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Zwei Schwarz-Weiß-Aufnahmen zeigen die Hände eines Mannes, der einen flachen, runden Teigfladen bearbeitet. Der Mann trägt ein helles Hemd und scheint konzentriert zu arbeiten. Im Hintergrund sind weitere Teigfladen und Behälter zu erkennen. Die Aufnahmen vermitteln den Eindruck von handwerklicher Arbeit in einer Bäckerei oder ähnlicher Umgebung.

Nachfolge

Ohne Nachfolge stehen Tausende Firmen in Deutschland vor dem Aus. Helfen können Vermittlungsplattformen.


Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 03/2025.

• In der ausladenden Verkaufstheke alter Schule präsentiert die Bäckerei in der Leuschnerstraße in Ludwigshafen Plunderstücke auf marmorierten Steinplatten. Kinder klettern auf die Taschenablage, um sich an der Scheibe die Nasen platt zu drücken. Seit 40 Jahren steht dieser Monolith im Verkaufsraum der Bäckerei, ein halbes Menschenleben.

Die großen Ketten haben solche Theken längst durch schlanke Glaskästen ersetzt, die effizient befüllt, gereinigt und keinesfalls erklettert werden können. Aber in dieser Bäckerei in Ludwigshafen, in der Brot seit fast hundert Jahren hinten gebacken und vorn bei einem Plausch verkauft wird, steht die Theke für etwas anderes: für ein Unternehmertum, das mehr mit Liebe zum Handwerk zu tun hat als mit betriebswirtschaftlichen Kennzahlen.

Diese Art Familienbetrieb war einst das Rückgrat des deutschen Mittelstandes, nun droht sie zu verschwinden.

Werner Kunz kommt schnellen Schrittes in den Verkaufsraum, grüßt mit sanftem Handschlag, die Hände warm und weich von der Arbeit in der Backstube. Er habe noch rasch die Zimtsterne in den Ofen schieben müssen, sagt der 61-Jährige.

Seit 46 Jahren arbeitet er als Bäcker, so wie schon sein Vater und sein Großvater. Doch es ist nicht mehr sein Name, der auf dem Schild steht. Er arbeite hier seit sechs Jahren nur noch in Teilzeit, sagt Kunz und lächelt. Denn er hat einen Nachfolger gefunden – im Gegensatz zu den jährlich schätzungsweise 38.000 Betrieben, denen dies nicht gelingt und die für immer schließen.

Schwarz-Weiß Porträt eines älteren Mannes, der einen großen, runden Laib Brot hält. Er trägt ein helles T-Shirt und eine Schürze und steht vor einer Tür. Sein Gesichtsausdruck wirkt zufrieden und stolz.
Nahaufnahme einer Konditorei-Auslage. Im Vordergrund eine Reihe von Schokoladen-Éclairs, glänzend und auf kleinen weißen Papierförmchen platziert. Dahinter eine Reihe von helleren, mit Creme gefüllten Windbeuteln. Im Hintergrund sind weitere Backwaren zu erkennen, unscharf und in warmen Farbtönen. Die Auslage ist beleuchtet und wirkt einladend.

In der traditionellen Backstube dominiert noch die Handarbeit; der ehemalige Inhaber Werner Kunz arbeitet dort nur noch in Teilzeit

Auf Partnersuche

Kennengelernt haben sich der alte und der neue Bäckermeister durch eine der Unternehmensbörsen, die eine große Lücke im Land schließen wollen: Es gehen nicht nur viele Beschäftigte, sondern auch Unternehmerinnen und Unternehmer in Rente. Die Frage, was aus ihren Betrieben und den dortigen Arbeitsplätzen wird, betrifft die gesamte deutsche Wirtschaft.

Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) schätzt, dass zwischen 2022 und 2026 etwa 190.000 Unternehmen neue Eigentümer finden müssen. Das gilt besonders für kleine und mittlere Betriebe mit bis zu einer Million Euro Jahresumsatz.

Brendels Backwelt – ehemals die Bäckerei Kunz – aus Ludwigshafen hat es geschafft, obwohl sie ein gutes Beispiel für den Existenzkampf ist, den viele dieser Firmen gerade führen. Sie setzt derzeit jährlich 490.000 Euro um, beschäftigt sieben Leute, musste seit der Übernahme viel investieren, ringt mit gestiegenen Energiekosten und schreibt keine schwarzen Zahlen. Das IfM mag Betriebe mit weniger als 500.000 Euro Jahresumsatz wegen zu geringer Gewinne als „nicht übernahmewürdig“ bewerten, doch der neue Chef, Jochen Brendel, brennt für seinen Laden. Mit mehr als 70 Arbeitsstunden pro Woche und täglichen Nachtschichten kämpft er dafür, dass die kleine Bäckerei neben den großen Ketten bestehen kann.

Von einer eigenen Firma träumte er schon lange, möglich wurde das dank einer Kontaktanzeige im Netz. Dahinter stand einer der Berater, die die Nachfolgelücke im Mittelstand zu ihrem Geschäft gemacht haben.

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