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brand eins 11/2026 (Digital)

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Titel: Das stärkste Wort der Welt

Schwerpunkt: Nein sagen

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Sie können die digitale Ausgabe auf unserer Website und in der App lesen. Melden Sie sich dafür mit Ihren Zugangsdaten (E-Mail + Passwort) aus dem Kaufprozess an. Die brand eins App finden Sie kostenlos im Apple App Store, im Google Play Store und im Amazon Appstore. Sie ist nur für iOS und Android konzipiert! Zusätzlich können Sie die Formate PDF und epub erwerben. Da diese Downloads vor dem 28. Juni 2025 erstellt wurden, sind sie nicht barrierefrei.

Erscheinungsdatum: 30.10.2026
Umfang: 122 Seiten

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Zur rechten Zeit

• Sagen wir hierzulande zu oft Nein oder zu selten? Das war ein Streitpunkt, bevor wir uns auf diesen Schwerpunkt geeinigt haben – mir war es zu oft, meinem Nachfolger Christian Rickens zu selten. Und wir hatten beide recht: Zu oft Nein hören wir, wenn es um Fortschritt und Veränderung geht; zu selten, wenn Ungeheuerlichkeiten verbreitet oder Stillstand als notwendige Atempause verkauft werden.

Matthias Brandt, Schauspieler und als jüngster Sohn von Willy Brandt mit den großen Themen der Politik aufgewachsen, vermisst im Interview mit brand eins ein klares Nein, wenn es um Rechtsextremismus geht, und er hat der Pflicht zum Widerstand ein Buch gewidmet. Zwar ist es oft gefährlich, sich klar zu positionieren. Doch wer es wagt, kann viel verändern. Franca Viola war 17 Jahre alt, als sie sich entschloss, einem ungeschriebenen Gesetz in ihrer sizilianischen Heimat zuwiderzuhandeln. Ihre Geschichte wird Sie berühren. Und wenn Sie das Gesetz, um das es geht, noch nicht kannten, werden Sie über dessen Existenz ebenso fassungslos sein wie wir.

In der Wirtschaft geht ein Nein weniger ans Herz als an den Geldbeutel. So hat Daimler Milliarden Dollar verloren, als sich das Management 2014 zum Verkauf des Tesla-Anteils entschied. Andererseits hätte sich vermutlich so mancher Aktionär ein beherztes Nein gewünscht, als sich die Bayer AG 2018 zum vermeintlichen Schnäppchen Monsanto hinreißen ließ. Es wirkte damals so einfach, etwas hinzuzufügen, was auf den ersten Blick zu passen schien. Das ist in der Wirtschaft verführerisch – nicht nur in der Unternehmens-, auch in der Produktentwicklung. Dass mehr oft weniger ist, müssen viele schmerzlich lernen.

Uwe Schneidewind, einst Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie, hat rückblickend vermutlich einmal zu wenig Nein gesagt. Es reizte ihn, Bürgermeister in Wuppertal zu werden; am Ende hat er mehr gelernt als bewirkt. Schneidewind ist ein bemerkenswerter Beleg für Rickens’ These, die er in seinem einleitenden Essay ausführt. Für ihn ist das Ja der absolute Zeitgeist-Gewinner, ob im Management oder bei Linkedin: „In ihrem Willen, modern zu wirken, feiern viele Unternehmen unablässig das Zustimmen.“ In der Politik sei „das Ja zum Markenzeichen der politischen Mitte geworden“. Das Nein bleibe nahezu unangefochten den anderen, die Bauhaus-Architektur ebenso ablehnen wie die Unterstützung der Ukraine.

Diese Ausgabe ist ein Plädoyer, das Nein zurückzuerobern, es wieder zu einem Wort zu machen, das Wertschätzung verdient. Wem das schwerfällt, zumindest im direkten Dialog, der ist vielleicht bei Angela Müller richtig. Die Sozialpsychologin lehrt in Seminaren, wie der innere Schweinehund zu überwinden ist. Denn ja, Neinsagen ist oft eine Mutprobe. Zumindest, wenn man es nicht in größeren Gruppen skandiert.
Ein leises, festes Nein ist dafür umso wirkungsvoller. 

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