von links: Der Fotograf Franz Walter, Till Wahnbaeck (Impacc), Sebastian Brandis (Menschen für Menschen) und Bernhard Hanel, Begründer des World Child Forums (WCF)
27. Juni 2025 – Ausgabe 03 / Kann in Afrika ein besserer Kapitalismus entstehen?
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
in diesem 3. Energieriegel geht es um ein Thema, das im Juni beim AKW-Live-Stammtisch in der Marzipanfabrik eine wichtige Rolle spielte: um Afrika und die Frage, ob dort ein besserer Kapitalismus entstehen kann. Zwei der Gäste, die in unserem Wirtschaftssystem sozialisiert wurden und die heute mit sehr unterschiedlichen Organisationen in Afrika arbeiten, lösten mit ihren Thesen und Erfahrungen eine rege Diskussion aus. Till Wahnbaeck, Gründer der gemeinnützigen Risikokapitalgesellschaft Impacc, und Sebastian Brandis, Vorstandssprecher der Stiftung Menschen für Menschen, die aus der Äthiopienhilfe von Karlheinz Böhm entstanden ist.
„Für überflüssigen Luxus fehlen die Zeit und das Geld“
Till Wahnbaeck promovierte in Geschichte an der Universität Oxford, begann seine Karriere 2000 bei Procter & Gamble und wurde 15 Jahre später Vorstandsvorsitzender der Welthungerhilfe. Danach gründete er eine gemeinnützige Risikokapitalgesellschaft, um das Beste aus beiden Welten zu vereinen: Impacc wandelt Spenden in Investitionen um und nutzt die Instrumente der Wirtschaft, um innovative Unternehmer in Afrika zu fördern.
AKW: Du warst knapp vier Jahre CEO bei der Welthungerhilfe und wurdest dort auch wegen deiner Konzernvergangenheit als knallhart empfunden. Zu Recht?
Till Wahnbaeck: Welche Position jemand einnimmt, liegt im Auge des Betrachters. In der Privatwirtschaft war ich immer der naive Gutmensch, im sozialen Sektor der harte Turbokapitalist. Beides konnte ich verstehen, aber beides fand ich auch immer etwas enttäuschend – produktive Spannung und Fortschritt entstehen immer dann, wenn sich unterschiedliche Perspektiven unvoreingenommen begegnen. Andererseits ist aber auch richtig: Der starke Fokus auf Messbarkeit und konkrete Ergebnisse, wie ich ihn aus der Privatwirtschaft kannte, wird im sozialen Sektor nicht immer geschätzt – einerseits, weil echter Wandel schwer messbar ist. Andererseits kann es aber auch eine Ausrede sein, sich einer Überprüfung nicht stellen zu wollen.
Dein Ansatz für Impacc: warum nicht die Instrumente der Wirtschaft für einen besseren Zweck nutzen? Funktioniert das?
Als wir Impacc 2019 gegründet haben, war es ja eher eine fixe Idee. Nach fünf Jahren und viel Versuch und Irrtum denke ich: Entwicklungshilfe geht tatsächlich effizienter, wenn man Gelder nicht in Projekte steckt, die enden, wenn das Geld alle ist, sondern wenn man in vielversprechende Gründer investiert, damit sie ihre eigenen Lösungen vorantreiben und irgendwann mit den Erträgen eine neue Generation von Gründern unterstützen können. Die mehr als 2.000 Jobs, die die von uns unterstützten Unternehmen bis heute geschaffen haben, geben uns Recht.
Du wolltest die paternalistische durch eine unternehmerische Lösung ersetzen. Was ist damit gemeint?
Unter paternalistisch verstehe ich das traditionelle Gefälle zwischen dem Geber, der gibt, und dem Nehmer, der dankbar sein sollte. Auch bei unserem Ansatz gibt es ein Gefälle. Aber ich finde, es macht einen unglaublichen Unterschied, wenn man sagen kann: „Ja, wir haben das Geld, aber ihr habt die coole Geschäftsidee – wollen wir sie zusammen größer machen?“ Interessanterweise sagen mir afrikanische Gründer immer wieder: „Wir arbeiten nicht gerne mit NGOs zusammen, die holen nicht das Beste aus uns raus.“ Sie wollen ernst genommen werden: keine Geschenke, sondern Vertrauen in ihre unternehmerischen Fähigkeiten, verbunden mit der Erwartung, dass sie Ergebnisse liefern.
Warum gibt es keinen Markt für soziale Projekte?
Weil es sich nicht rechnet. Beim Thema Umweltschutz war der Business Case lange Zeit die Kostenersparnis in der Produktion: Wenn ich weniger Energie einsetze, weniger Abfall produziere und Verpackung reduziere, spare ich Kosten und erhöhe den Gewinn. Im sozialen Bereich ist oft das Gegenteil der Fall: Mehr Beschäftigte in Lohn und Brot und fairere Gehälter kosten erst einmal Geld. Es braucht daher eine politische Steuerung, damit sich soziales Engagement lohnt, vergleichbar mit der Bepreisung von Kohlendioxid, die Unternehmen dazu bringt, klimafreundlicher zu wirtschaften.
Du sagst, wir sollten uns bei der Transformation auf den Kern des Wirtschaftssystems besinnen. Was heißt das konkret für Afrika?
Ich denke, eine sinnvolle Geschäftsidee sollte ein echtes Problem lösen, und zwar für so viele Menschen wie möglich. Fast alle afrikanischen Start-ups, die ich kenne, tun das, denn für überflüssigen Luxus fehlt die Zeit und das Geld. Die Welt braucht keine weiteren Lieferdienste, die in acht statt in zehn Minuten liefern. Sie braucht smarte Lösungen für bessere Gesundheit, Ernährung und Bildung. Wenn die Unternehmen dann noch Jobs schaffen, die Menschen aus der Armut helfen, ist das eine perfekte Daseinsberechtigung, die jede Unterstützung verdient. Vielleicht sollten wir uns bei unserem Wirtschaften immer mal wieder fragen: Für welches Problem ist das jetzt die Lösung?
Wie müsste sich der Kapitalismus verändern, damit das funktioniert?
Ich finde das Konzept des Afrikapitalismus spannend, das den Unternehmergeist und die Marktmechanismen des Kapitalismus mit einem starken Bekenntnis zum Gemeinwohl verbindet. Afrikapitalismus setzt sich für Unternehmen und Märkte ein, die tief in afrikanischen Kulturen verwurzelt sind und die der Gemeinschaft und nicht nur den Anteilseignern dienen. Man vertraut dem einzelnen Unternehmer mehr als zum Beispiel die europäische Gemeinwohlökonomie, aber im Ziel ähneln sich die beiden Systeme – vielleicht wäre das eine gute Alternative nicht nur für Afrika, sondern auch für uns?
„Knapp daneben kann weit am Ziel vorbei sein“
Sebastian Brandis hat Physik und Philosophie in Bonn und Cambridge studiert und in Physik in Hamburg promoviert. Zunächst als Unternehmensberater bei Booz Allen Hamilton, über die IT- und Telekommunikationsbranche bei Viag Interkom, BT Group und zum Schluss als COO beim Rechenzentrumsbetreiber E-Shelter war sein Ziel, die Wirtschaft von innen heraus nachhaltiger und sozialer zu gestalten. Bei der Stiftung Menschen für Menschen bringt er diese Erfahrung aus der Wirtschaft ein.
AKW: Kannst du kurz erläutern, was die Stiftung in Äthiopien tut?
Sebastian Brandis: In der Organisation arbeiten etwa 600 Menschen, davon mehr als 95 Prozent Äthiopier und Äthiopierinnen. Die große Mehrheit lebt mit der Bevölkerung im ländlichen Raum als Sozialarbeiterinnen oder landwirtschaftliche Berater und arbeitet dort mit etwa 1,3 Millionen Menschen, verteilt auf aktuell zwölf Projektgebiete in verschiedensten Teilen des Landes – in der Regel dort, wo sonst kaum jemand hinkommt. Dabei geht es immer darum, innerhalb von zehn bis zwölf Jahren die Lebensumstände so zu verbessern, dass die Familien vor Ort danach genug Gestaltungsfreiheit haben, um ihre Entwicklung wesentlich selbst zu bestimmen. Das bedeutet unter anderem: der Zugang zu sauberem Wasser, ausreichende und vielfältige Ernährung durch nachhaltige Landwirtschaft, der Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung sowie die Chance auf ein eigenes Einkommen, vor allem für Frauen. Unterstützt werden wir dabei von Einzelpersonen, Stiftungen, Vereinen und Unternehmen, zumeist aus dem deutschsprachigen Raum in Europa.
Ist es gut, wenn der Beruf Berufung ist?
Die Begeisterung für die Aufgabe kann eine enorme Energie freisetzen. Aber wenn man als Person mit der Aufgabe zu sehr verheiratet ist, kann man Gefahr laufen, vor lauter Begeisterung Fakten zu übersehen oder eine sinnvolle Kritik an der Sache zu sehr persönlich zu nehmen. Das kann auch dazu verleiten, an etwas festzuhalten, was man vielleicht auch loslassen muss – das kommt aber sowohl in Nichtregierungsorganisationen vor als auch in gewinnorientierten Unternehmen.
Was empfiehlst du für die Zusammenarbeit mit Afrika aus deiner Erfahrung heraus?
Knapp daneben kann weit am Ziel vorbei sein: Zu selten wird noch richtig zugehört, was wirklich das Problem der Menschen und Gesellschaften vor Ort ist. Wir sind als Europäer noch sehr weit von einem Verständnis der afrikanischen Realität entfernt und schätzen daher zum Beispiel auch gesellschaftliche Veränderungen oftmals falsch ein. Ein Beispiel: Wir behaupten gern zu wissen, was der Kontinent braucht – wie viele Wasserprojekte, wie viele Schulbauten. Und wenn man nur genügend Unternehmer unterstützt, am besten Frauen, wird alles gut. Meine Erfahrung ist, dass es nicht so sehr darauf ankommt, was man macht, sondern wie die innere Haltung ist – ist sie wirklich partizipativ? Wird systemisch, vernetzt, ganzheitlich und kooperativ gedacht? Ist die jeweilige Maßnahme nachhaltig und genau am Bedarf ausgerichtet?
Auf keinem Kontinent leben so viele junge Menschen wie in Afrika – was bedeutet das?
Es wäre eine riesige Chance, wenn sie alle eine gute Ausbildung erhalten und genügend sinnvolle Jobs vor Ort geschaffen werden – dann kann sich die sogenannte demografische Dividende als ein riesiger Wohlstandsmotor für den Kontinent erweisen. Und auch für alle anderen, die tragfähige Partnerschaften mit Afrika eingehen (wollen). Aber es kann auch gigantisch schiefgehen, wenn Bildung und Basisversorgung nur unzureichend gelingen und vor allem nicht genug angemessen bezahlte Jobs entstehen. Für Europa wird es massive Auswirkungen haben, ob mit Afrika eine nachhaltige Partnerschaft gelingt. Daher sollte es im ureigenen Interesse Europas sein, sich zu engagieren.
Du sagst: Afrika könnte uns inspirieren. Hast du Beispiele?
Mich hat vor einigen Jahren die Aussage eines arbeitslosen Jugendlichen sehr bewegt, der mir erklärte, warum er in einem unserer Projekte kleine Unternehmen und Kooperativen bei der Gründung unterstützt. Seine Hauptmotivation war, etwas zu schaffen, was anderen Jugendlichen und Freunden ebenfalls die Möglichkeit auf einen Job eröffnet. Es ging ihm nicht primär ums Geldverdienen, er wollte die Ungleichheit reduzieren und Stabilität in sein Umfeld bekommen. Das ist sicher nicht repräsentativ, aber eine solche Sicht habe ich noch bei keinem Start-up-Pitch in Deutschland gehört, zumindest nicht dort, wo die großen Gelder investiert werden. Da geht es vorrangig um Skalierung und den schnellen Exit – primär zum Wohle weniger.
Der Westen will die Welt gern mit seinen Errungenschaften beglücken, du hast Zweifel, dass das für Afrika richtig ist – warum?
Jede aufstrebende Gesellschaft hat die Chance, von anderen zu lernen und das Gelernte dann weiterzuentwickeln. Die griechische Kultur hat viel vom antiken Ägypten übernommen und weiterentwickelt, ebenso haben die Römer Ideen des griechischen Staatswesens perfektioniert, unser Rechtssystem baut wiederum auf dem römischen auf. Entscheidend ist, Weiterentwicklung zuzulassen. Was aus den demokratischen und kapitalistischen Grundideen, mit denen wir hier im Westen sehr weit gekommen sind, in den Ländern Afrikas (jedes für sich!) übernommen und angepasst werden muss, ist deren Entscheidung.
Die Entwicklungszusammenarbeit der Nachkriegszeit ging von der Theorie aus, Afrika müsse modernisiert werden. Das hat nur zu Abhängigkeiten geführt statt zu Partnerschaften. Mehr Zuhören ist gefordert, mehr Eigenentwicklung zuzulassen ist angesagt, weniger Bedingungen stellen, die zu stark an unsere Sozialsysteme angelehnt sind. In vielen afrikanischen Bevölkerungsgruppen gab es schon in frühen Jahrhunderten eigene, zum Teil sehr demokratisch-egalitär angelegte Steuerungssysteme, die oft durch kriegerische oder koloniale Aktivitäten an Bedeutung verloren haben. Die nächste Generation der afrikanischen Führungselite fängt an, dieses alte mit neuem Wissen zu vereinen. Das hat meines Erachtens Zukunft.
Wird im globalen Süden eine neue Wirtschaft entstehen, wie manche behaupten?
Wesentlich für mich sind drei Beobachtungen: Erstens die Chance des Leapfrogging, also das Überspringen von Entwicklungsschritten, weil kaum Altlasten überwunden werden müssen. Ein vielleicht überstrapaziertes Beispiel ist das Mobile Payment M-Pesa in Kenia und mittlerweile vielen anderen Ländern: Ein Großteil des Bruttosozialprodukts geht schon heute an Banken vorbei. Oder E-Mobility: Bei den wenigen fossil angetriebenen Autos pro Einwohner in Afrika lässt sich die Transformation viel schneller und leichter erreichen – Äthiopien hat vergangenes Jahr als erstes Land der Welt den Import von Verbrennern verboten.
Zweitens die Verfügbarkeit von CO₂-neutraler Energie: Der afrikanische Kontinent wird laut der Internationalen Energieagentur heute schon zu mehr als 40 Prozent mit erneuerbaren Energien versorgt (Europa: 25 Prozent), Länder wie Äthiopien oder die Republik Kongo produzieren nahezu zu 100 Prozent ihres Stromes erneuerbar. Statt Werke in Europa aufwendig auf Wasserstoff umzustellen, bietet sich eine Verlagerung der Produktion nach Afrika an.
Drittens ein radikaler Gedanke: Wie lange können wir das Rattenrennen der Produktivitätssteigerung nach westlichem Modell noch weiter ausreizen? Zivilisationskrankheiten wie Depressionen, Burn-out oder Adipositas sind zumindest im ländlichen Äthiopien noch nicht vorhanden – in einigen westlich anmutenden afrikanischen Metropolen sind sie bereits auf dem Vormarsch. Könnte dieser gesündere Umgang mit Mensch und Natur nicht ein wesentlicher Treiber für die afrikanische Wirtschaft sein?
Du hast bei unserem Stammtisch am Beispiel Kaffee den notwendigen Systemwechsel veranschaulicht.
Im Moment treibt der Klimawandel das bestehende System in eine Krise: Durch vermehrte Dürren und Überflutungen in den wesentlichen Anbauländern kommt seit Jahren zu wenig Kaffee für den steigenden Bedarf auf den Markt. Und hier gibt es jetzt verschiedene Interessenlagen: die der ländlichen Bauern und Bäuerinnen sind ganz andere als die der Röster und der europäischen Regulatoren. So hat zum Beispiel der globale Kaffeegroßhandel Interesse an einer zentralen Lagerhaltung, um weltweit die Nachfrage flexibler bedienen zu können und Geschäft abzusichern. Die Kleinbauern nutzen jedoch in ihrem Vielfrucht-System mit vielen anderen schnell vergänglichen Früchten die Kaffeekirsche als relativ leicht lagerbares Gut vor Ort, sozusagen als Working Capital, um immer wieder etwas Cash zu bekommen. Ein gemeinsamer Nenner könnte ein anderes Bezahlsystem der Händler an die Bauern sein, welches die Liquidität der Bauern antizyklischer absichert. Oder man könnte regenerative Landwirtschaft honorieren, was wiederum auch im Interesse der Großhändler wäre, weil es die Klimaschäden reduziert und die Produktivität steigert. Die entscheidende Frage ist: Wer steuert diese Transformation in einem fragmentierten Markt?
Welche Rolle spielt der Klimaschutz – und welche sollte er spielen?
Soziale Projekte in Afrika scheinen aus europäischer Sicht sehr weit weg zu sein. In Krisenzeiten lässt zudem die Spendenbereitschaft nach, und auch der drohende Migrationsdruck wird im Zweifel lieber mit Mauern bewältigt. Aber das Klima geht alle an, und Klimafinanzierung in Afrika hilft auch direkt hier in Europa, weil es quasi egal ist, wo die Tonne CO₂ vermieden oder gespeichert wird. Im Zweifel ist es sogar einfacher, Natur in Afrika zu regenerieren, statt in Europa Moore oder Wälder zu restaurieren – und zwar dort in Afrika, wo gleichzeitig die Biodiversität am höchsten ist. Und da vernünftige Klimaprojekte die lokale Bevölkerung mit einschließen sollten, kann eine Klimafinanzierung ein enormer Hebel sein, um auch soziale Projekte mitzufinanzieren.
Mit der Unterstützung von Jens Bergmann, Katja Ploch und Lydia Gless.
BRAND EINS ARCHIV ZUM THEMA
Alle Texte sind im brandeins-Abonnement enthalten.
Seit mehr als 20 Jahren berichtet brand eins regelmäßig über Afrika. Neben zahlreichen Korrespondentenberichten aus Südafrika haben wir auch viele inspirierende – teils preisgekrönte – Unternehmertum-Reportagen, etwa aus Ghana, Nigeria oder dem Senegal, veröffentlicht. Eine kleine Auswahl:
Esther Duflo, Abhijit V. Banerjee, 2012
Poor Economics: Armut bekämpfen heißt, sie verstehen
(Suhrkamp, 2019)
- Was ist das Thema?
Das Buch analysiert, wie Armut entsteht und wie sie effektiv bekämpft werden kann, indem es die Lebensrealitäten der Armen in den Mittelpunkt stellt. - Was ist die Herausforderung?
Banerjee und Duflo zeigen in ihrer mit dem Nobelpreis gewürdigten Forschung, dass klassische Entwicklungshilfe und makroökonomische Ansätze oft an der Komplexität des Alltags der Armen scheitern und plädieren für eine mikroökonomische, evidenzbasierte Herangehensweise. - Was ist das Ergebnis?
Gezielte, lokal angepasste Interventionen sind nachweislich wirksam. Forderung nach mehr Experimentierfreude und weniger Ideologie in der Entwicklungspolitik.
Oluwabunmi Adejumo, Uchenna Efobi, Simplice A. Asongu, 2020
Financing Sustainable Development in Africa: Taking Stock, and Looking Forward
(AGDI Working Paper 20/071, 2020; Handbook of Research on Institution Development for Sustainable and Inclusive Economic Growth in Africa)
- Was ist das Thema?
Die Studie analysiert aktuelle Finanzierungsformen für nachhaltige Entwicklung in Afrika und bewertet deren Wirkung auf Armut, Ungleichheit und menschliche Entwicklung. - Was ist die Herausforderung?
Traditionelle Entwicklungsfinanzierung wie Entwicklungshilfe und Auslandsinvestitionen zeigen weiterhin Schwächen und können neue Probleme verursachen. - Was ist das Ergebnis?
Die Autoren plädieren für alternative Finanzierungsquellen wie informelle Netzwerke, Genossenschaften, Crowdfunding und Remittances, um Entwicklungsziele inklusiver und nachhaltiger zu erreichen.
Stephan A. Jansen, Wolfgang Spiess-Knafl, Clemens Mast, 2021
Investments in Digital Social Business Models
(in: „Innovations in Social Finance“, Springer)
- Was ist das Thema?
Der Beitrag untersucht empirisch anhand von 397 Investitionen, wie Sozialinvestoren in unterschiedlichen Ländern auch digitale Technologien berücksichtigen. - Was ist die Herausforderung?
Trotz des großen Potenzials digitaler Ansätze gibt es weiterhin Hürden bei Skalierung, Wirkungsmessung und Finanzierung von Social Enterprises. - Was ist das Ergebnis?
Die Autoren zeigen, dass digitale Plattformen und innovative Geschäftsmodelle die Reichweite und Effizienz sozialer Investitionen deutlich erhöhen können, wenn regulatorische und organisatorische Rahmenbedingungen stimmen.


