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KI bei Mey

Künstliche Intelligenz im Mittelstand? Schwierig, denn häufiger als in anderen Unternehmen hat sich hier das Wissen um Kunden, Produkte und Verfahren über Jahrzehnte in den Köpfen der Beschäftigten angesammelt. Gar nicht so einfach, es dort herauszuholen. Diese Firmen zeigen, wie es trotzdem gelingen kann.



Das Bild ist eine Nahaufnahme einer Garnrolle vor einem unscharfen Hintergrund zeigt. Das Garn scheint in Bewegung zu sein, was ein Gefühl von Dynamik und Textur vermittelt.

• Florian Mey beugt sich vor und schaut auf den Bildschirm. Dort steht, die Baumwolle für Superfine-Organic-Slips werde in den USA von Hand geerntet. Mey kennt die Größenordnungen amerikanischer Baumwollfelder. Menschen, die dort Kapsel für Kapsel pflücken? Schwer vorstellbar.

Woran Mey da zweifelt, ist die Auskunft einer künstlichen Intelligenz, die seit einigen Monaten von seiner Belegschaft mit Wissen gefüttert wird:
„US-Bio-Baumwolle“
„Die feinste Organic-Faser, die am Weltmarkt verfügbar ist“
„Von Hand geerntet“
… so steht es dort. Selbstbewusst und eindeutig. Und mit einer Quellenangabe.
„Können wir mal sehen, von wem die Info ist?“
Kurze Pause. Dann, halb im Scherz, halb besorgt: „Hoffentlich nicht von FM.“
FM, das ist er selbst. Florian Mey. Er führt das Familienunternehmen mit seinem Bruder Matthias und seinem Cousin Markus. In Albstadt-Lautlingen auf der Schwäbischen Alb, wo Franz Mey vor beinahe einem Jahrhundert eine Lohnwirkerei gründete, ist eine der bekanntesten Wäschemarken Europas entstanden: 100 Prozent in Familienbesitz, 1.152 Beschäftigte, 8,1 Millionen Teile im Jahr, 92 Prozent der Stoffe entstehen am Stammsitz.

Auf dem Bildschirm erscheint die Quellenangabe zur Slip-Info. Nicht FM war es, sondern BL, eine Kollegin aus einer anderen Abteilung.

Für einen kurzen Moment ist Florian Mey weniger Geschäftsführer als entlasteter Verdächtiger. Er lag richtig: In den USA wird maschinell geerntet, auch Bio-Baumwolle. Von Hand gepflückt wird allerdings Pima-Baumwolle in Peru, die Mey ebenfalls bezieht. Vermutlich stiftete das die Verwirrung. Der Fehler wird korrigiert und die künstliche Intelligenz dadurch wieder ein bisschen schlauer.

Um zu verstehen, warum ein Wäschehersteller eine KI danach fragt, wie seine Baumwolle geerntet wird, muss man wissen, was Mey zu verlieren hat.

Das Bild zeigt ein Schwarz-Weiß-Porträt eines bärtigen Mannes, der nach oben blickt und lächelt. Er trägt ein dunkles Poloshirt. Der Hintergrund ist schlicht und einfach gehalten, was dazu beiträgt, die Aufmerksamkeit des Betrachters auf den Mann und seinen Gesichtsausdruck zu lenken.

Will an das Wissen seiner Leute ran: Wäschefabrikant Florian Mey

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