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brand eins 10/2024 (Digital)

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Titel: Der unterschätzte Riese

Schwerpunkt: Handwerk

Hinweise

Sie können die digitale Ausgabe auf unserer Website und in der App lesen. Melden Sie sich dafür mit Ihren Zugangsdaten (E-Mail + Passwort) aus dem Kaufprozess an. Die brand eins App finden Sie kostenlos im Apple App Store, im Google Play Store und im Amazon Appstore. Sie ist nur für iOS und Android konzipiert! Zusätzlich können Sie die Formate PDF und epub erwerben. Da diese Downloads vor dem 28. Juni 2025 erstellt wurden, sind sie nicht barrierefrei.

Drei Geschichten aus dieser Ausgabe:

• Wo der Hammer hängt: Einblick in eine unterschätzte Branche: Welche Rolle spielt das Handwerk für die deutsche Wirtschaft? Wie wirkt sich KI auf die Jobs aus? Wie haben sich die Geschlechterverhältnisse verändert? Gibt es so etwas wie New Work im Handwerksbetrieb?
Die Botschafter: Wie drei Influencer ihrem Handwerk einen neuen Anstrich verleihen wollen.
Rette uns, wer kann: Der Fachkräftemangel in deutschen Handwerksbetrieben war noch nie so groß. Drei Betriebe zeigen, wie man trotzdem gute Leute findet.

Drei Fragen, die wir in dieser Ausgabe beantworten:
• Was kann man von einem Teppichverkäufer fürs Leben lernen?
• Lässt sich eine totgesagte Branche wiederbeleben?
• Wieso ist Vorarlberg Vorreiter bei der Energiewende?

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Erscheinungsdatum: 28. September 2024
Umfang: 122 Seiten

Goldener Boden
• Wer nach guten Nachrichten sucht, sollte zurzeit nicht unbedingt auf die Automobilindustrie schauen, auch andere Industrien beginnen zu schwächeln. Doch neben allem oft beschriebenem Niedergang gibt es eine Branche, die sich bestenfalls über Fachkräftemangel und Überlastung beklagen kann: Das Handwerk strotzt vor Kraft. Und hat selbst von den Veränderungen durch KI nicht viel zu befürchten.

Das könnte eine gute Nachricht für alle sein, die einen sicheren Job mit Zukunftsaussichten suchen – erstaunlicherweise verhallt sie meist ungehört. Wer kann, macht Abitur und sucht sich einen Studienplatz. Auch Fachkräfte aus der Industrie wechseln nur selten ins Handwerk.

Das konnten auch diverse Imagekampagnen nicht drehen: Das Handwerk gilt bei vielen Jobsuchenden als anstrengend, schlecht bezahlt und gestrig. Wer weiß schon, dass mehr als die Hälfte der Betriebe digitale Technik einsetzt und knapp 90 Prozent KI in den nächsten zehn Jahren für den wesentlichen Wettbewerbsfaktor in ihrer Branche halten? Modernste Technik hat zum Beispiel bereits den altehrwürdigen Klavierbauer Steinway in die Zukunft gebeamt: Seine Flügel spielen inzwischen ohne Menschen, aber ganz genau so, als säße der chinesische Pianist Lang Lang davor.

Alte Handwerkskunst ist immer gut für die Seele, aber eben auch für die Konjunktur. Im französischen Roubaix steht gerade die Textilindustrie wieder auf, die der Stadt einst immensen Reichtum und dann schmerzlichen Niedergang bescherte. Und auch wenn hierzulande die Friesische Wollweberei noch auf die schwarze Null wartet: Eine Erfolgsgeschichte geschrieben hat sie allemal. Das klingt nach Nostalgie? Es erzählt viel mehr. Es geht auch um die Frage, was wir noch oder wieder zu vertretbaren Kosten bei uns herstellen können. An vielen Orten lebt altes Handwerk wieder auf, weil es umweltfreundlicher ist, Produkte nebenan herzustellen, und dank moderner Technik oft auch wirtschaftlich.

Das Handwerk hat viel mit einer besseren Zukunft zu tun, zum Beispiel hängt die Energiewende entscheidend von ihm ab. Zwar macht sich die Branche die Arbeit durch diverse Vorschriften selbst noch ein bisschen schwer – aber ob Solarpaneele aufs Dach sollen oder die Wärmepumpe in den Keller: Ohne Heizungsbauer, Elektrotechnikerinnen und Dachdecker geht nichts.

Warum also stehen nicht alle Schlange, die Jobs mit Zukunft und Sinn suchen? Das versteht auch die Dachdeckerin Chiara Monteton nicht und versucht es auf ihrem Instagram-Kanal zu ändern. Die Videos des Tischlers Jonas Winkler kommen ebenso gut an – Handarbeit hat auf den diversen Kanälen durchaus Entertainment-Qualität. Dennoch blieben auch im vergangenen Jahr rund 20.000 Lehrstellen unbesetzt.

Die Trendwende könnte ausgerechnet aus den USA kommen. Dort interessieren sich laut »Wall Street Journal« inzwischen mehr junge Menschen fürs Handwerk als für die Universität. 

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