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 30. Mai 2025 – Ausgabe 02 / Wie gesund ist der deutsche Gesundheitssektor?

Liebe Leserinnen, liebe Leser,  

in unserem zweiten Energieriegel dreht sich alles um die Gesundheit – und damit um uns und eine der wichtigsten Zukunftsbranchen. Das Gespräch zwischen Stephan A. Jansen und Gabriele Fischer wird diesmal durch zwei weitere Interviews ergänzt – zum einen mit Christian Storm, Internist und Gründer des digitalen Gesundheitsunternehmens TCC, und mit David-Ruben Thies, Geschäftsführer der Waldklinik Eisenberg GmbH.

Das Bild zeigt ein sich wiederholendes Muster aus rosa und weißen vertikalen Streifen. Die Streifen sind in einem diagonalen Muster angeordnet, wodurch ein visuell auffälliges und dynamisches Design entsteht. Das Bild ist im Hochformat gehalten, was die vertikale Ausrichtung der Streifen hervorhebt. Das Farbschema ist überwiegend rosa und weiß, wobei die rosa Streifen stärker hervortreten. Das Bild enthält keinen Text oder andere erkennbare Objekte, und die relativen Positionen der Streifen bleiben während des gesamten Musters gleich.

Wie gesund ist der deutsche Gesundheitssektor?

Auf Basis der zusammengestellten Daten des französischen Ökonomen und kritischen Beobachters des Kapitalismus Thomas Piketty könnte man die Hoffnung haben, dass der nächste Kapitalismus ein gesünderer Kapitalismus wird, weil er auf eine ganzheitliche Gesundheit achtet.

Ein Gespräch zwischen Prof. Dr. Stephan A. Jansen und Gabriele Fischer, die Gründungspartner der brand eins Agentur für Konstruktive Wirtschaft (AKW).

Gabriele Fischer: Für die aktuelle Ausgabe von brand eins haben wir uns mit dem Zusammenhang zwischen Demokratie und Wirtschaft beschäftigt. Und es ist ganz offensichtlich: Wenn das System nicht liefert, wächst die Unzufriedenheit. Das betrifft Wohnungen, Arbeitsplätze – und die Gesundheitsversorgung. Wie wichtig ist sie für unser Wirtschaftssystem?

Stephan A. Jansen: Aus soziologischer und ökonomischer Sicht kann man mindestens vier Ebenen unterscheiden: 

1. Auf individueller Ebene geht es um die Frage, ob die schon jetzt spürbare Verschiebung von den klassischen kapitalistischen Konsumausgaben hin zu Gesundheitsausgaben stabil bleibt oder zunimmt. Der derzeitige Elitentrend hin zur sogenannten Longevity, also der guten Langlebigkeit, ist die nächste Version der frühen Unsterblichkeitsidee.

2. Auf der Organisationsebene wird die Frage spannend, warum das deutsche Gesundheitssystem als ebenso gut wie ineffizient gilt. Was machen Arztpraxen und Krankenhäuser anderswo anders? 

3. Auf der internationalen Ebene wiederum entstehen unterschiedliche Märkte für körpernahe und digitale Gesundheitsleistungen, von der Arzneimittelentwicklung über Vorsorge- und Versorgungssysteme bis hin zu Versicherungsangeboten. Hier spielen Innovationssysteme, generative KI und ein exponentieller Fortschritt in der evidenzbasierten personalisierten Medizin eine Rolle, die nicht nur Gesundheitsökonomen faszinieren.
 
4. Auf der planetaren Ebene schließlich werden die klimabedingten Anpassungsstrategien für Städte, Regionen und nationale Systeme relevant. Das betrifft die Zunahme von Allergien, Hitzetoten in den Städten bis hin zur klimatisch bedingten Migration. 

Du beschreibst unser Gesundheitssystem als ebenso gut wie ineffizient – wie kann das sein? Immerhin ist es eines der teuersten1 der Welt.
Das stimmt, aber Geld ist leider nicht die Lösung. Richtig ist, Deutschland liegt bei einigen Vergleichsstatistiken vorn: 

Höchster Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP in der EU (2022: 12,6 Prozent des BIP; EU-Durchschnitt: 10,4 Prozent).

Sehr hohe Ärztedichte (4,5 Ärzte auf 1.000 Einwohner) und überdurchschnittliche Pflegepersonalausstattung (12 Pflegekräfte auf 1.000 Einwohner, das entspricht einer um 10 Prozent höheren medizinischen sowie einer 40 Prozent höheren pflegerischen Personalausstattung gegenüber dem EU-Schnitt).

Die Krankenhausbettendichte ist mit 7,7 Betten auf 1.000 Einwohner eine der höchsten in Europa (60 Prozent höhere Bettenkapazität als der EU-Durchschnitt.)

Bei einem Vergleich der Gesundheitsausgaben pro Person in ausgewählten OECD-Ländern gibt Deutschland die Spitzenposition an die USA ab, die mit 13.432 US-Dollar weltweit führen, am Ende der Skala findet sich Mexiko mit 1.486 US-Dollar, aber mit 8.441 US-Dollar liegt Deutschland immer noch im Mittelfeld. 

1https://www.vdek.com/magazin/ausgaben/2024-04/gesundheitswesen-deutschland-europa-vergleich.html

Und was läuft falsch?
Wir nutzen die Möglichkeiten der Digitalisierung nicht und muten Ärzten und Pflegepersonal noch immer eine analoge und dadurch ineffiziente Dokumentation zu. Deutschland liegt bei der Digitalisierung tatsächlich sehr weit zurück: Im OECD-Vergleich von 22 Staaten belegt es den drittletzten Platz beim Zugang zu digitalen Gesundheitsdiensten.
Überspitzt: Die fehlende Datenverfügbarkeit kostet mich vermutlich Lebensjahre – schlicht, weil noch immer keiner weiß, wie es um mich steht. Und es geht ja, sogar mit europäischer Regulierung und Datenschutzvorgaben. Laut dem Digital-Health-Index der Bertelsmann Stiftung und laut OECD-Studien sind Länder wie Estland und Dänemark führend bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens. Erfolgsfaktoren: konsequente nationale Digitalstrategie, zentrale elektronische Patientenakten und hohe Nutzerfreundlichkeit (siehe auch Interview mit Christian Storm).
Auch da braucht es irgendwann eine Abwägung zwischen absoluter Datensicherheit, die es ohnehin nie geben wird, und Vorsorge für das Patientenwohl. 

Hängt alles an der Digitalisierung? 
Daran hängt viel, aber auch die Arbeitsbedingungen im Gesundheitssektor machen krank: Der Krankenstand liegt mit 28,5 Tagen in der Pflege und 33,1 Tagen in der Altenbetreuung deutlich über dem Durchschnitt von 18,2 Tagen. Warum? Es ist eine emotional wie körperlich harte Arbeit, dazu mit langen Arbeitszeiten im Schichtsystem.  

Das ist kein neuer Befund und daran hat nun auch schon jede Bundesregierung herumgedoktert – hat die neue Bundesgesundheitsministerin Nina Warken eine Chance?
Sie startet hart: Der deutsche Gesundheitsfonds rutscht – trotz Beitragserhöhungen – unter die gesetzliche Mindestreserve, das heißt, die Ministerin erbt ein tiefrotes Krankenversicherungssystem und der Bundeshaushalt muss direkt einspringen.
Aber zum Koalitionsvertrag: Es ginge sicher ambitionierter, aber die Rhetorik gibt schon die Stimmung in einer überalterten Gesellschaft wieder: Der Gesundheitssektor wird als wirtschafts- und gesellschaftspolitisch zentral betrachtet. Insbesondere die industrielle Gesundheitswirtschaft, genauer die Pharma- und Medizintechnikbranche, werden als Leitwirtschaft anerkannt und sollen gestärkt werden. Auf dem Aufgabenzettel stehen Themen wie: eine Krankenhausreform mit neuen Finanzierungsmodellen aus dem Transformationsfonds; ein verbindliches Primärarztsystem zur gezielten Patientensteuerung (sog. Lotsenfunktion), mehr Präventionsleistungen, weniger Bürokratie durch eine deutliche Reduktion der Dokumentationspflichten und damit einhergehend mal wieder mehr Digitalisierung. Auch Bedingungen im Zivilschutz- und Verteidigungsfall sind berücksichtigt. 

Für den Stellenwert des Gesundheitssystems gibt es zweifellos gute Gründe – es ist eine der Zukunftsbranchen.  
Die Bruttowertschöpfung der Gesundheitswirtschaft lag im Jahr 2024 bei knapp 457,5 Milliarden Euro und hat sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt. Das sind aktuell rund 11,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
 

Zum Vergleich: Die wirtschaftspolitisch stark dominierende Automobilbranche hat ca. 4,5 Prozent am BIP erwirtschaftet, knapp 128 Milliarden Euro – und von dem prognostizierten Wachstum des Gesundheitssektors kann die Automobilwirtschaft nur träumen. Mehr als jeder sechste Erwerbstätige in Deutschland arbeitet in der Gesundheitswirtschaft. Das betrifft eben auch Hightech-Lösungen aus der Medizintechnik, Arzneimittelentwicklung sowie neue Behandlungs- und Untersuchungsmethoden. Der industrielle Teilbereich der Gesundheitswirtschaft liegt bei 21 Prozent der Gesundheitswirtschaft. Dies umfasst Medizinprodukte, Waren zur Gesundheitsversorgung, Arzneimittel, aber auch Einzelhandels- und Großhandelsleistungen, Bauinvestitionen und Geräte für E-Health und digitale Anwendungen. Die Dienstleistungen stationärer und ambulanter Einrichtungen sind für 54,1 Prozent der Bruttowertschöpfung und für rund 62 Prozent der Arbeitsplätze innerhalb der Gesundheitswirtschaft verantwortlich. Dazu kommen Krankenversicherungen und der steigende Gesundheitstourismus.

Und auch wenn es Rechtspopulisten nicht gefällt: Ohne Migration sieht es in der Gesundheitsbranche düster aus. Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund ist in den Gesundheits- und Pflegeberufen schon vor Corona auf rund 22,5 Prozent gestiegen – von knapp 17 Prozent im Jahr 2013. In der Altenpflege sind wir nach Angaben des Statistischen Bundesamts nun bei 31 Prozent der Altenpflegerinnen und Altenpfleger mit Einwanderungsgeschichte – fünf Prozentpunkte mehr als in der Gesamtwirtschaft.

Wenn die Faktenlage so eindeutig ist – warum kommt eine Reform dieses Sektors nicht voran?

Es geht wie gezeigt um sehr viel Geld, sehr viele mächtige Akteure (Pharmakonzerne, Ärzteverbände, Krankenkassen, Pflegeorganisationen bis zu Patienteninitiativen und NGOs), sehr hohe Komplexität und Detailtiefe, damit auch um weitreichende Regulierung. Und es geht um unser Leben. Mehr Drama geht nicht. Auch im Lobbying: Im Lobbyregister sind etwa 30 Prozent der registrierten Interessenvertreter dem Bereich Gesundheit zugeordnet. Ein hoher Wert im Vergleich zu anderen Politikfeldern, denn Komplexität und Relevanz schaffen ein Umfeld, in dem Lobbyismus besonders intensiv und professionell betrieben wird.

Bremsen uns also die vielen Interessengruppen?  

Der Lobbyismus, der gerade bei der Gesundheit besonders aktiv ist, verweist auf ein anderes Problem: Das Bundesgesundheitsministerium ist eine Anlaufstelle für viele Partikularinteressen schon innerhalb des engen Gesundheitssystems, aber wir müssen Gesundheit nochmals neu und breiter denken. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), die Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH) und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) haben im Jahr 2021 „One Health“ als gemeinsame, nochmals geschärfte Definition von Gesundheit veröffentlicht: Danach beschreibt Gesundheit das Gleichgewicht und die Optimierung des Wohlbefindens von Menschen, Tieren und Ökosystemen, wobei deren enge Wechselwirkungen und gegenseitige Abhängigkeiten anerkannt werden.

Was halten Mediziner davon?   

Die Schulmedizin beschäftigt sich primär mit der Entstehung, Diagnose und Behandlung von Krankheiten, also mit dem Versorgen und Heilen. 

Erst in den 1970er-Jahren führte der Medizinsoziologe Aaron Antonovsky das Konzept des salutogenetischen Ansatzes ein. Darin geht es um die Entstehung und Erhaltung von Gesundheit, die als dynamisches Kontinuum zwischen Gesundheit und Krankheit gesehen wird. Das Vertrauen, das eigene Leben als verstehbar, handhabbar und sinnvoll zu erleben, ermöglicht es, Stressoren und Belastungen besser zu bewältigen und die eigenen Ressourcen effektiv zu nutzen. Von dort führt der direkte Weg zur Longevity-Forschung und dem Trend, das eigene Leben durch Sport und Nahrungsergänzung zu verlängern.

Das klingt nach gesunden Märkten, vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten und ausreichend Betätigungsfeldern für innovative Unternehmerinnen und Unternehmer – woran fehlt es?

Ehrlich gesagt an nahezu allem: Wir sind ein Land der Industrie, wir können natürlich Medizintechnik, haben dazu tolle Cluster etwa im baden-württembergischen Tuttlingen oder bayerischen Nürnberg, die ich auch einst als Juror im Rahmen der Hightech-Strategie der Bundesregierung mit auszeichnen durfte. Dabei ging es auch schon um Digitalisierung, aber damals wie heute haben wir zu wenig von dem, was wir in der Forschung User-Centered Design nennen: Wir denken nicht vom Patientenbedarf und den Kompetenzen her, sondern aus der Perspektive von Industrie und Forschung. Die anderen Hemmnisse, die auch der Digitalverband Bitkom regelmäßig abfragt, lesen sich wie eine Klassikerliste: 1. Komplexität des deutschen Systems, 2. zu langfristige Genehmigungsverfahren, 3. zu starke Regulierung, 4. aufwändige IT-Sicherheit, strenger Datenschutz, 5. zu hohe Kosten, 6. mangelnde Digitalkompetenz der Patientinnen wie der Ärzte. 

Aber andere bekommen es hin. 

Genau. Und nicht nur in Kanada oder Israel, sondern eben auch in dem spezifisch regulierten Europa. Es liegt wohl vor allem an unserem Industriefokus. Aber auch die rein digitalen Anbieter wie Apple, Amazon oder Meta haben noch keinen durchschlagenden Erfolg im Wachstumsmarkt Gesundheit. Also könnte die Lösung dazwischen liegen – mit guten Chancen für Europa. 

Was könnten Vorbilder für Deutschland sein? 

Estland, Dänemark und Spanien – mit unterschiedlichen Kompetenzen.
 
Estland: hat früh in ein ganzheitliches Gesundheitsinformationsnetzwerk investiert und dafür Schnittstellen-Zentren gebaut. Patienten haben volle Eigentums- und Kontrollrechte. Die technische Abdeckung digitaler Dienste (E-Rezepte, Patientenakte) liegt bei 100 Prozent.

Dänemark: hat die Digitalstrategie des Gesundheitssektors in den der Wirtschaft und der öffentlichen Dienste integriert. Zentraler Log-in zu allen Diensten und zur Plattform sundhed.dk, die qualitätsgesicherte Information mit den persönlichen Daten verbindet. Hundert Prozent Nutzung der elektronische Patientenakte und von E-Rezepten, sowie der elektronischen Medikationsakte, die auch als Kurzakte zwischen Haus- und Stationsärzten geteilt wird.

Spanien: ist noch auf dem Stand einer fragmentierten Strategie, aber mit Vorreiterregionen, die viel testen und dort international führend sind (Andalusien, Baskenland, Valencia). So zum Beispiel Fernüberwachungsprogramme für chronisch Erkrankte oder Bewertungsdienste über die Auswirkungen auf die Versorgung.
 
Fazit: Es geht schon einiges, und es ist auch nicht absolut unaufholbar. Aber wir müssen die Bremse lösen. Seit 2005 haben wir mit der Gematik eine Spitzenorganisation des deutschen Gesundheitswesens, die für die Einführung, Pflege und Weiterentwicklung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) sowie der Telematikinfrastruktur (TI) verantwortlich ist: Wir haben also elektronische Patientenakten und Portale für qualitätsgesicherte Gesundheitsinformationen. Aber seit 20 Jahren stecken wir in Umsetzungsthemen fest, die zahlreiche organisationssoziologische Promotionen füllen. So zentral wie der Ausbau der Deutschen Bahn und der Autobahnbrücken scheint mir zu sein, dass wir nun endlich in Bewegung kommen – mit Opt-in-Verfahren für die unerschrockenen Testpersonen wie mich und viele Betagte. Und mit Opt-out-Verfahren für die Zweifelnden, die aber nicht alles aufhalten sollten. 

Zum Abschluss: Was sind deine konstruktiven Aussichten für die deutsche und europäische Gesundheitswirtschaft? 

Für Europa bin ich nahezu euphorisch und sehe Gesundheit und Altern im urbanen Raum als eines der Zukunftsnarrative von „Old Europe“ – im wahrsten Sinne. 

1. Europa als Vorreiter dank systemischer Alterskompetenz: Wir sind neben Japan in vielen europäischen Ländern wie Deutschland und Italien Demographie-Weltmeister. China wird wegen der Ein-Kind-Politik zwar auch schneller alt als reich und arbeitet mit massiven Investitionen in generative KI dagegen an. Aber Europa kann – anders auch als die Big Techs in den USA – sowohl Medizintechnik wie auch Metaverse-Anwendungen. Und es kann sie mit einer Wohlfahrtsstaatlichkeit verbinden, die nicht so schlecht sein muss. Zudem ist Europa mit seinen Gesundheitsunternehmen nicht schlecht aufgestellt: Gesundheit kann Europas nächste Geschichte werden, nach Philosophie, Ästhetik und Autodesign.
 
2. Für Deutschland bin ich auch vorsichtig optimistisch. Es geht um die Kompetenz in Medizintechnik und Arzneiforschung, und da können wir als late mover dennoch Vorreiter werden, für so etwas was ich „Trusted genAI Digital Health“ nennen würde – auch durch Digitale Zwillinge und Health-Metaverse Anwendungen, die im Aufbau sind. Die aktuelle USA-Politik könnte sogar helfen, dass wir die europäische Forschung in Zukunftstechnologien besser hinbekommen. Denn: Amazon Health hat es nicht geschafft, Apple nur die Watch/Apps, und Meta ist auch nicht richtig eingestiegen (Brain Machine Interface). 
 
3. Vorsorge durch individualisierte Medizin: Generative KI ist bereits der wichtigste Treiber der Diagnostik und der individualisierten Medizin. Gesundheitsdatenräume werden dabei zentral. Europa hat hier Komplexitätskompetenz – viele Systeme und wir sind Marktführer in Zivilisationskrankheiten. 
 
4. Schließlich glaube ich an demokratische, zirkuläre Modelle der Entwicklung: Graswurzelbewegungen, die sich mit allen Anspruchsgruppen vor Ort verbünden – also keine Verbände, sondern direkt Betroffene. Dann braucht es top down klare Vorgaben für Standards, Datenräume, Opt-in- und Opt-out-Verfahren. Und das am besten mit den betagten Patienten und den jungen Menschen zusammen, denn die fehlen faszinierenderweise immer.
 
Um Gesundheit geht es irgendwie auch im ersten AKW-Projekt, das am 12. Mai seinen Auftakt hatte, konkret: um die gesunde Stadt.

Ja, das kann wirklich spannend werden, weil wir genau hier den One-Health-Ansatz beobachten können: Wie Wohnen, Mobilität und die Klimaresilienz von Städten und Quartieren ganz direkt mit Gesundheit und Lebensqualität im Alter zusammenhängen. Einer unserer Mitstreiter plant zum Beispiel ein Rock ’n’ Roll-Altersheim in Hamburg, das hat mich überzeugt: Gemeinsam tanzend sind Gesundheit und Altern immer am besten. Wissenschaftlich zweifelsfrei erwiesen!

Unter wissenschaftlicher Mitarbeit von Paul Sauter und der Unterstützung von Katja Ploch und Lydia Gless.

Stephan A. Jansen, ist Professor an der Karlshochschule Karlsruhe, Stiftungsgastprofessor an der Universität der Künste, Berlin für Urbane Innovation im Bereich Gesundheit, Mobilität, Digitalisierung sowie Mit-Initiator der Genossenschaft „Digital Urban Center for Aging & Health DUACH e.G“. u.a. mit der Charité, dem Alexander von Humboldt Institut für Internet & Gesellschaft in Berlin und vielen weiteren Hochschulen und Partnern. 

Co-Gründer der brand eins Agentur für Konstruktive Wirtschaft (AKW) und Co-Autor des Buches „Die Arbeit - Wie wir sie mit KI neu erfinden“. 

„Es geht um was“

Der Intensivmediziner und Unternehmensgründer Christian Storm 
über die Notwendigkeit einer datenbasierten Medizin. 

Wofür braucht die Medizin Daten?
Ganz einfach: um ihren Job richtig und besser zu machen. Aber lange hatten wir keinen Zugriff auf Daten – erst mit dem Krankenhauszukunftsgesetz von 2020 wurden die Voraussetzungen für eine umfassende Digitalisierung geschaffen, bis 2025 müssen die genehmigten Förderprojekte umgesetzt sein. Das eröffnet zum Beispiel Chancen für die Behandlung seltener Krankheiten, deren Therapie nun weltweit verglichen werden kann. Oder für die Erforschung und Behandlung geschlechtsspezifischer Unterschiede: Allein aus der Pathophysiologie heraus kann man sehr gut medizinisch erklären, dass die Behandlung zum Beispiel eines Bluthochdrucks bei Männern oder Frauen wahrscheinlich unterschiedlich sein muss – wie genau, dafür brauchen wir Daten.

Medizindaten abzugeben ist in Deutschland ein heikles Thema – allein um die elektronische Patientenakte (ePA) ringen wir seit 20 Jahren.
Und das ist unfassbar in einem Land, in dem mehr als drei Viertel der Bevölkerung intimste Daten auf Social Media verbreiten. Aber ich fürchte, wir haben es an der notwendigen Aufklärung fehlen lassen. Wenn man Patient ist, hat man ein originäres Interesse daran, die beste Behandlung zu bekommen – und wir Ärzte müssen klar machen, dass dafür Daten überlebensnotwendig sind. Mit ihrer Hilfe können wir Behandlungen individualisieren, mit mehr Wissen behandeln und eine bessere Vorsorge betreiben. Genau dazu sind Ärzte aus meiner Sicht verpflichtet – und ich sehe das immer auch als Intensivmediziner: Die beste Behandlung ist kein Luxusgut, es geht um Leben oder Tod.  

Das ist auch die Mission des TCC (Telehealth Competence Center), das durch die digitale Fernüberwachung von Intensivstationen Komplikationen wie Sepsis oder Nierenversagen frühzeitig erkennt. Wie kam es 2020 zu der Gründung ?
Ich war 20 Jahre lang Intensivmediziner an der Charité in Berlin und ging dann ans Johns Hopkins Hospital in Baltimore. Dort erlebte ich ein Krankenhaus, das sich durch die Zusammenarbeit mit dem Massachusetts-Institut für Technologie früh für Digitalisierung geöffnet hat, und ich bekam die Chance, mit künstlicher Intelligenz zu arbeiten. Praktische Medizin, Daten und KI – das war quasi der Gründungsmoment von TCC. Und dazu kam dann bei meiner Rückkehr die Erkenntnis, dass zwar BMW, Audi, Porsche längst hoch digital sind und KI nutzen, dass viele Deutsche längst Gesundheitsdaten über ihre Smartphones sammeln – dass man sich aber vor der Weitergabe von Medizindaten scheut und bei der Versorgung von Patienten auf die gute alte leitliniengerechte Behandlung verlässt. 

Wird das mit der neuen Bundesregierung besser?
Was sie schon mal gut gemacht hat, finde ich, ist das Widerspruchsgesetz: Wenn du nicht willst, dass deine Daten aus der ePA genutzt werden, musst du widersprechen, sonst ist die Nutzung erlaubt. Aber die lange Zeit bis dahin und die Debatte darum hat Menschenleben gekostet, weil die Menschen offenbar in Google mehr Vertrauen haben als in ein öffentliches Medizinsystem. 

Was wäre möglich, wenn wir irgendwann so weit kommen wie Dänemark oder Estland?
Ja, das sind wirklich die beiden europäischen Länder, die extrem weit sind. Wenn auch wir irgendwann Daten in so einem großen Stil wie Dänemark oder Island zur Verfügung hätten, dann könnten wir individuelle Risikoprofile anlegen – also nicht für den Mann über 50, sondern für mich persönlich, ganz direkt, mit meinen individuellen Risikofaktoren. Und dann gibt es einen Präventionsplan, welche Krankheiten vielleicht kommen und wie ich sie vermeiden kann. Ich könnte auch einen nach Hause entlassenen Patienten sicher überwachen und ihm lange Liegezeiten im Krankenhaus ersparen.

Egal, ob man das nun will oder nicht – wir werden um die Digitalisierung der Medizin allein deshalb nicht herumkommen, weil uns absehbar Ärzte und Pflegepersonal fehlen.
Ja, das ist vielleicht das überzeugendste Argument: So wie bisher kann und wird es sowieso nicht weitergehen. Wir müssen jede Chance auf Vorsorge nutzen und jede Möglichkeit, einen der wenigen niedergelassenen Ärzte, die es dann noch gibt, zeit- und kostensparend mit allen notwendigen Daten zu versorgen – zum Beispiel auch von Smartwatches, die als Medizinprodukt zugelassen ist. Wir müssen endlich die Chancen, die es längst gibt, nutzen – und dafür müssen vor allem auch wir Ärzte werben: Es geht um nicht weniger als Menschenleben. 

Christian Storm, Geschäftsführer und Co-Gründer der TCC GmbH, ist Facharzt für Innere Medizin, Autor zahlreicher Artikel, Bücher und Leitlinien sowie Gutachter und wissenschaftlicher Leiter von vielen nationalen und internationalen klinischen Studien. Bei seinem zweijährigen Forschungsaufenthalt an der Johns Hopkins University forschte er vor allem im Bereich maschinelles Lernen/künstliche Intelligenz.

Disclaimer: Thomas Poetzsch, Aufsichtsrat und Aktionär der brand eins Medien AG, ist an TCC beteiligt. 

„Warum müssen wir alles selbst erfinden?“

Der Klinikchef David-Ruben Thies* über Vorbilder und eine Hoffnung.   
*Wir kennen uns von der work awesome 2024.

Was ist für dich der wichtigste Reformansatz für unser Gesundheitssystem?
Dass wir vom Ausland lernen und nicht glauben, immer wieder alles neu und selbst erfinden zu müssen. Es gibt eigentlich für alle Probleme schon wundervolle Lösungen irgendwo auf dieser Welt. Und diese Lösungen sollte man nach Deutschland holen.

Wohin würdest du schauen?
Dänemark, Niederlande, Estland. Es kommt immer auf das Thema an. Beim Thema Digitalisierung würde ich immer nach Kalifornien schauen und auch nach China – da siehst du, wie es laufen könnte. Wenn es darum geht, ambulant und stationär zu organisieren, würde ich nach Dänemark blicken. Und den gesunden Wettbewerb zwischen den Leistungserbringenden haben die Niederlande sehr gut hinbekommen.

Kannst du an einem Beispiel erklären, was der Unterschied ist?  
Die neue Bundesregierung hat mit dem Primärarztsystem einen Anfang gemacht. Wie das gut funktionieren kann, zeigt Dänemark. Dort ist der Hausarzt grundsätzlich die erste Anlaufstelle, und in den Niederlanden ist man an ihn für ein Jahr fest gebunden. Man kann also nicht von Arzt zu Arzt wechseln, sondern du entscheidest dich einmal im Jahr für einen Arzt, und der überweist dich an den Facharzt. Und die sitzen in diesen Ländern alle an den Kliniken und erbringen dort ambulante stationäre Leistungen.  

Ist das in Deutschland nicht genauso?
Nein, in Deutschland kannst du so lange den Arzt wechseln, bis du den gefunden hast, der genau das tut, was du gerade haben möchtest. Und das macht das System dann unendlich teuer. Wir gehören weltweit zu den führenden Nationen bei den Besuchen von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten.

Haben wir denn genug Hausärzte?
Es kommt darauf an, wie du es organisierst. Wenn man nach Bevölkerungszahlen vergleicht, haben wir eigentlich ausreichend viele. Aber unser System ist einfach ineffizient.  

Und das wird nun besser?
Das können wir nur hoffen, noch wissen wir nicht, was genau geplant ist.

Dann lass uns grundsätzlicher schauen: Was macht unser Krankheitswesen zu einem Gesundheitswesen?
Wir tun noch viel zu wenig für Prävention – und wir lagern dieses Thema als System, als Staat, als Volkswirtschaft komplett an das Individuum aus. Dem Staat ist es egal, was du für dich tust oder eben auch nicht tust. Ist das der richtige Weg? Ich denke nicht. Man sollte schon in die frühkindliche Erziehung Ernährungsfragen einbeziehen – was ist eine Mohrrübe und was kann man damit machen? Was ist vorher mit einem Tier passiert, wenn ich Fleisch esse? Und auch da kann man wieder viel von anderen Ländern lernen: In Dänemark zum Beispiel zahlen Unternehmen, die in ihren Kantinen gesunde Kost anbieten, weniger Arbeitgeberbeiträge in ihr Gesundheitswesen ein.  

Wird uns die Digitalisierung helfen? 
Wenn wir sie irgendwann haben …? Noch gibt es keine coolen Lösungen in Deutschland. Und ich denke nicht, dass es am Widerstand von Ärztinnen und Patienten liegt: Es fehlen Vorteile, die die Digitalisierung bringen sollte. Nehmen wir die elektronische Patientenakte: Du hast ja keinen Mehrwert daraus. Selbst wenn man alles sorgsam eingetippt hat, muss man im Krankenhaus dieselben Fragen noch einmal und bis zu weiteren acht Mal beantworten. Und befüllt wird die ePA nur mit Abrechnungsdaten, nicht mit Diagnosen. Wie das System effektiv wird, zeigen die USA mit ihrem (bezahlpflichtigen) Concierge-System: Da hast du einen kleinen digitalen Begleiter, der dich auf die nächsten Vorsorgetermine aufmerksam macht und auch gleich die entsprechenden Termine einstellt. Vorbilder gibt es überall auf der Welt, warum muss Deutschland immer seinen Weg selbst erfinden?

Wo hilft Digitalisierung jetzt schon an den Waldkliniken Eisenberg?
Sie hat uns beispielsweise eine Jahresdienstplanung für Pflegekräfte beschert. Das Motto ist: „Arbeite doch, wann du willst“, und das funktioniert ganz prima, weil sich die Leute ihren eigenen Dienstplan schreiben und zwölf Monate im Voraus planen können – ganz ohne Chefs. Zweites Beispiel: In wenigen Tagen launchen wir eine neue Version von „Helsi“. Helsi ist das digitale Patientenportal der Waldkliniken Eisenberg und unser digitaler Concierge, der ziemlich genau das macht, was ich oben am Beispiel USA beschrieben habe. Helsi begleitet unsere Patienten vom ersten Kontakt mit dem Krankenhaus bis weit nach der Entlassung. Helsi reduziert den Papierkram für Patienten und für Mitarbeitende. Die angesprochene Mehrfachfragerei fällt weg. Ärzte und der Patient sowie dessen Angehörige haben jederzeit und überall Zugriff auf Diagnosen oder Bildgebung, der Hausarzt hat sofort alle Infos auf dem Portal und muss nicht mehr auf den Arztbrief warten. Wir sind ein bisschen stolz, so ein Portal in Eigenregie mit Förderung des Freistaats Thüringen entwickelt zu haben und seit 2020 immer weiter zu optimieren, während die Bundesrepublik nach mehr als 20 Jahren und einigen Milliarden Euro jetzt gerade eine elektronische Patientenakte ausrollt, die leider weit weniger Funktionen und Nutzen als unser digitaler Helfer hat.  

Waldkliniken Eisenberg GmbH
David-Ruben Thies ist seit 2008 Geschäftsführer der Waldkliniken Eisenberg GmbH und des Deutschen Zentrums für Orthopädie. Seine Karriere begann er als Krankenpfleger in München, später erwarb er das Diplom zum Krankenhausbetriebswirt. 2020 konnte er seine Vision eines patientenfreundlichen Krankenhauses mit der Eröffnung eines neuen Bettenhauses für die Waldkliniken Eisenberg verwirklichen. Dort hat er erfolgreich das Konzept der Healing Architecture umgesetzt, das den Komfort eines Hotels mit der medizinischen Versorgung kombiniert. Diese innovative Herangehensweise hat dazu beigetragen, dass Patienten weniger Schmerzmittel benötigen und schneller genesen. Zudem setzt Thies an den Waldkliniken Eisenberg stark auf die Prinzipien von New Work und ist damit ein Pionier im deutschen Krankenhauswesen. 

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BRAND EINS ARCHIV ZUM THEMA

Alle Texte sind im brandeins-Abonnement enthalten. 

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WEITERFÜHRENDE LITERATUR

(2021, December 1). Tripartite and UNEP support OHHLEP's definition of "One Health".

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Zum Vergleich der Gesundheitssysteme ausgewählter Länder, WD 8 3000 092/24.

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DREI INTERNATIONALE HIGHLIGHTS

Chicago Health Atlas (USA): Die nach der SARS-Epidemie gestartete, 2013 veröffentlichte Plattform zur Visualisierung und Analyse von Gesundheitsdaten auf Stadtteilebene fördert gezielte Interventionen und Community-Engagement. Über 330 Indikatoren zu demografischen, sozialen, klinischen, Umwelt- und Verhaltensdaten sowie Mortalitäts- und Morbiditätsraten. Die School of Public Health der University of Illinois Chicago hat dies vor Kurzem übernommen.
Das ist eins der Vorbilder für urbane Gesundheitsdatenräume, die sich aus über 30 Institutionen speisen.

Helsinki (Finnland): Das Kalasatama Health and Wellbeing Centre (kurz: Kalasatama Lab) in Helsinki wurde 2018 eröffnet. Das Zentrum dient als Innovationslabor für digitale und integrierte Gesundheits- und Sozialdienstleistungen. Ich sehe sie als einen der methodischen Vorreiter bei der Co-Creation mit Bürgern, Mitarbeitenden und Unternehmen. Das Forum Virium koordiniert zwischen den Anspruchsgruppen.
Es werden digitale Tools, smarte Prozesse und neue Servicekonzepte pilotiert, die dann in den Regelbetrieb übernommen werden können. Nutzerfeedback, agile Entwicklung und enge Kooperation mit Start-ups und Forschungseinrichtungen sind zentrale Elemente. Vorreiter bei der Integration von Gesundheitsdaten, Smart-City-Initiativen und digitaler Bürgerbeteiligung im Gesundheitsbereich.
Zentrale Prinzipien dieser Ansätze sind immer wieder die gleichen – von Amsterdam bis Kopenhagen: Intersektorale Politik (also zwischen Marktteilnehmern, Kommune, Zivilgesellschaft und Wissenschaft), hohe lokale Vernetzung, Nutzung kommunaler Ressourcen und Integration von Stadtplanung und Gesundheit sind entscheidend für erfolgreiche urbane Gesundheitsstrategien.

Ping An Health: Chinesische One Minute Clinics
Ping An ist eines der größten Versicherungs- und Technologieunternehmen Chinas und ein globaler Vorreiter im Bereich digitaler Medizin. Mit seinen Telemedizin-Plattformen (insbesondere Ping An Health und der App Good Doctor) hat das Unternehmen eine – für Europa nicht ohne Weiteres gewollte und machbare – Vorreiterrolle für die Integration von künstlicher Intelligenz in die medizinische Versorgung. Die Plattform bietet ein umfassendes Spektrum an Dienstleistungen: Online-Beratung, Terminvereinbarungen, Überweisungen, Medikamentenlieferung, Rehabilitationsberatung und das Management chronischer Erkrankungen.
Wir haben für die Charité über die sogenannten One Minute Clinics geforscht: ein KI-basiertes, personalfreies Offline-Terminal, das telemedizinische Leistungen und Basisdiagnostik (z.B. Blutdruck- und Temperaturmessung) ermöglicht.
Sieht aus wie eine Passfotobox. Die Ping-An-Clinic-Box basiert auf einem weitem Ökosystem – aus Diagnose, Konsultationen, Honorarabrechnungen, Medikamente- und Therapieabrechnungen. Es ist als Abo-Modell organisiert, was auch bei Auslandsbehandlungen Hilfestellung leistet. Die nun in ganz China erfolgten Klinikaufbauten basieren auf einem Transportcontainer mit einer Kombination von Foto- und Verkaufsautomat – als automatisierte Gesundheitszentren für über 2.000 gängige Krankheiten. Die Relevanz und Geschwindigkeit dieses Ansatzes erklärt sich vor allem aus der niedrigen Ärztezahl von 1,8 pro 1.000 Einwohner und den sehr langen Pendelfahrtzeiten von etwa drei Stunden bei durchschnittlich acht Minuten Besprechungszeit mit dem Arzt.
Die Kritik ist schnell bei der Hand – nur interessanterweise nicht bei chinesischen Studierenden in Deutschland, die auch das Social Scoring System, die damit bestehenden Datenbasen von Schlaf-, Ernährungs-, Stress-, aber auch Mobilitäts- und Einkaufsdaten etc. in Verbindung mit Gesundheitsdiagnosen, Prävention sowie schnelle Behandlungszeiten differenzierter betrachten. Das wäre es wert.

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Das Bild zeigt ein sich wiederholendes Muster aus rosa und weißen vertikalen Streifen. Die Streifen sind in einem diagonalen Muster angeordnet, wodurch ein visuell auffälliges und dynamisches Design entsteht. Das Bild ist im Hochformat gehalten, was die vertikale Ausrichtung der Streifen hervorhebt. Das Farbschema ist überwiegend rosa und weiß, wobei die rosa Streifen stärker hervortreten. Das Bild enthält keinen Text oder andere erkennbare Objekte, und die relativen Positionen der Streifen bleiben während des gesamten Musters gleich.