Neues aus dem brand eins Netzwerk
Eine Reederei-Vorständin gibt Tipps zur Führung. Und ein Markenfachmann verrät, wieso Nachhaltigkeit nach wie vor zählt.
„Unter Druck entstehen zwar Diamanten, doch im Business-Kontext ist dieser Führungsstil eindeutig veraltet.“
Donya Amer ist im Vorstand der Reederei Hapag-Lloyd für IT und Personal zuständig.
Sie muss zum einen die unterschiedlichen Bedürfnisse der seefahrenden Kolleginnen und Kollegen sowie derjenigen an Land unter einen Hut bringen. Und zum anderen viele externe Herausforderungen meistern – von den geopolitischen Krisen, die die Frachtindustrie betreffen, bis hin zum rasanten Aufstieg künstlicher Intelligenz. Ein Gespräch über Führung in unruhigen Zeiten.
Frau Amer, wir durchleben Phasen großer Veränderung. Wie bringen Sie Beschäftigte dazu, trotz möglicher Verunsicherung dabei mitzuwirken?
Donya Amer: Unter Druck entstehen zwar Diamanten, doch im Business-Kontext ist dieser Führungsstil eindeutig veraltet. Stattdessen setze ich auf eine Führung, die klare Ziele, Eigenverantwortung und eine Kultur des Vertrauens fördert.
Sie betonen auch häufig den übergeordneten Sinn unternehmerischen Tuns. Warum?
Veränderung funktioniert nur, wenn alle verstehen, warum sie notwendig ist und welchen Beitrag er oder sie leisten kann.
Wie gehen Sie persönlich mit Stress um?
Für mich ist es entscheidend, dass ich mich auf die Dinge konzentriere, die ich kontrollieren kann, und mich nicht von negativen Gedanken leiten lasse. Für mich ist das Glas nie halb leer, sondern immer halb voll.
Welchen Tipp geben Sie jungen Führungskräften in diesen herausfordernden Zeiten?
Mein wichtigster Tipp: be interested, be interesting. Sei wirklich neugierig auf dein Team, seine Ideen und Herausforderungen. Echte Führung entsteht aus echtem Interesse.
Donya Amer ist Speakerin bei der Leadershift.
→ Bei brand eins können Sie Führung lernen. Wir veranstalten die Leadershift, die brand eins Konferenz für junge Führungskräfte, in Kooperation mit UnternehmerTUM. Sie findet statt am 12. September im Hamburger Oberhafen. Seien Sie dabei und sichern Sie sich ein Ticket.
„Wer neue Entwicklungen wie die künstliche Intelligenz verschläft, wird über kurz oder lang den Anschluss verlieren.“
Lutz Dietzold vom German Design Council sagt: „ Eine scharfe Positionierung und kontinuierliche Markenarbeit zahlen sich aus.“
Herr Dietzold, welche Marken schlagen sich derzeit gut?
Lutz Dietzold: Gerade in Phasen raschen Wandels laufen Klassiker besonders gut. Kundinnen und Kunden scheinen sich dann umso mehr dem Bewährten zuzuwenden. Auch das Thema Heritage spielt für Unternehmen zunehmend eine Rolle: Wo komme ich her, was mache ich, bin ich glaubwürdig? Vertraut man mir – auch in Sachen Nachhaltigkeit? Die Marke gibt Halt, Orientierung und sorgt für Kontinuität. Daher hilft es, auf eine klare Linie zu setzen. Und in die Marke zu investieren.
Gibt es da Nachholbedarf in den Unternehmen hierzulande?
Die deutsche Wirtschaft beweist immer wieder, dass sie innovativ ist und schnell erkennt, was die Kundschaft braucht. Dennoch benötigen innovative Technologien und Produkte Präsenz, um wahrgenommen zu werden. Wem es gelingt, sich abzuheben, der ist im Vorteil. Eine scharfe Positionierung und kontinuierliche Markenarbeit zahlen sich also aus – Sichtbarkeit kommt nicht von allein, sondern ist das Ergebnis strategischer Anstrengungen.
Welche Chancen sehen Sie für Marken, sich als verantwortungsvolle Akteure im gesellschaftlichen Wandel zu etablieren – auch über Design und Kommunikation hinaus?
Da hat sich besonders beim Thema Nachhaltigkeit viel getan. Vor fünf Jahren reichte es, Plastikflaschen im Meer einzusammeln und ein neues Produkt daraus zu machen. Heute ist entscheidend, dass die Flaschen gar nicht erst ins Meer gelangen. Unternehmen müssen ihre Kreisläufe belegen, die gesellschaftlichen Folgen reflektieren und danach handeln. Unternehmen, die das ignorieren, bekommen zunehmend Probleme. Es reicht also nicht, Nachhaltigkeit oder Verantwortung nur zu propagieren – man muss sie glaubwürdig leben. Gleiches gilt für den technischen Wandel: Wer neue Entwicklungen wie die künstliche Intelligenz verschläft, wird über kurz oder lang den Anschluss verlieren.
Lutz Dietzold ist Geschäftsführer des German Design Council, eines der führenden Kompetenzzentren für Kommunikation und Wissenstransfer im Bereich Design, Innovation und Marke.
→ In einer Zeit, in der Orientierung und Vertrauen wichtiger denn je sind, bündeln wir unsere Kräfte: brand eins bringt sein Fachwissen und sein Verständnis für Markenidentitäten ein und ist Partner des diesjährigen German Brand Awards. Der vom German Design Council initiierte Wettbewerb zeichnet vorbildliche Markenarbeit aus. Gemeinsam wollen wir den Blick schärfen für Marken, die nicht nur im Wettbewerb bestehen, sondern auch einen positiven gesellschaftlichen Beitrag leisten.