KI in der Medizin
„Locker 100 Projekte“
In der Medizin ist KI längst angekommen. Ein Report über smarte Lösungen im Gesundheitswesen.
Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 10/2025.
• Während des Gesprächs brummt die Smartwatch von Felix Nensa. Eine App meldet ihm, die KI habe irgendwo im Klinikum bei einer Computertomografie eine bedrohliche Verengung einer Lungenarterie bemerkt. Dank der Nachricht kann der betroffene Patient schnell behandelt werden.
Felix Nensa ist Mitgründer und stellvertretender Direktor des Instituts für künstliche Intelligenz in der Medizin am Universitätsklinikum Essen. Von Haus aus ist er Radiologe. Mit dem Direktor Jens Kleesiek und mehr als 150 Forscherinnen und Forschern am Institut treibt er die Digitalisierung des Klinikums voran.
Die App, die die Lungenarterienembolie angezeigt hat, ist nur eines von „locker 100 Projekten“, die sie laut Kleesiek im Institut entwickelt haben oder derzeit entwickeln – und dann direkt vor Ort im Alltag testen. Möglich wird das, weil das KI-Institut eine Einrichtung des Klinikums und nur wenige Gehminuten vom Campus entfernt ist, also unmittelbar an die Krankenversorgung angedockt. Und um die geht es Nensa und Kleesiek: „Wir behandeln Patienten, keine Daten.“
Es hat sich als Glücksfall erwiesen, dass sie bei der Institutsgründung vor rund sechs Jahren direkt auf dem Campus keine Räume fanden. Stattdessen konnten sie im imposanten Girardethaus an der Rüttenscheider Straße im Herzen Essens expandieren. Und der Standort an einer der belebtesten Straßen der relativ wohlhabenden Ruhrgebietsstadt ist attraktiv. Auf der beliebten Meile ist immer was los, ein pulsierendes Großstadtleben im besten Sinne. Im Werben um IT-Kräfte ein großer Vorteil, zumal das Institut als öffentliche Einrichtung nicht die andernorts gängigen Gehälter und Honorare bieten kann. Auch das Fitnessstudio im Haus wird geschätzt, ob zum Feierabend-Workout oder zur Projektbesprechung an der Hantelbank.
Die Nähe zur Klinik ermöglicht Projekte, die einem echten Bedarf am Krankenbett entspringen. Und der ist groß. Ein Beispiel: Jeder, der schon einmal Patient in einem Krankenhaus war, kennt das Warten – auf die Pflegekraft, auf die CT-Aufnahme, auf die Operation und auf die Ärztin, die dann dasselbe fragt wie andere bereits vor ihr.
Weil verschiedene Informationssysteme in der Klinik separat entwickelt worden sind, sind sie auch in Essen nicht vernetzt. Das hat zur Folge, dass für denselben Patienten die Radiologieaufnahmen in der einen Datenbank liegen, die Laborwerte in einer anderen und die Arztbriefe in einer dritten. „Ärzte müssen mit den Systemen jonglieren – schrecklich“, sagt Nensa.
Um dieses ressourcenfressende Datenchaos zu beseitigen, stellen die Fachleute inzwischen maßgeschneidert für einzelne Abteilungen Daten automatisiert zusammen. „Das spart total viel Zeit, und es passieren auch viel weniger Fehler, weil man die Daten nicht mehr übersieht“, so Nensa.
Sehr hilfreich ist dafür der direkte Datentransfer: Das Institut sammelt Routinedaten aus sämtlichen Klinikbereichen. Solche verlässlichen Daten sind wiederum die Grundlage für KI-Anwendungen, für die in der Medizin viel höhere Ansprüche gelten als etwa für Sprachmodelle. Die Daten dienen auch dazu, KI zu trainieren.
Die zwei vom KI-Institut: Felix Nensa …
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