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Das Bild zeigt eine Stadtansicht mit einem modernen, rechteckigen Wohngebäude in der Mitte. Vor dem Gebäude befindet sich eine Straßenbahnhaltestelle mit einem Wartehäuschen und einer Absperrung. Im Hintergrund sind weitere Gebäude und Bäume zu sehen. Das Wetter ist bewölkt.

Dessau-Roßlau

Dessau hat, was anderswo knapp ist: Raum. Die Frage ist: Was stellt man damit an?


Das Bild zeigt das Bauhaus-Gebäude in Dessau. Es ist ein flaches, rechteckiges Gebäude mit einer hellgrauen Fassade und großen Fensterreihen. Der Schriftzug "BAUHAUS" ist vertikal an der Seite des Gebäudes angebracht. Vor dem Gebäude befindet sich eine Rasenfläche und ein Gehweg. Der Himmel ist bewölkt.
Ein zweistöckiges, weißes Gebäude mit dem Schriftzug "WRC Elbe Dessau e.V." steht auf einer kleinen Landzunge, umgeben von Wasser und trockenem Schilf. Im Hintergrund sind Bäume ohne Blätter zu sehen. Das Ambiente wirkt ruhig und etwas neblig.

• Läuft man durch die Dessauer Innenstadt, fühlt man sich wie in einem Strategiespiel zur Stadtentwicklung. Da stehen Plattenbauten der DDR-Zeit herum, so, als suche man noch den richtigen Platz für sie. Dazwischen viel Fläche, ein Straßenzug mit Gründerzeit-Villen, plötzlich ein Park mit Schlösschen, dort marode Quartiere mit Hinterhöfen aus den Fünfzigerjahren, hier ein modernes Einkaufszentrum. Mittendrin, wie ein Schuhkarton, das Bauhaus-Museum. Man fragt sich: Warum wurde Dessau-Roßlau eigentlich nicht zu Ende gebaut?

Tatsächlich befindet sich die Stadt im Rückbau. Vor lauter Abrisslücken droht sich die urbane Struktur aufzulösen. Nachts leuchten in vielen Wohnblocks nur wenige Lichter. Bei der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft liegt die Leerstandsquote im Schnitt bei 30, in einigen Straßenzügen sogar bei 70 Prozent. Während anderswo Wohnraum knapp und teuer ist, stehen hier rund 6.000 Wohnungen leer, zwei Drittel davon seit mehr als einem Jahr. Durchschnittlicher Quadratmeterpreis: 5,23 Euro.

Ein Drittel der Menschen ist weg

Jacqueline Lohde hat diese Zahlen auf ihrem Handy aufgerufen. Sie ist Beigeordnete für Bauen und Stadtgrün und hat nach Feierabend ein kleines syrisches Restaurant in der Innenstadt für das Interview vorgeschlagen. Die Küche ist gut. Die Einrichtung ist gemütlich. Die Tische sind leer.

Das passt zu Dessau-Roßlau – eigentlich ist es schön hier, es fehlen nur: die Menschen. Kaum eine Stadt in Europa schrumpft und altert so schnell. Von 120.000 Bewohnerinnen und Bewohnern bei der Wiedervereinigung sind weniger als 80.000 verblieben. Obwohl im Jahr 2007 der Nachbarort Roßlau eingemeindet wurde. Lohde erwartet, dass die Bevölkerungszahl in den kommenden Jahren noch weiter sinkt, auf 65.000 Menschen. Vor allem weil die Sterbezahlen weit über den Geburten liegen und viele Leute in den Speckgürtel ziehen. Die Stadt hätte dann fast die Hälfte der Einwohner verloren.

Lohde beschäftigt sich als Bauverantwortliche mit Rückbau. Und einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft, die jährlich Zuschüsse braucht, statt Geld in die Kasse zu spülen. Die Fachfrau baut nicht auf, sie reißt ab und versucht dabei, die Stadt buchstäblich zusammenzuhalten. Ideen wie Parks oder Spielplätze kann sie auf den frei gewordenen Flächen selten umsetzen, der Unterhalt wäre im Verhältnis zur Bevölkerungszahl auf Dauer viel zu teuer. Jeder Abriss, auch wenn er oft nicht zu vermeiden ist, erhöht den Druck auf die Versorgungsinfrastruktur. Und er schmerzt. „Es ist doch verrückt“, sagt Lohde, „überall in Deutschland suchen die Menschen händeringend Wohnraum, und wir vernichten hier großflächig Vermögen.“

Ein großer, runder Pavillon aus Beton steht auf einer Anhöhe, die mit Büschen und Sträuchern bewachsen ist. Der Himmel ist grau und bewölkt, was eine ruhige und etwas melancholische Atmosphäre erzeugt.
Das Bild zeigt ein modernes, flaches Gebäude mit einer großen Glasfassade und einem flachen Dach. Über dem Eingang ist der Schriftzug "Kornhaus" in roten Buchstaben angebracht. Das Gebäude steht auf einer grünen Rasenfläche, die leicht erhöht ist. Der Himmel ist bewölkt.
Ein nassglänzender Platz vor einem historischen Gebäude mit einem markanten Uhrenturm. Links ein modernes Gebäude mit Glasfassade und ein Baum mit kahlen Ästen. Im Hintergrund eine Straße mit einigen Autos und Gebäuden. Das Ambiente ist ruhig und etwas grau, vermutlich an einem regnerischen Tag.

Das Potenzial wäre da

Jacqueline Lohde bräuchte nur gute 50 Minuten mit der S-Bahn zu fahren, um in einer anderen Welt anzukommen: Leipzig. Dort fehlen jährlich 5.000 Wohnungen. Der Mietspiegel liegt bei mehr als acht Euro pro Quadratmeter, am unteren Ende. In anderer Himmelsrichtung führe sie von Dessau knapp 90 Minuten mit dem Regionalexpress bis nach Berlin, dort werden 100.000 zusätzliche Wohnungen gebraucht, die durchschnittliche Miete liegt bei mehr als 17 Euro pro Quadratmeter.

In diesem Umkreis um neue Bewohnerinnen und Bewohner zu werben liegt auf der Hand. Es ist ja auch nicht so, dass man nichts zu bieten hätte. Auch über die billigen Mieten hinaus. Das Bauhaus etwa zieht jährlich Studenten und Besucherinnen in die Stadt, das Gartenreich Dessau-Wörlitz gehört ebenso zum Unesco-Weltkulturerbe, die nahen Elbwiesen, die Mulde und der Stadtwald bieten eine beeindruckende Natur.

Mehr als 1.800 junge Menschen aus aller Welt studieren in der Bauhaus-Stadt Architektur, Geoinformatik, Immobilien- und Baumanagement oder Design, aber laut Lohde bleiben die jungen Leute meist unter sich. Auch die mehr als 1.600 Beschäftigten des Umweltbundesamtes betrieben nur ein „kultiviertes Hopping“, pendeln also von ihrem Wohnort nach Dessau zum Arbeiten. Die meisten leben im Umland, in Leipzig, Berlin oder Halle. Auch die jungen Familien, die sich lieber am Stadtrand ihren Traum vom Eigenheim erfüllen, helfen Lohde beim Kampf gegen den Leerstand nicht. Sie sagt: „Wir brauchen die umtriebigen Geister, noch mehr Studenten aus den Nachbarstädten, Remote-Arbeiter und Freiberufler, die in der Innenstadt leben und arbeiten, kreative Ideen entwickeln und dort den Raum finden, sie umzusetzen.“

Eine Frau in einem grünen Blazer steht vor einem Denkmal in einem Park. Das Denkmal besteht aus mehreren bronzenen Figuren auf einer abgestuften Betonbasis. Im Hintergrund sind Gebäude und Bäume zu sehen. Der Himmel ist bewölkt.

Will das Schrumpfen ihrer Stadt stoppen: Jacqueline Lohde, Beigeordnete für Bauen und Stadtgrün in Dessau-Roßlau

Sechs Monate Probewohnen

Die Neulandia UG soll solche Leute anlocken. Die Unternehmergesellschaft mit Sitz in Berlin ist Teil eines bunten Netzwerkes von Initiativen zur Transformation von Städten und ländlichen Gegenden. Man verspricht, Kreative und Digitalarbeiterinnen in Kommunen zu bringen, die mehr Raum als Menschen haben.

Im Rahmen des „Summer of Pioneers“ leben und arbeiten 20 Leute in Orten wie Dessau-Roßlau – und sollen danach bleiben. Begleitet von intensiver Kommunikation vor allem über Social Media, um die Sichtbarkeit und das Image der oft wenig bekannten Orte zu verbessern. In Dessau-Roßlau, sagt Frederik Fischer, Gründer und Geschäftsführer von Neulandia, habe der Summer of Pioneers 2024 ein für die Stadtverantwortlichen überraschend großes bundesweites Interesse ausgelöst: „Das kannten viele dort gar nicht, dass Journalisten von auswärts in die Stadt kommen und auch noch positiv berichten.“

Nachrichten aus Dessau-Roßlau waren in der Vergangenheit meist negativ. Im Jahr 2000 wurde der Mosambikaner Alberto Adriano von Neonazis ermordet, fünf Jahre später verbrannte Oury Jalloh, ein Asylsuchender aus Sierra Leone, in einer Polizeizelle der Stadt. Die Hintergründe sind bis heute ungeklärt, und vonseiten der sachsen-anhaltinischen Polizei gibt es wenig Aufklärungswille. Im vergangenen Jahr attackierte die AfD das Bauhaus und bezeichnete es als „Irrweg der Moderne“. Die AfD ist wie üblich in dem Bundesland auch in Dessau-Roßlau Teil der Stadtvertretung, ihre Fraktion ist so groß wie die der CDU.

Heiko Gerdes und 19 weitere Kreative kamen trotzdem im Summer of Pionieers nach Dessau-Roßlau. Gerdes kannte die Stadt bereits, er gibt dort regelmäßig Bauhaus-Führungen: „Ich fand die Stadt schon immer spannend. Es ist einfach, Leute kennenzulernen. Dinge zu gestalten – das war im Großraum Berlin-Potsdam und Leipzig, wo ich bisher lebte, so nicht möglich.“ Egal was Gerdes bisher auch vorhatte, in Dessau funktioniert es. Eine Anfrage im Zoo etwa, eine Führung über Queerness in der Tierwelt anzubieten? Warum nicht!

Für den Summer of Pioneers bewarb sich der Berliner Architekt und Stadtentwickler mit der Idee, Leerstände mit Führungen, Workshops und anderen Veranstaltungen zu bespielen. Seine Wohnung bekam er in einem Plattenbau, saniert, sechster Stock, Blick über die Stadt, zwei Minuten Fußweg zum Bahnhof. Ihn fasziniert an Dessau-Roßlau vor allem, was dort als das große Problem gilt: „Es ist Wahnsinn, wie viel Leerraum diese Stadt produziert, Industrieflächen, Plattenbauten, Altbaubestände.“ Alles „lost places“, für die es in Berlin tausend Ideen und Interessenten gäbe, nur dass man dort solche Orte nicht mehr findet.

Die Szene der Stadt war bunter, als es die Pionierinnen und Pioniere erwartet hatten. „Wenn wir uns am Montag im Co-Working trafen, war ich immer baff, was die anderen alles erlebt hatten. Von den Events hätte ich gern vorher etwas gewusst“, sagt Heiko Gerdes. Es schien, als hätten die vielen Baulücken zu autarken kleinen Ökosystemen geführt. Das Kulturleben von Dessau-Roßlau sichtbar zu machen war deshalb eines der ersten Projekte der Pioniere. Sie programmierten einen digitalen Veranstaltungskalender. Und ernteten erst mal Kritik, wie Kathrin Hinze berichtet.

Die Referentin des Oberbürgermeisters treffen wir im ehemaligen Bürgerbüro neben dem historischen Rathaus, das für den Summer of Pioneers zu einem Co-Working-Space umfunktioniert wurde. Neben ihr sitzt Jörg Schnurre, FDP-Kommunalpolitiker und Gründer. Seine Idee war es, den Summer of Pioneers nach Dessau-Roßlau zu bringen. Hinze war seitens der Stadt für das Projekt zuständig. Sie besorgte die Wohnungen, vermittelte zwischen der Verwaltung und den Pionieren, wurde Herz und Seele des Vorhabens. „Als der digitale Veranstaltungskalender online ging, hieß es: Das können die doch nicht machen, daran arbeite die Stadt doch schon“, sagt Hinze mit einem Lächeln. „Ja“, habe sie ihren Kollegen geantwortet, „daran arbeiten wir, und zwar seit mehr als zwei Jahren.“

Die Pioniere hätten auch dafür gesorgt, dass in Dessau-Roßlau nun auf Google Maps die Nahverkehrshaltestellen angezeigt werden. Dass dies für Leute von auswärts ein wichtiger Service wäre, weiß man erst, seit man mit diesen Leuten tatsächlich zu tun hat.

Ein Mann steht vor dem Bauhausgebäude in Dessau. Er trägt Jeans, ein rotes T-Shirt und eine dunkle Jacke. Das Gebäude ist modern und besteht hauptsächlich aus Glas und Beton. Der Mann wirkt selbstbewusst und blickt in die Kamera.

Heiko Gerdes lebte im Summer of Pioneers sechs Monate in Dessau. Der Architekt gab schon vorher Führungen im Bauhaus

Eine Genossenschaft im Baufieber

Die Pioniere lebten in Unterkünften der Wohnungsbaugenossenschaft Dessau (WG Dessau). Diese verfügt mit circa 4.000 Wohnungen über den zweitgrößten Bestand in der Stadt, nach der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft. Während Letztere primär mit dem Leerstand kämpft, baut die WG Dessau und kauft Grundstücke dazu.

Wie macht sie das? Antworten gibt der Genossenschaftsvorstand Nicky Meißner. In dem Unternehmen, das er heute leitet, begann er schon als Azubi, wie sein Vorstandskollege auch. Die Stadt liege ihm am Herzen, sagt er. Als er vom Summer of Pioneers hörte, habe er sich sofort bereit erklärt, mitzumachen.

Meißner erinnert sich an die Praxis der meisten Wohnungsbauunternehmen nach der Wende: „Viele haben nur abgerissen oder verkauft, sogar in Leipzig. Es konnte sich einfach niemand vorstellen, wie sich die Städte entwickeln würden.“ Als seine Firma anfing, neue Wohnungen zu bauen, „hielten uns alle für bekloppt“.

Neben dem Neubau sanierte die Genossenschaft alte Wohnungen. Sie weist heute eine Leerstandsquote von 2,5 Prozent aus, Bundesdurchschnitt. Man konzentriert sich auf attraktive Lagen, Qualität und Individualität. Plattenbauten, die nicht alle gleich aussehen, einige hochwertiger ausgestattet, andere saniert mit Balkon. Meißner sagt: Die individuelle Modernisierung leiste man sich, weil man keine 20 Prozent Rendite erwirtschaften müsse, auch keine fünf – „und wir in 20 Jahren diese Gebäude immer noch vermieten wollen“.

Ob künftig tatsächlich Tausende Menschen aus Berlin und Leipzig kommen, bleibt für ihn abzuwarten. Was er durch den Summer of Pioneers aber gelernt habe: Es stimmt nicht mehr, dass man nur Jobs braucht, um Leute anzuziehen. Stattdessen hätten „die Leute ihre Arbeit mitgebracht. Die wollen vor allem gut und günstig wohnen“, sagt Meißner. Sein Unternehmen wird mit einem Pionier auch künftig zusammenarbeiten, um Wohnideen für junge Leute zu entwickeln. „Wir denken zu oft nur an die ältere Zielgruppe und Barrierefreiheit, wir brauchen auch etwas Modernes und Verrücktes in der Stadt. Vielleicht Möbel und Internet in der Pauschalmiete schon mit drin.“

Ein mehrstöckiges, hellbraunes Wohngebäude mit vielen Fenstern. Vor dem Gebäude befindet sich ein großes, trockenes Grasfeld. Im Hintergrund sind weitere Gebäude und Bäume zu sehen. Das Bild vermittelt einen eher nüchternen, städtischen Eindruck.

Eine Plattenbausiedlung war der Wohnort der 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Summer of Pioneers

Raum für Möglichkeiten

Ein paar neue Ideen hat Holger Schmidt schon umgesetzt. Der Professor für Stadtumbau und Ortserneuerung spricht aus sicherer Entfernung an der Rheinisch-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau, hat aber eine enge Beziehung zu Dessau. Er arbeitete mehr als ein Jahrzehnt in der Bauhaus-Stiftung und seit dem Jahr 2000 als freier Architekt für Stadtplanung und Kommunalpolitiker an der Umsetzung „informeller Stadtentwicklungs- und Bürgerschaftsprojekte“ mit. Schmidt hofft, dass die Stadt ein Geheimtipp wird – „da geht noch was“.

Dafür brauche es Andockpunkte für Menschen, die neu dorthin kommen. Es fehlten WG-taugliche Wohnungen, die sich in den Plattenbauten im Zentrum ohne großen Umbauaufwand einrichten ließen, ebenso Eigenheime. Eines von Schmidts Projekten war der „Plattenbaukasten“. Dabei wurde ein fünfgeschossiger Plattenbau bis auf die erste Etage abgetragen und in Reihenhäuser umgebaut, inklusive 400 Quadratmeter Garten. Der Preis für Kauf und Umbau lag pro Reihenhaus zwischen 120.000 und 170.000 Euro. Die Wohnungsbaugesellschaft investierte die Mittel in das Projekt, die sie sonst für den Abriss ausgegeben hätte. Die neuen Eigentümer übernahmen die restlichen Kosten. Wenn Schmidt von dem Projekt erzählt, kommt er ins Schwärmen: „Die Käufer konnten sich da richtig ausleben. Wohnungen haben in einem Plattenbau kaum tragende Wände, es sind tolle Grundrisse entstanden.“

Aufbruchsstimmung

Bleibt die Frage: Was kann ein Sommer mit 20 Menschen gegen den Leerstand ausrichten? Vier davon sind nach dem Projekt dauerhaft in Dessau-Roßlau geblieben. Das ist schön – aber angesichts Tausender leer stehender Wohnungen noch keine Lösung.

Jacqueline Lohde sieht den Erfolg an anderer Stelle. „Das Projekt hat Aufbruchsstimmung erzeugt.“ Die will sie nutzen. Lohde hat mit Neulandia bereits ein neues Projekt gestartet: das KoQuartier, das allerdings bis zum nächsten verabschiedeten Haushalt auf Eis liegt. Danach soll ein größtenteils leer stehendes Carré mit Fördermitteln und Investitionen seiner künftigen Bewohner zu einem alternativen und gemeinschaftlichen Wohnprojekt umgebaut werden. Das KoQuartier soll Anlaufstelle und ein Wohnort für Neuankömmlinge sein, mehr als hundert Menschen im Monat will Neulandia dafür über Social Media begeistern.

Lohde hofft auch auf die Bundesgartenschau 2035 in Dessau, dann sollen die vielen Baulücken blühen. Ideen für die Zukunft fragt sie zudem bei den örtlichen Profis an: bei der Bauhaus-Stiftung, die das Thema Bauträgerkonzepte in ein Dialogformat aufnahm. Beim Umweltbundesamt, das den Umweltstadtsalon ins Leben rief. Und bei den Studenten und Professorinnen, die sich in Dessau mit nachhaltiger Stadtentwicklung, Denkmalpflege und Architektur beschäftigen.

Erstmals suchten Studenten in Bachelorarbeiten architektonische Antworten auf den innerstädtischen Leerstand. Lohde war bei der Präsentation der Entwürfe in der Universität persönlich dabei und nahm die Geschäftsführung der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft mit. Sie sagt: „Wir brauchen neue Ideen.“ ---

Das Wichtigste in Kürze

– Kaum eine Stadt schrumpft so stark wie Dessau-Roßlau. Dort stehen 6.000 Wohnungen leer.

– Die Stadt versucht, den Trend umzukehren, unter anderem mit dem „Summer of Pioneers“.

– Dabei zogen 20 Menschen für sechs Monate in die Stadt. Das hat noch nicht das Problem gelöst, aber für Aufbruchstimmung gesorgt.