Wandmodultoaster
Frisch aus dem Toaster
In Deutschland wird zu teuer, zu umständlich und zu ineffizient gebaut. Ein mittelständischer Tüftler macht vor, wie es besser geht.
In der Mini-Fabrik entstehen
direkt auf der Baustelle
fertige Teile, die sich leicht
zu Gebäuden zusammenfügen
lassen
• Ein Wintertag, 10 Uhr, Nebel. Minus ein Grad zeigt das Thermometer in Hannovers Vorstadt Laatzen. Auf vielen Baustellen in Deutschland ruhen an diesem Tag die Arbeiten. Beton zu gießen wäre jetzt keine gute Idee, da er bei der Kälte rissig werden kann. Doch Eckhard Struß schaut zufrieden auf den garagengroßen Klotz vor ihm, in dem zehn Platten aus Beton aushärten. „Für uns kein Problem“, sagt der Bauingenieur, „wir machen das im ganzen Jahr.“
Am Bau ist Stau. Die Ampel-Regierung war angetreten, 400.000 neue Wohnungen pro Jahr zu schaffen. Tatsächlich entstanden viel weniger, von Januar bis Oktober 2024 wurden nur 175.800 genehmigt – noch einmal knapp 20 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
Teil des Problems ist, dass in Deutschland nicht nur teuer gebaut wird, sondern auch ineffizient. Das serielle Bauen mit vorgefertigten Teilen könnte die Produktivität deutlich steigern.
Eckhard Struß gehört zu denen, die eine solche Lösung anbieten, und er tut das auf besondere Weise: Er fertigt Wände in einer selbst entwickelten Mini-Fabrik direkt auf der Baustelle. Weil die mobile Fabrikanlage mithilfe von Wärme aus wabbeligem Beton feste Elemente macht, hat der Entwickler ihn „Wandmodultoaster“ genannt.
Diese Anlage ist ein Würfel aus Stahl mit zehn Schlitzen. Zunächst stellen Arbeiter Dämmplatten in die Schlitze, in denen Außenwände gemacht werden, dann positionieren sie Platzhalter für Fenster und Türen, die von außen mit starken Magneten gehalten werden. Dann laufen 60 Tonnen flüssiger Beton in die Schlitze, 60 Prozent davon recyceltes Material – für diese Baustelle stammt es von dem abgerissenen ehemaligen Postscheckamt in Hannover. 24 Stunden lang fließt nun warmes Wasser durch den Toaster, immer um die Module herum, die wie Brotscheiben darin stecken.
An diesem Tag sind die Wandplatten gerade fertig. Ein Arbeiter löst mit einem Schrauber die Halterungen an den Metallstangen, die den Toaster zusammenhalten. Ein anderer entfernt die Platzhalter, befestigt Ketten an einem der Module, der Kran zieht es nach oben heraus. Die Wand samt Aussparungen für Fenster und Türen schwebt durch die nebelige Luft, der Kranfahrer stellt sie neben anderen am Boden ab. Diese fertigen Wände lassen sich mit wenigen Leuten zu einem Gebäude verschrauben.
Dass die Baubranche ineffizient ist, liegt auch daran, dass sie damit lange durchkam. „In den vergangenen 20 Jahren war die Nachfrage hoch, sodass es kaum Druck gab, sich weiterzuentwickeln“, sagt Thomas Kirmayr, Geschäftsführer der Fraunhofer-Allianz Bau. Die Arbeitsproduktivität je Stunde lag im Baugewerbe 2023 rund 23 Prozent unter dem Niveau von 1991, wie der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie ermittelt hat. Zum Vergleich: Im Verarbeitenden Gewerbe nahm die Produktivität im gleichen Zeitraum um mehr als 100 Prozent zu. Während also die Industrieunternehmen ihre Produktivität verdoppelten, wird auf dem Bau heute weniger geschafft als Anfang der Neunzigerjahre. „Jetzt ist der Handlungsdruck hoch“, sagt Kirmayr.
Serielles Bauen könnte helfen. Statt jedes Gebäude individuell zu planen und zu errichten, setzt man auf standardisierte Elemente und wiederkehrende Prozesse, die Zeit, Geld und Ressourcen sparen. „Es liegt ein großes Potenzial in der stärkeren Vorfertigung“, sagt Kirmayr. Am Bau sind viele Gewerke beteiligt, bei Absprachen können leicht Fehler passieren. Das kann zulasten der Qualität gehen, wenn zum Beispiel bestelltes Material bei Verzögerungen für Wochen der Witterung ausgesetzt ist.
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