Aster Holzbau
Hausbau wie Lego
Wie Egon Untertrifaller und die Firma Aster den Holzbau perfektionieren und warum Südtirol zum Taktgeber für nachhaltiges Bauen in Italien wurde.
Wenn man Räume betritt, die Egon Untertrifaller gestaltet hat, dann spürt man es sofort: eine wohlige Wärme, ein gesundes Raumklima. Hier ist kein typisches rustikales Fachwerk zu sehen, sondern ein modernes, „cleanes“ Design mit kunstvollen Ornamenten an der Decke. „Holz ist ein natürlicher, nachwachsender Baustoff, der eine unvergleichliche Atmosphäre schafft“, sagt er. Er muss es wissen. Der Mann aus Jenesien hat sich bereits als Schülerpraktikant mit dem Holzbau beschäftigt, dann mitgeholfen, Standards für ganz Italien zu entwickeln, und ist letztlich zu seinen Wurzeln zurückgekehrt.
Von Pfahlbauten zu Wolkenkratzern
Ursprünglich war Holz eher Abfall, der beim Roden von Wäldern für Ackerflächen anfiel. Wohin mit den Bäumen? Statt sie zu verbrennen, nutze man sie für erste Pfahlbauten entlang von Uferzonen, die als Acker- oder Weideflächen ungeeignet waren, aber Zugang zum Wasser und damit zu einem Transportweg boten.
Mit der Erfindung des Fachwerks wurden auch mehrgeschossige Bauten möglich. Fachwerk erlaubte es erstmals, tragende Teile auszuwechseln, ohne die gesamte Struktur zu gefährden. Holz wurde so zum wichtigsten Baustoff in ganz Nord- und Mitteleuropa. Erst während der Industrialisierung wurde es von Stahl und Beton fast vollständig verdrängt.
Bis erste Bauprojekte in den 1990er-Jahren in Bayern und Österreich den Baustoff Holz wiederentdeckten. Die Vorteile: Holzbauten haben eine schlankere Gebäudehülle und damit mehr Nutzfläche. Und sie können vorab genau geplant und vorgefertigt werden. Heute erleben wir eine Renaissance: Dank moderner sogenannten Brettsperrholz-Technik werden weltweit Höhenrekorde gebrochen. Holzhochhäuser mit über 20 Stockwerken sind längst keine Utopie mehr. In Dornbirn entstand ein erstes achtgeschossiges Gebäude, in London, Melbourne und Mailand neun- und zehngeschossige Häuser. In Vancouver gar ein 18. Stockwerke großes Studentenheim. Durch das geringere Gewicht ist Holz aber vor allem zum Aufstocken von Gebäuden in verdichteten Innenstädten wieder gefragt.
KlimaHaus: Südtirols Vorreiterrolle
Dass Südtirol heute als internationales Kompetenzzentrum für nachhaltiges Bauen gilt, ist maßgeblich der Agentur KlimaHaus zu verdanken. Seit 2017 ist der „KlimaHaus A“-Standard für Neubauten in Südtirol Pflicht. Diese strengen Richtlinien fördern nicht nur den Klimaschutz, sondern auch die Lebensqualität. Durch Luftdichtheitstests und Nachhaltigkeitssiegel wie Nature wird sichergestellt, dass das Wohnambiente gesund bleibt.
Untertrifaller hat an den Standards mitgewirkt. Sie sind weit strenger als im Rest Italiens: „Bei uns ist nicht nur die Heizungsanlage wichtig, sondern vor allem die Gebäudehülle. Sie muss bestmöglich isoliert sein, um den Energiebedarf im Winter und den Kühlbedarf im Sommer zu minimieren.“
Aster: Präzision wie bei Lego
In den Werkshallen der Firma Aster in Jenesien wird diese Theorie in die Praxis übersetzt. Untertrifaller beschreibt die Holzrahmenbauweise fast wie ein Spielzeugsystem: „Die Teile werden im Werk komplett vormontiert – inklusive Dämmung und Schallschutz. Auf der Baustelle werden sie dann Element für Element zusammengesetzt.“
Die Vorteile dieser Methode sind ökonomisch und ökologisch unschlagbar:
• Zeitgewinn: Der Rohbau steht oft in wenigen Tagen. Das spart Kosten für die Baustelleneinrichtung und verkürzt die Finanzierungsphase.
• Leichtigkeit: Holz wiegt nur einen Bruchteil von Zement. Das macht es ideal für Aufstockungen in Städten. „Man kann oft zusätzlichen Wohnraum schaffen, ohne das bestehende Fundament anpassen zu müssen“, so Untertrifaller.
• Platzersparnis: Schlankere Wandaufbauten bei gleicher Dämmleistung bedeuten mehr Quadratmeter Wohnfläche auf dem gleichen Baugrund.
Hält das überhaupt? Untertrifaller lacht. „Schauen Sie sich die Bauernhäuser im ländlichen Südtirol an, die teilweise 300 Jahre alt sind.“ Wenn man Holz konstruktiv vor Feuchtigkeit schützt, ist es extrem langlebig. Und das Thema Kosten? In der Angebotsphase mag Holz etwa 10 Prozent teurer wirken, doch durch die schnelle Bezugsfertigkeit und die höhere Wohnfläche relativiert sich der Preis schnell. Zudem ist ein Holzhaus am Ende seines Lebenszyklus kein Bauschutt, sondern ein wertvoller, wiederverwertbarer Rohstoff. „Holz ist kein Trend“, sagt er, „es ist die logische Antwort auf die Fragen unserer Zeit.“