Editorial

Jeder Einzelne

Wie halten wir Verbraucher es eigentlich mit der Verantwortung? Wir sind ja meist schnell dabei, wenn es gilt, die Schuldfragen zu klären. Das Gemüse hat Pestizid-Rückstände? Fahrlässige Landwirte! Die Luft ist verschmutzt? Gewissenlose Industrie! Der Wasserverbrauch ufert aus? Gedankenlose Hersteller! Die Farmer verdienen zu wenig? Habgierige Produzenten!



Die Redaktion wollte mit der Spurensuche zunächst einmal dort anfangen, wo wir Verbraucher den größten Hebel haben: bei uns selbst. Deshalb haben wir Anfang des Jahres mehr als 5000 Kaffeetrinker in Deutschland nach ihrer Haltung, ihren Gewohnheiten und ihrem Einkaufsverhalten gefragt. Wie wichtig sind uns Preis, Qualität oder Ökosiegel? 

Machen wir uns Gedanken über die Herkunft und den Transport unseres Kaffees? Ist Nachhaltigkeit für uns ein Thema? Und falls ja: Was genau verstehen wir darunter? Eine ordentliche Bezahlung der Farmer? Die Schonung von Ressourcen? Gute Arbeitsbedingungen aller an der weltweiten Wertschöpfung Beteiligten? Einen fairen Handel?

Und auch das wollten wir wissen: Fallen unsere Antworten unterschiedlich aus, je nachdem in welcher Region Deutschlands wir leben? Spielt der Wohnort eine Rolle? Wie wichtig für unsere Kaufentscheidung ist das Alter? Das Geschlecht? Die Ausbildung? Wie treffen wir unsere Kaufentscheidung? Und mit welchem Argument? Orientieren wir uns an der Marke?

Am Siegel? Am Geschmack? Für wen ist die Vermeidung von Verpackungsmüll ein Thema? Und wie fallen die Anworten auf unsere Fragen aus, wenn Kinder in einem Haushalt leben? Ändert sich unsere Haltung, wenn wir nicht nur für uns allein sprechen?

Unsere Umfrage hat eine Reihe bemerkenswerter Ergebnisse erbracht. Sie ­unterstreicht Tendenzen und Hoffnungen – und belegt eine Reihe von Widersprüchen. Wenn Nachhaltigkeit aktiv gelebt werden soll, sind auch wir Verbraucher gefragt. Das Thema ist zu wichtig, um es den anderen zu überlassen.

Susanne Risch – brand eins Wissen