Nachtisch
Mit guter Ernährung und der Frage, wie möglichst viele Menschen daran teilhaben können, hat brand eins sich in zwei Schwerpunkten beschäftigt: 2009 und 2018. Beim Rückblick zeigen sich interessante Entwicklungen – und ein paar Brüche.
In der Lebensmittel-Ausgabe von 2018 interessierten wir uns vor allem für Innovationen. Den Genuss-Teil steuerte Adrian Plonka bei, damals scheidender Inhaber eines Kult-Imbisses.
2018 begann in der Lebensmittelbranche ein Innovationswettlauf, der ein paar Jahre später in Milliardeninvestitionen münden sollte. Der Besuch in den Experimentierküchen von Kölln, Iglo und Bahlsen war faszinierend und ernüchternd zugleich.
Unsere Autorin Sophie Burfeind hat sich damals in den Laboren der Start-ups umgesehen, denn diese boomten, nicht nur in der „Höhle der Löwen“. Für die Gründer des Gewürzhändlers Ankerkraut begann mit ihrem TV-Auftritt 2016 eine Erfolgsgeschichte. 2022 verkauften sie ihre Firma an Nestlé, seither sind sie Markenbotschafter und investieren.
b1.de/11-2018_rischart Fotografie / Illustration: Thekla Ehling, Ludwig Schöpfer, Ika Künzel, Robert Fischer, Tillmann Franzen
Als wir 2018 vom niederländischen Lieferdienst Picnic und den Online-Ambitionen des Münchener Bäckers Magnus Müller-Rischart berichteten, war der Online-Lebensmittelhandel in Deutschland mit etwas mehr als eine Milliarde Euro Jahresumsatz noch in den Anfängen – seitdem ist er auch infolge der Coronapandemie auf knapp vier Milliarden Euro gewachsen.
Die Bäckerei Müller-Rischart hat sich ebenfalls gut entwickelt, mit inzwischen 21 Filialen allerdings vor allem stationär. Den Onlinehandel gibt es zwar noch heute, aber er beliefert nur Kunden in München und dem nahen Umland – die Zusammenarbeit mit Amazon wurde im Jahr 2024 beendet. Für die Zukunft, sagte der Unternehmer der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«, strebe er ein gesundes und organisches Wachstum ohne Abstriche in der Qualität an. Picnic gibt es noch, mittlerweile mit einer Beteiligung von Edeka, ist aber keiner der großen Player geworden.
Fotografie / Illustration: Thekla Ehling, Ludwig Schöpfer, Ika Künzel, Robert Fischer, Tillmann Franzen
2009 haben wir uns zum ersten Mal in einem Schwerpunkt mit einem unserer Lieblingsthemen beschäftigt: Essen. Und mit einer Branche, die ihre Existenzberechtigung nie verteidigen musste.
Unser Autor Christian Sywottek war einigermaßen beeindruckt von der Firmenkultur eines Tofuherstellers aus Freiburg. Wichtige Entscheidungen fielen im großen Ratskreis, der Gründer redete vom Energiefluss. Schon damals zeigte der zweite Blick, dass die Firma eine Menge richtig macht. Heute ist die Firma unter dem Namen Taifun-Tofu mit rund 50 Millionen Euro Umsatz (damals 15) und 320 Mitarbeitern (damals 130) der Shooting-Star der damaligen Ausgabe.
Warum sind die Lebensmittelspreise in Deutschland so niedrig? Das war 2009 die Frage, die wir dem Unternehmensberater Andreas von der Gathen stellten. Seine Antworten erklären auch heute noch eine Menge.
Und auch 2009 haben wir uns schon mit der schwindenden Qualität der Böden beschäftigt. Für vorausschauende Landwirte und Agrarökonomen war bereits absehbar, was heute – 17 Jahre später – selbst Konzerne beunruhigt.
Nicht alle der 2009 vorgestellten Unternehmen und Organisationen haben überlebt: Dr. Hoppe, der Bio-Caterer aus Kassel, der gesundes Essen an Schulen bringen wollte, musste 2010 Insolvenz anmelden. Und auch Weight Watchers, eine der erfolgreichsten Abspeck-Organisationen der Welt, hat im Mai 2025 in den USA ein Insolvenzverfahren zur Neuaufstellung eingeleitet. Einer der Gründe: die Konkurrenz durch die Abnehmspritze.
Lebensmittel-Tafeln gibt es seit 1993, die Gründer und Förderer hofften, dass sie eine Übergangslösung bleiben würden. Stattdessen ist die Zahl der Menschen, die auf sie angewiesen sind, seit 2009 um mindestens 50 Prozent gestiegen. Die Einblicke unseres Autors Peter Laudenbach sind bis heute aktuell.
Fotografie / Illustration: Sarah Illenberger, Thekla Ehling, Jan Friese, Michael Hudler, Hartmut Nägele