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Dr. Sandra Wolf

Das Bild ist ein Schwarz-Weiß-Porträt einer Frau, die eine Brille und einen Blazer trägt. Sie blickt mit neutralem Gesichtsausdruck direkt in die Kamera. Der Hintergrund ist eine schlichte weiße Wand, die einen Kontrast zu der Kleidung der Frau und der Schwarz-Weiß-Farbgebung des Bildes bildet. Das Bild enthält weder Text noch zusätzliche Objekte, und die Frau steht im Mittelpunkt der Komposition.


Geschäftsführende Gesellschafterin
Riese & Müller

Dr. Sandra Wolf ist neben Heiko Müller geschäftsführende Gesellschafterin von Riese & Müller, einem der führenden Anbieter von E-Bikes hierzulande und vielfach ausgezeichnet für seine besondere Unternehmenskultur und Innovationskraft. Nach Stationen als Strategieberaterin für internationale Kunden bei renommierten Branding- und Design-Agenturen und der Führung ihrer eigenen Markenagentur in Berlin ist sie seit 2013 für die strategische Ausrichtung des Unternehmens verantwortlich. Die promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin widmet sich der Struktur- und Personalarbeit und beschäftigt sich neben der Markenwahrnehmung von Riese & Müller mit den Herausforderungen der Mobilität der Zukunft und der Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens.


 
Im work awesome Newsletter haben wir Sandra ein paar Fragen gestellt:

Sandra, die Polykrise hat auch den Elektrofahrradmarkt erwischt. Wie schafft ihr es, nach Jahren rasanten Wachstums in dieser schwierigen Zeit die Zuversicht bei euch und euren Mitarbeitenden aufrechtzuerhalten?

Du sprichst das Richtige an – Zuversicht. Aber Zuversicht ist natürlich nur bedingt ausreichend, wenn es um Veränderung geht. Wir kommen um strukturelle Anpassungen, Kosteneinsparungen und das Hinterfragen vieler Prozesse nicht herum. Zugegebenermaßen ermüdet das in der Dauerschleife, denn wenn ich ehrlich bin, waren auch die Jahre des Wachstums geprägt von Geschwindigkeit, Transformation und der ständigen Bereitschaft, wach und energiegeladen zu sein. Was aber trägt – und das hoffe ich, dass wir und auch ich es unseren Mitarbeitenden mitgeben können –, ist der feste Glaube an unser Geschäftsmodell und vor allem an die Fahrradmobilität und eine gewisse Ruhe und Sicherheit, dass sich die Zeiten auch wieder ändern werden. Ich finde es wichtig, dass man immer in Bewegung bleibt und die Kreativität nicht verliert, vor allem, um selbstwirksam zu sein.

Ihr haltet trotz der damit verbundenen Kosten an eurer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie fest. Was sind ihre wesentlichen Bestandteile?

Wir machen das bei Riese & Müller tatsächlich schon so lange, dass es in den meisten Köpfen und sehr vielen Prozessen bereits tief drin ist. Insofern gibt es bei uns kein Zurück mehr. Das merken wir auch an den Investitionen. Diese sind an vielen Stellen bereits getätigt und belasten uns derzeit nicht mehr so stark. Wir profitieren eher davon, etwa bei unseren wiederverwendbaren Fahrrad-Verpackungsboxen. Allerdings muss man natürlich ehrlich sein, denn ein solch großes Projekt mit den entsprechenden Anfangsinvestitionen hätte es momentan schwer in unserem Budgetplan. Vieles machen wir aber weiterhin und gehen voran. Was ich im Nachhaltigkeitsbereich toll finde ist, dass es manchmal eben die kleinen Schritte sind, die einen weiterbringen – allen voran die Themen in die Ausbildungsberufe zu bringen oder Mitarbeitende zu schulen. Denn was wir im Laufe der Zeit festgestellt haben ist, dass es zu Beginn natürlich die Geschäftsleitung braucht, um das Thema voranzubringen oder strategisch zu begleiten. Aber im weiteren Verlauf kommt es auf jeden Einzelnen im Unternehmen an – darauf, das Ziel verstanden zu haben und an ihrem oder seinem Platz nachhaltig zu wirken.

Viele Unternehmen klagen, dass die Konsumenten Nachhaltigkeit nicht zu würdigen wüssten, dass das Interesse daran abnähme. Spürt ihr das auch?

Generell ist das Interesse an Nachhaltigkeit im Produkt nicht besonders hoch. Dennoch wissen es unsere Kundinnen und Kunden zu schätzen, dass wir uns für eine nachhaltige und verantwortungsbewusste Produktion unserer E-Bikes einsetzen. Dabei stellt sich aber die Frage, warum man sich als Unternehmen damit beschäftigt und wie sehr man wirklich davon abhängig ist, ob es gesehen wird oder nicht. Was mir klar geworden ist: Nachhaltigkeit ist weder ein Wettbewerbsvorteil, noch wird mehr dafür bezahlt. Das muss man also schon wollen und dann auch machen.

Was sind eure Beweggründe, trotzdem daran festzuhalten?

Wir wollen es ganz einfach, und wir sind überzeugt davon, dass es das Richtige ist. Ich sehe darin viele Vorteile – wir verbessern unseren Fußabdruck, aber wir werden auch innovativer und kreativer. Außerdem ist mit vielen unserer Geschäftspartner die Zusammenarbeit deutlich intensiver und kollaborativer geworden. Das sind alles Gründe, die wir sehr zu schätzen gelernt haben und die wir wirklich nicht mehr missen möchten. Selbst jetzt in Krisenzeiten, wo vielleicht eher mal Budgets vor allem im Nachhaltigkeitsbereich gestrichen werden, bleibt dieser Spirit.

So mancher Produzent verlagert gerade Kapazitäten ins Ausland. Auch hier schwimmt ihr gegen den Strom, haltet an der Herstellung vor Ort fest. Was bedeutet das für euer Ergebnis?

Eigentlich schwimmen wir gar nicht gegen den Strom, sondern verhalten uns recht bodenständig und traditionell. Wir bekennen uns zum Standort Deutschland, also zu unserer Heimat, und sind bereit, gemeinsam schwierige Zeiten zu überstehen. Wir sind somit auch bereit, mehr zu investieren, de facto zum Beispiel mehr Geld für Arbeitsplätze auszugeben. Und wir sind ehrlicherweise auch bereit, mehr auszuhalten im Sinne von einem durchaus schwierigen Umfeld für Unternehmerinnen, also mitzugehen in Sachen Gesetzgebung, Regelungen und Komplexität.

Ihr scheint an die Zukunftsfähigkeit des Standorts Deutschland fest zu glauben. Was macht euch optimistisch?

Deutschland hat schon viele Zeiten durchlebt. Ich selbst muss jedoch sagen, dass die aktuelle Phase die schwierigste ist, die ich in meinem aktiven Berufsleben mitnehme, und das sind auch schon fast 30 Jahre. Ich bleibe aber optimistisch, weil alles in Wellenbewegungen kommt und geht. Es ist wichtig, jetzt an eine Veränderung in diesem Land und für dieses Land zu glauben.

Das Bild zeigt ein grafisches Design mit weißem Hintergrund und einer grünen horizontalen Linie. Das Wort „work“ ist in schwarzer Schrift auf der linken Seite der Linie geschrieben, während das Wort „awesome“ in schwarzer Schrift auf der rechten Seite der Linie steht. In der oberen rechten Ecke des Bildes befinden sich zwei kleine grüne Quadrate. Das Design wirkt minimalistisch und modern und stellt die Wörter „work” und „awesome” in einem einfachen, klaren Layout dar.