KI-gesteuerter Drohnen
„Diese Systeme neigen zur Eskalation“
Der Einsatz KI-gesteuerter Drohnen werfe ethische Fragen auf, sagt die Technikforscherin Jutta Weber.
brand eins: Die Zahl der Rüstungs-Start-ups hat sich binnen eines Jahres im Raum München von 30 auf 60 verdoppelt. Die erfolgreichsten von ihnen entwickeln Drohnen. Was hat es damit auf sich?
Jutta Weber: Wir erleben einen Drohnenhype. Denn bei dieser Waffentechnik besteht unter anderem das Versprechen, dass hier selbst kleine Start-ups mithalten können, anders als bei Panzer- oder Mittelstreckenraketen.
Inwiefern können selbst Unternehmen mit wenig Mitteln hier mitziehen?
Drohnen lassen sich relativ überschaubar entwickeln. Sie sind vergleichsweise günstig herzustellen, Software spielt die entscheidende Rolle. Die Münchener Firma Helsing war ursprünglich ein reines IT-Unternehmen. Außerdem handelt es sich um eine Dual-Use-Technologie: Drohnen sind sowohl zivil als auch militärisch einsetzbar. Dadurch ist der Abnehmermarkt größer. Im Zivilen werden sie im Film genutzt oder im Bauwesen, um Schäden an Gebäuden zu inspizieren. Fürs Militärische muss man quasi „nur“ noch Sprengstoffe hinzugeben.
Hensoldt, Airbus Defence oder Diehl Defence: Bayern ist seit jeher ein starker Rüstungsstandort. Ein Drittel aller deutschen Rüstungsleistungen setzt gegenwärtig der Freistaat um. Was genau machen die Jungfirmen nun anders?
Firmen, die selbst erst wenige Jahre am Markt sind, wissen sich bereits in Szene zu setzen. Wenn Helsing den Prototyp seines Drohnenbombers vorstellt, steht Bayerns Ministerpräsident Markus Söder in der ersten Reihe. Den Start-ups hilft zudem die Rhetorik der Zeitenwende: Mit dem Angstszenario eines möglichen Überfalls Russlands legitimiert man ihre Rüstungstechnologie ganz anders als zuvor.
Selbst Bundeskanzler Friedrich Merz schüttelt nun Hände von Firmengründern, wenn die eine neue Waffe vorstellen. Aber wie zuverlässig können diese Unternehmen mit ihren Produkten zur Sicherheit und Verteidigung des Landes tatsächlich beitragen?
Das ist eine noch ungeklärte Frage. Die Unsicherheiten fangen schon mit den Investoren an: mit Peter Thiel und anderen antidemokratisch-autoritär ausgerichteten Personen, die in den Start-ups involviert sind. Thiel hält Anteile an Stark Defence. Bei Helsing ist jemand aus dem Technologiebereich von Palantir beschäftigt. Es gibt eine zunehmende Vermischung mit US-amerikanischen Personen aus dem Big-Tech-Bereich, wobei Helsing lange betont hat, sie wollen für Deutschland und Europa produzieren. Das erscheint mir zunehmend fragwürdig.
Beide Firmen, Stark Defence und Helsing, erhielten vom Bund im Frühjahr 2026 Großaufträge für ihre halbautomatisierten Kamikaze-Drohnen. Und das noch vor Beauftragung der etablierten Waffenhersteller wie Rheinmetall. Welche Rolle spielt KI beim Erfolg von Drohnen?
Mittels KI können Drohnen etwa auf eine große Datenmenge zurückgreifen, um sich zu orientieren. Ein Algorithmus führt sie ohne manuelle Steuerung ans Ziel. Oder noch krasser: Ein Algorithmus bestimmt das Ziel und zerstört es dann. Wir sehen das bereits im Gazakrieg und im Iran. Dort arbeiten längst solche KI-Zielfindungs- und Entscheidungssysteme. Auch Large-Language-Models, wie wir sie mit ChatGPT oder Claude kennen, werden zur Entscheidungsfindung genutzt und spucken Soldatinnen und Soldaten Option eins, zwei oder drei aus. Diese Systeme neigen jedoch tendenziell zur Eskalation.
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