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Wohnungstausch

Wir müssen mehr bauen, heißt es immer wieder. Viel klüger wäre es, den vorhandenen Wohnraum besser zu verteilen.



Das Bild zeigt ein mehrstöckiges Gebäude, das scheinbar von Kränen gehalten wird. Teile des Gebäudes sind abgetrennt und schweben in der Luft, während ein großer, lila Stoff über dem oberen Teil drapiert ist. Mehrere Vögel fliegen um das Gebäude herum. Die Szene wirkt surreal und konstruiert.

• Theoretisch ist die Sache ganz einfach: In mehr als der Hälfte aller großen Wohnungen – solche ab 80 Quadratmetern Fläche – leben nur ein oder zwei Menschen. Zugleich wohnen 16 Prozent aller Haushalte mit Kindern zu beengt, in Großstädten ist sogar jede dritte Familie betroffen. Verteilte man den Wohnraum anders, könnten mehr Menschen in ausreichend großen Wohnungen leben.

Steffen Sebastian, Regensburger Professor für Immobilienfinanzierung, sagt sogar: Es gebe in Deutschland gar keinen Mangel an Wohnraum. Der vorhandene Raum sei nur schlecht verteilt. Auch der Verein Bauwende rechnet vor: Wären die Menschen in Hamburg bereit, ihre durchschnittliche Wohnfläche von 39 Quadratmetern pro Kopf auf den Stand von 2000 zu reduzieren – knapp 36 Quadratmeter –, würde in der Stadt bis zum Jahr 2040 genügend Wohnfläche zur Verfügung stehen.

Statt die Wohnungsnot durch „Bauen, Bauen, Bauen“ zu bekämpfen, müsste der vorhandene Raum effizienter genutzt werden. So könnten wertvolle Rohstoffe sowie Emissionen eingespart werden. Klima- und Umweltverbände, aber auch Architekten fordern schon lange, beim Wohnen stärker auf Suffizienz zu setzen, also den Flächenverbrauch auf das Notwendige zu reduzieren.

Eine Idee ist der Wohnungstausch. Der liegt besonders bei älteren Menschen nahe, denn sie haben im Schnitt am meisten Wohnfläche zur Verfügung. Jeder dritte Seniorenhaushalt wohnt auf mindestens 80 Quadratmetern (Alleinstehende) oder 100 Quadratmetern (Paare). Viele bleiben in ihren großen Wohnungen oder Häusern, wenn die Kinder ausziehen oder ein Partner stirbt. Dabei würden sich einige gern verkleinern, das zeigen Befragungen – weil die Wohnung oder das Haus zu viel Arbeit macht oder das Treppensteigen beschwerlich wird.

Zahlreiche Städte haben deshalb Tauschportale ins Leben gerufen, um die angespannten Wohnungsmärkte zu entlasten – mit geringem Erfolg. „Der Tausch funktioniert nur selten. Viele Haushalte suchen größere Wohnungen. Demgegenüber stehen wenige Anfragen von Personen, die in eine kleinere Wohnung umziehen möchten“, sagt Anna Maria Müther, Expertin für Wohnungs- und Immobilienmärkte beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Beim Berliner Tauschportal Inberlinwohnen.de kommen auf eine Person, die eine kleinere Wohnung sucht, rund fünf, die sich vergrößern möchten.

Das liegt unter anderem daran, dass sich der Wohnungstausch finanziell selten lohnt. Viele ältere Menschen haben wegen alter Mietverträge günstige Wohnungen. Bei der Zensus-Erhebung 2022 betrug die Differenz zwischen Bestands- und Angebotsmieten in den sieben größten deutschen Städten im Schnitt 4,30 Euro pro Quadratmeter. Da der Vermieter bei einem Neueinzug die Miete erhöhen kann, ist es möglich, dass man in eine kleinere Wohnung zieht, am Ende allerdings mehr zahlt (Beispielrechnung auf Seite 62).

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