Editorial

Einzigartig

Das Wissen um Kaffee, Sorten und Zubereitungsarten ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Wir Verbraucher haben eine Menge gelernt und kennen uns inzwischen schon ziemlich gut aus. Wir nutzen unterschiedliche Maschinen, wissen, welche Bohne sich für welchen Genuss am ehesten eignet, wir dosieren minutiös Temperatur, Druck und Wasser und kreieren souverän Crema und Milchschaum.



Aber haben Sie gewusst, dass gemahlener Kaffee schon nach zehn Minuten 50 Prozent seiner Aromen einbü.t? Dass Blends, also Mischungen, qualitativ mindestens so hochwertig sind wie pure oder sortenreine Alternativen? Dass sehr gute Kaffee-Mischungen nicht aus 20 bis 30, sondern im Idealfall nur aus zwei bis vier verschiedenen Sorten kreiert werden – für die Abfüllung eines Single Malt Whiskeys hingegen der Inhalt von 100 bis 150 Fässern so miteinander vermählt wird, dass ein bestimmtes Geschmacksprofil erreicht wird?

Dann war Ihnen ja vielleicht auch der Aufwand bekannt, der für die Definition eines perfekten Mahlgrads getrieben wird. Wir haben gestaunt, als uns der Chef von Mahlkönig, dem Unternehmen, das die weltberühmten Kaffeemühlen baut, das Ergebnis einer Partikelanalyse skizziert hat: „Wir nehmen vier Gramm Kaffeemehl, das sind etwa eine Million Partikel, und messen die Größe jedes einzelnen, indem wir sie aufwirbeln, mit einem Laser bestrahlen und uns den Schattenwurf ansehen“, erklärte Philipp Baumberger (Seite 98). Wieder etwas gelernt: Erst das perfekte Zerkleinern ermöglicht der Bohne den großen Geschmack.

Auch unsere aktuelle Umfrage hat uns wieder einmal staunen lassen. Wussten Sie, dass Sachsen die Hochburg des Filterkaffees ist? Fast 74 Prozent der Kaffeetrinker dort bevorzugen diese Zubereitungsart – in Baden-Württemberg sind es nur 48 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern ist die Siebstempelkanne besonders beliebt. Fast 13 Prozent der Kaffeetrinker benutzen sie – Deutschlandrekord. Bremen hat mit fast 24 Prozent beim Instant-Kaffee die Nase vorn, das Saarland führt mit mehr als 28 Prozent beim Espresso.

Große Einigkeit hingegen herrscht über Alter, Geschlecht und Wohnort hinweg in der Bedeutung der persönlichen Präferenz: Auf die Frage, wie wichtig es ist, die bevorzugte Kaffeeart zu trinken, waren sich die Befragten absolut einig: Seine persönliche Präferenz ist dem Kaffeetrinker heilig. Oder in der Sprache der Statistiker wichtig bis sehr wichtig.

Susanne Risch
– brand eins Wissen