Editorial

Allein

Arbeit und Kaffee gehören untrennbar zusammen. Wir konsumieren ihn den lieben langen Tag, als Wachmacher, Konzentrationsförderer, Muntermacher, deshalb haben wir die Arbeitswelt in Kombination mit dem Lieblingsgetränk der Deutschen auch schon einmal ausführlich betrachtet. Kaffee in Zahlen No. 8 beschäftigte sich mit verschiedenen Berufsgruppen und Arbeitsorten, mit Vollzeit-, Teilzeit- und Schichtarbeitern, mit Präferenzen und Ritualen – vor, während und nach dem Job.



Dass wir dieses Jahr erneut in die Arbeitswelt eintauchen, ist den langen Monaten der Pandemie geschuldet. Viele von uns arbeiten heute anders als in den vergangenen Jahren. Wir fahren seltener ins Büro, pflegen weniger Kontakte, verbringen viel Zeit in den eigenen vier Wänden, erledigen unsere Aufgaben zu anderen Zeiten. Und mit all dem hat sich auch unser Konsum verändert.

Wer nicht mehr täglich zur Arbeit pendelt, die Kollegen nicht regelmäßig auf dem Flur oder in der Küche trifft; wer sich in der Mittagspause nicht auf einen schnellen Espresso verabredet und plötzlich lange Tage allein am heimischen Schreibtisch zubringt, ändert auch seine Kaffeegewohnheiten.

Aber wie genau? Trinken wir neuerdings mehr oder weniger Kaffee? Und bereiten wir ihn anders zu? Mit neuen Geräten, neuen Zutaten? Ist es die alte Sorte, oder probieren wir neue aus? Zelebrieren wir ihn – oder muss es zu Hause eher schnell gehen? Worauf legen wir jetzt vor allem Wert: auf Qualität, auf den Preis? Trinken wir allein, eher nebenbei, oder verabreden wir uns womöglich mit Freunden und Kollegen auf eine virtuelle Kaffeepause? Zu welchen Lebensmitteln und Getränken greifen wir noch? Womit versuchen wir, in dieser schweren Zeit unser Wohlbefinden zu steigern? Und wen wollen wir wo als Erstes treffen, wenn wir uns wieder frei bewegen können?

All das haben wir in diesem Jahr mehr als 5000 Kaffeetrinker in Deutschland gefragt – und erfahren: Wir trinken mehr Kaffee als vorher. Genießen ihn am liebsten zusammen mit dem Partner oder allein. Er ist das Getränk unserer Wahl, wenn es uns im Lockdown schlecht geht. Sein Geruch beschert uns gute Laune. Die virtuelle Kaffeepause ist unsere Sache nicht. Stattdessen setzen wir auf die Zeit danach: Mehr als die Hälfte der Deutschen freut sich nach Lockerungen der Pandemie-Maßnahmen darauf, sich mit Freunden auf einen Kaffee zu treffen. Darauf freue ich mich auch.

Susanne Risch – brand eins