deindustrialisierung schreitet langsam, aber unübersehbar voran.
Und das auch, weil die Deutschen schlichtweg zu wenig arbeiten würden. Der Wunsch nach mehr Teilzeit und einer besseren Work-Life-Balance kollidiert nach Ansicht der Gesprächsteilnehmerinnen mit der ökonomischen Notwendigkeit, Leistung zu erbringen, um den allgemeinen Wohlstand zu sichern.
Die diskutierten Lösungsansätze zielen schließlich allesamt auf ein grundlegendes Umdenken: weg vom Versuch, jedes wirtschaftliche Risiko regulatorisch absichern zu wollen, hin zu mehr Eigenverantwortung von Unternehmerinnen und Unternehmern innerhalb von verlässlichen staatlichen Rahmenbedingungen. Wirtschaft braucht ein Umfeld, das Freiräume lässt. Erst wenn strukturelle Fesseln gelöst werden, kann sich Deutschland erneuern. Es mangele schließlich nicht am Willen zur Transformation. Im Gegenteil: Das Potenzial und die Fähigkeiten dazu wären nach Meinung der Runde durchaus zur Genüge vorhanden.
„Wenn man ehrlich ist, sind wir doch gerade dabei, unsere wirtschaftliche Durststrecke zu überwinden. Wir wachsen wieder und wir sind innovativ.“
Dr. Sabine Mauderer, Vizepräsidentin der Deutschen Bundesbank
„Die Menschen müssen von alleine sagen: ‚Ich möchte mehr arbeiten, weil es sich für mich auch wirklich lohnt.‘ Teilzeit ist doch keine Frage von Lifestyle, sondern von Machbarkeit. Regeln haben wir schon genug in Deutschland!“
Marie Christine Ostermann, Präsidentin des Verbands „Die Familienunternehmer“
„Von unseren hohen sozialen und arbeitsrechtlichen Standards wollen wir nicht runter. Es geht darum, dass beispielsweise unser Unternehmen in den letzten Jahren am meisten Leute im Bereich Berichtspflichten eingestellt hat. Wir sind aber produzierendes Gewerbe.“
Carin Martina Tröltzsch, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der K+S AG