brand eins Podcast

Eine Schmuck-Designerin, die Gold-Minen zuschütten lässt? Guya Merkle hat ihren eigenen Weg gefunden, gegen die Umweltzerstörung zu kämpfen. Mit einem Unternehmen, das sie nicht wollte.

Spotify Deezer Apple Podcasts Google Podcasts RSS 

Guya web

Guya Merkle war gerade einmal 21 Jahre alt, als ihr Vater plötzlich starb und ihr ein Schmuck-Unternehmen hinterließ, das ihr Großvater einst in den 30er Jahren gegründet hatte. Die Berliner Studentin hatte nicht viel mit Schmuck zu tun und musste sich erst einmal einen Zugang zum Thema verschaffen.

Sie reiste unter anderem nach Peru und besuchte eine Goldmine – und erlebte einen Schockmoment:


„Dort habe ich den Glauben an die Menschheit verloren. Als ich sah, wie die Rohstoffe, die bei uns der Inbegriff von Luxus, Liebe und Emotionen sind, gefördert werden, wie viel Leid und Zerstörung damit einhergeht, das konnte doch niemand wollen.“

Gold wird entweder industriell gefördert, mit großen Maschinen, die große Krater in der Landschaft hinterlassen. Oder in vielen kleinen, halb- bis illegalen Minen. Geschätzt rund 30 Millionen Menschen arbeiten in solchen Kleinstminen, nicht immer freiwillig, oft aus purer Armut und unter extremen Bedingungen: Es gibt keine Sicherheit und nur schlechte Bezahlung. Mit hochgiftigem Quecksilber wird das Gold vom Erz getrennt und gelangt in die Natur. Kinderarbeit und Prostitution, Unfälle und Krankheiten sind an der Tagesordnung. Rund 20 Prozent des Goldes stammen aus solchen Kleinst-Minen.


„Ich glaube ich lasse das. Ich möchte mein Familienunternehmen nicht weiterführen. Damit möchte ich nichts zu tun haben.“

So war Merkles erste Reaktion.


„Wenn ich ein T-Shirt für 2 Euro kaufe, dann sagt mir der gesunde Menschenverstand, dass etwas nicht stimmen kann. Aber wenn ich 1000 Euro für ein Schmuckstück ausgebe, dann gehe ich doch nicht davon aus, dass es unter solchen Bedingungen hergestellt wurde.“

Merkle machte trotzdem weiter, krempelte ihr Unternehmen um und gründete 2013 die Marke Vieri – nach dem Namen ihres Vaters – und verwendet als Rohstoff nur noch Recycling-Gold. Das Thema ist ihr zur Lebensaufgabe geworden. Rund 60 Prozent ihres Goldes stammt aus alten Telefon-Platinen. Die restlichen 40 Prozent aus normalem Alt-Gold, Bruchgold oder aus der Medizin.

Gold-Recycling gibt es schon, seit Gold verarbeitet wird. Nicht weil es nachhaltig wäre, sondern weil es wirtschaftlich ist. Der Stoff ist einfach zu teuer, um ihn wegzuwerfen. Trotzdem passiert genau das: In zahlreichen Elektronik-Artikeln steckt Gold. Vieles davon landet auf der Deponie. Mit besserem Recycling könnte man die Mengen, die in den kleinen Minen gefördert werden, locker ersetzen.


„40 alte Handys ergeben 1 Gramm Gold. Klingt wenig? Für 1 Gramm Gold müsste man sonst rund eine Tonne Gestein fördern und bearbeiten."

Besseres Recycling würde also helfen. Doch dadurch würden die Minen nicht verschwinden. Es braucht alternative Einnahmequellen für die Menschen vor Ort. Einen Teil ihres Gewinns gibt Merkles Firma daher an Förderprojekte ab, die sich um Menschen kümmern, die vom Gold-Abbau abhängig sind.


„Wir müssen nur Impulse geben. Die Menschen haben selbst Ideen, was sie machen möchten."

So investiert sie in eine Imkerei in Uganda, organisiert Fortbildungen und Betreuung, ließ die alte Mine zuschütten und mit Perma-Kultur bepflanzen, die die Bienen ernährt. Zwei Initiativen hat sie gegründet, um die Schmuckindustrie mit ins Boot zu holen. Doch das ist schwierig.


„Viele Firmen schmücken sich mit Nachhaltigkeitslogos, machen aber nur das Nötigste. So geht es nicht voran. Wenn wir den Wandel wirklich wollen, dann darf es kein Marketing sein."

Podcast Timeline:

[00:00] Rückblick & Begrüßung

[01:34] Werbung

[02:46] Faires Gold? Guya Merkle im Gespräch über ihr Unternehmen

[04:07] Ein Erweckungsmoment in Peru

[07:54] Wieso sie sich für das Schmuckunternehmen entschieden hat

[08:54] Merkles größte Herausforderung

[10:06] Reicht ein faires Label?

[11:03] Wie ihr Schmuckunternehmen Nachhaltigkeit nachweist

[12:19] Der globale Süden wird vergessen

[15:33] Wie alternative Einkommen für Goldschürfer aussehen könnten

[18:26] 40 alte Handys bringen ein Gramm Gold

[21:34] Die Firma übernehmen? Mit 21 Jahren vor die Wahl gestellt

[24:01] Der Trend zu Nachhaltigkeit im Luxussegement

[26:58] Verabschiedung & die neue brand eins