Zum Inhalt springen
Ein mehrstöckiges Holzgebäude befindet sich auf einer Baustelle. Das Gebäude ist hellbraun und hat viele Fenster. Im Vordergrund ist trockenes Gras und Baugerüst zu sehen. Der Himmel ist leicht bewölkt.

Collegium Academicum

In Heidelberg haben Studentinnen und Studenten ein Wohnheim selbst finanziert. Ein Gespräch mit der Bewohnerin Louise Gross (24).


brand eins: Frau Gross, was macht dieses Wohnheim besonders?

Louise Gross: Wir haben alles selbst in die Hand genommen – Mitstreiter gesucht, einen Verein gegründet, die Finanzierung organisiert. Für den Bau haben wir zwar eine Firma beauftragt, aber selbst da haben viele mit angepackt. Der Neubau ist das Herzstück. Daneben steht noch ein altes Gebäude, das mal ein Hospital der US-Armee war und das wir selbst saniert haben.

Wie lebt es sich jetzt hier?

Es ist immer viel los. Im Neubau gibt es Wohnungen, in denen die meisten zu viert als WGs leben. Wir haben eine Aula, mehrere Werkstätten und eine Dachterrasse, die nicht nur wir, sondern auch Leute von außerhalb nutzen. In der Aula finden zum Beispiel Kunstprojekte statt. Es kommen auch immer wieder neue Leute dazu, weil die Bewohner wechseln: Studierende und Auszubildende ziehen nach dem Abschluss aus. Nur die jungen Familien, die im Altbau wohnen, dürfen unbegrenzt bleiben.

Das Bild zeigt ein modernes, mehrstöckiges Gebäude aus Holz und Beton. Die Fassade ist teilweise mit Holz verkleidet, teilweise aus grauem Beton. Vor dem Gebäude befindet sich ein großer Fahrradstellplatz mit vielen Fahrrädern. Das Gebäude wirkt funktional und einladend, es scheint sich um eine öffentliche Einrichtung zu handeln.

Die Aula können auch Externe mieten, zum Beispiel für Kunstausstellungen

Eine junge Frau hockt im Freien vor einem Gebäude mit Holzfassade. Sie trägt einen beigen Pullover und eine dunkle Hose. Ihr Blick ist nachdenklich, sie wirkt ruhig und in sich gekehrt. Das Gelände um sie herum ist trocken und überwiegend mit trockenem Gras bedeckt.

Louise Gross vor ihrem Zuhause, das sie gemeinsam mit anderen selbst gestaltet

Der Neubau des Collegium Academicum …
… wurde 2023 fertig.
… hat 176 Bewohner.
… kostet 375 Euro Miete pro Zimmer.
Im Altbau sind vor Kurzem weitere Wohnungen und Zimmer für rund 70 Bewohner fertig geworden.
Ein großer, offener Raum, vermutlich eine Eventhalle oder ein Veranstaltungsort. Der Raum ist hell und modern eingerichtet mit Holzbalken an der Decke und einem Betonboden. Links befinden sich zwei Ledersessel, ein grüner und ein brauner. Im Hintergrund sind Fenster zu einem weiteren Raum oder einer Außenfläche zu sehen. Mehrere große, weiße Kugellampen hängen von der Decke. Im rechten Bildbereich stehen Lautsprecherboxen auf einem Podest. Der Raum wirkt leer und bereit für eine Veranstaltung.

Wie haben Sie das Projekt finanziert?

Allein der Neubau kostete insgesamt 21 Millionen Euro. Wir haben eine Bank überzeugt, uns einen Kredit in Höhe von 13,4 Millionen Euro zu geben. Die restlichen rund acht Millionen Euro finanzieren wir mit Fördermitteln und mit Direktkrediten von Privatpersonen. Das sind Verwandte, Freunde und Leute, die unser Projekt unterstützen wollen. Bislang haben wir für den Neubau rund 3,2 Millionen Euro mit rund 500 Direktkrediten aufgebracht. Die Direktkredite zahlen wir wiederum mit neuen Direktkrediten ab. Das tun wir so lange, bis wir den Kredit der Bank über Mieteinnahmen abbezahlt haben. Dann können wir diese Einnahmen verwenden, um die Direktkredite zu tilgen. Wir schätzen, dass wir 2050 alles abbezahlt haben.

Wie funktioniert die Selbstverwaltung bei Ihnen?

Alle Bewohner kommen regelmäßig zusammen, um Entscheidungen zu treffen. Zusätzlich haben wir Arbeitsgemeinschaften für Themen von der Mietverwaltung bis zur Organisation von Veranstaltungen. In Phasen, in denen wir Klausuren schreiben, passiert oft weniger, danach wieder mehr. Die Zusammenarbeit funktioniert gut, weil uns allen das Miteinander wichtig ist.

Der Name Collegium Academicum irritiert: Warum haben Sie das Wohnheim so genannt?

Weil es das selbstverwaltete Collegium Academicum bis in die Siebzigerjahre schon einmal in Heidelberg gab. 2013 haben sich Studierende zusammengetan, um mit der neuen Version an die Tradition anzuknüpfen. Der Name mag altbacken klingen, deshalb sagen wir auch häufig nur CA. ---