Titel: Wo? hnen
Schwerpunkt: Wohnen
Drei Geschichten aus dieser Ausgabe:
• Kann das weg? Nein! – Bauen, abreißen, neu bauen. Das ist das gängige Modell. Zwei Architekten fordern: Gestaltet alte Häuser lieber um.
• Mit Gott und Geld – In 33 Hoffnungshäusern leben fast 800 Geflüchtete und Deutsche in Baden-Württemberg zusammen. Die Integration klappt besser als in anderen Projekten. Dank Kapital, einem smarten Konzept und pietistischer Tradition.
• Büros mit Herz ❤️ – In Frankreich öffnen Hunderte Firmen nachts ihre Räume für Wohnungslose. Eine Reportage aus Paris und Nantes.
Fragen, die wir in dieser Ausgabe beantworten:
• Wie findet der Mittelstand Nachfolger?
• Wie macht man aus Industrieruinen lebendige Viertel?
• HABEN WIR GAR KEIN PLATZPROBLEM?
• Wo reichen 20 Quadratmeter zum Leben?
• Warum sollten Firmen ausmisten?
Erscheinungsdatum: 22. Februar 2025
Umfang: 120 Seiten
Gabriele Fischer über diese Ausgabe
Platz ist da
• In dieser Ausgabe werden Sie wie immer viele geprüfte Daten und Fakten finden, eine Zahl fand ich erschütternd: Mehr als 15 Jahre währt die aktuelle Wohnungskrise, doppelt so lang wie die vorherige. Diesmal begann alles mit der globalen Finanzkrise, die nicht zuletzt durch Spekulationen mit Immobilien in den USA an Fahrt gewann. Und sie hat sich hierzulande eher verschärft als entspannt. Wir bauen weniger Sozialwohnungen als je zuvor, die Baukosten steigen, Mieten und Komplexität auch.
Das macht wütend, entscheidet Wahlen und entfremdet viele Menschen der Demokratie. Zwar versuchen Politiker, Bauherrinnen und Stadtplaner immer wieder, den Knoten zu durchschlagen – aber solange es an Mut und Innovationsbereitschaft fehlt, bleibt es beim Versuch.
Nehmen wir das Naheliegende: Viele Büroflächen, Kaufhäuser und Gewerbeflächen werden für die bisherige Nutzung nicht mehr gebraucht und könnten in neue, lebendige Wohngebiete umgewandelt werden. So wie im niederländischen Eindhoven, wo auf dem ehemaligen Philips-Gelände ein pulsierendes Quartier entstanden ist. Auch die Dänen beherrschen diese Kunst – hierzulande sind die Beispiele eher spärlich, Till Briegleb hat nachgeforscht, warum.
Und noch eine eindrucksvolle Zahl: 16.500. So viele Wohnungen wurden in Deutschland 2022 abgerissen, für Arno Brandlhuber schiere Wertvernichtung. Zusammen mit seinem Partner Olaf Grawert baut der Architekt lieber um und hat gerade die Initiative HouseEurope! gegründet. Die beiden wollen die Pflicht zur Reparatur – wie bei Elektrogeräten – auch für Häuser einführen.
Eckhard Struß hat eine andere Idee. Er fügt neue Häuser aus vorgefertigten Betonwänden zusammen. Das sogenannte serielle Bauen hat Grenzen, bietet aber auch neue Möglichkeiten für bezahlbaren Wohnraum – in Japan hat Toyota das schon vor 50 Jahren demonstriert. Aber Japan ist in Wohnungsfragen sowieso eine Klasse für sich, wie unser Korrespondent Felix Lill berichtet: Er wohnt auf 20 Quadratmetern und fühlt sich wohl.
Das mag das deutsche Gefühl für Lebensqualität nicht ganz treffen, aber dass die Wohnfläche pro Person in den vergangenen Jahren stetig zugenommen hat, ist durchaus Teil des Problems. Experimente wie Hoffnungshäuser, Wohnungstausch oder obdachlose Übernachtungsgäste im Büro sind innovativ, lösen aber die Wohnungskrise nicht.
Der ganz große Wurf kostete mehr als Fantasie: Dirk Böttcher stellt zur Diskussion, wie lange wir es uns noch leisten wollen, durch Bodenspekulation Vermögenszuwachs ohne Leistung zu erlauben. Wer Land brachliegen lässt, wird in aller Regel reicher, vor allem wenn die Gesellschaft auch noch die Infrastruktur rund um das Grundstück verbessert.
Luxemburg hat deshalb eine sogenannte Mobilisierungssteuer für unbebaute Grundstücke eingeführt. Kostet nur ein wenig Mut.
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