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Prompt erledigt: Zauberer der Katastrophe

Dannero ist einer der erfolgreichsten Tiktoker Deutschlands. Jede Woche lädt er mindestens einen Kurzfilm hoch. Mit echtem Hund und täuschend echten Zombies.



Dannero mit seinem Dalmatiner in einer düsteren Filmszene in einer amerikanischen Großstadt. Er kniet in einem starken Gewitter auf dem Boden und hält in der Hand einen Oktopuszombie. Sein Hund knurrt das Wesen an. Das Bild ist mit KI generiert.

Dannero mit seinem Hund in einer Filmszene

Abbildung: © Daniel Pfauntsch

Was macht der Mann da? Er kommt aus dem Haus am dörflichen Stadtrand von München, tritt auf die ruhige Straße, baut ein Stativ mit Kamera auf und hüpft ein paarmal hin und her. Sieht ziemlich beknackt aus. Dann geht er wieder rein.

„Wird ein kleiner dystopischer Film“, sagt der Mann. „Wahrscheinlich mit Zombies und mit Nero. Es geht um Freundschaft. Das mögen die Zuschauerinnen und Zuschauer.“

Sieht ganz so aus: Der Mann hat elf Millionen Follower auf Tiktok. Er heißt Daniel Pfauntsch und ist 34 Jahre alt. Nero ist sein Dalmatiner und zehn Jahre alt. Zusammen nennen sie sich Dannero.

Nero bleibt draußen im Garten und kläfft ein wenig. Pfauntsch steigt hinab in den Keller. Da ist sein Studio. Gamer-Sessel, Monstermonitore, Keyboard, blinkende Rechner, 1,5 Liter Eistee-Tetra-Pak. Hier bastelt er seine Videos. Maximal 30 Sekunden lang. „Mehr guckt ohnehin niemand“, sagt er.

Rund um die Computer stehen Figuren aus dem Marvel-Universum: Superheldinnen und Superhelden wie der Ant-Man, Black Widow, Spider-Man, Hulk, Thor und die Guardians of the Galaxy. Pfauntsch macht die Figuren selbst, er hat sich dafür extra einen 3D-Drucker besorgt. An der Wand lehnt zwei Meter groß Leonardo aus der Comicserie „Teenage Mutant Hero Turtles“. Den hat er sich aus Schaumgummi schnitzen lassen.

Pfauntsch lädt das Video von der ruhigen Straße ins Videobearbeitungsprogramm After Effects hoch. Dann schneidet er sich selbst mit dem KI-Plug-in Rotoscope aus. Ein Klick, und die Dorfstraße, das Einfamilienhaus, das Spießige: alles weg „Früher musste ich das Frame für Frame selber machen“, sagt er. „Jetzt macht das die künstliche Intelligenz für die ganze Szene.“

Danach baut er mit KI-Tools wie Blenderkit oder dem neuen, „superabgefahrenen“ Google-Werkzeug Veo 3 kleine Sequenzen ein: einstürzende Hochhäuser, eine schemenhafte Felsenschlucht, im Vordergrund ein Eisenbahnunglück. Die Prompts werden eingetippt, der Rechner rechnet ein wenig. Pfauntsch nimmt einen Schluck Eistee. Dann kommen die Bilder.

Man sieht zwei Wagons entgleisen. Da müssen jetzt Nero und Pfauntsch drauf. Ein paar Mausklicks und er zieht Nero aus dem Archiv und platziert ihn auf dem einen Wagon. Pfauntsch nimmt seine ausgeschnittene, hüpfende Figur aus der Straßenszene und stellt sie auf den anderen. Und nun bitte noch ein paar Zombies. Zombies gehen immer. Pfauntsch hat jede Menge davon im Archiv. Ein weiterer Mausklick: Die Zombies sind da, die Kupplungen bersten und die Waggons fliegen durch die Luft. Der Abstand zwischen Hund und Mensch wird immer größer. Die Zombies nähern sich bedrohlich.

Werden Nero und Pfauntsch je wieder zusammenkommen? Leider nein, die Straßenszene ist zu kurz.

Aber wozu gibt es generative KI? „Der sag ich einfach: Ich brauch noch drei Sekunden“, sagt Pfauntsch, „dann macht die das drei Sekunden länger.“ Und schon passt es wieder.

Jetzt noch den Sound dazupacken, fertig. Die KI hat die Sache voll im Griff. Pfauntsch springt in letzter Sekunde auf den Wagon mit Nero. Herrchen und Hund vereint. Happy End. Puh, das war knapp.

„Ich mache zwei Sorten Videos“, sagt Pfauntsch. „Freundschaftsvideos wie etwa das hier von Nero und mir. Wir halten zusammen, auch wenn die Welt immer beschissener wird. Und Transition-Videos.“

Bei den Transition-Videos fährt die Kamera auf ein Loch, ein Fenster, eine Astgabel zu – und wenn sie den Durchgang passiert, verändert sich alles. Nero wird zum Monster, Pfauntsch zum – na klar – Zombie. Düstere Musik. Düstere Lichtstimmung. Aber am Schluss wird alles wieder gut.

Typisch sind auch die Albtraum-Videos. „Hat doch jeder mal“, sagt Pfauntsch. Vermutlich schauen sich das nur unter 30-Jährige millionenfach auf Tiktok an: Pfauntsch stürzt direkt aus dem Universum in eine Straßenschlucht zwischen Hochhäusern. Er schlägt auf, harter Schnitt – und liegt im Bett. Am besten leckt ihm Nero final noch freundlich über das Gesicht. 25 Sekunden Furcht und Schrecken, fünf Sekunden Friede, Freude, Eierkuchen. Danneros Follower sollen die Hoffnung nicht verlieren. „Du machst mir gute Laune“, schreiben sie in die Kommentare.

Angefangen hat Pfauntsch als Zauberkünstler. Er war ein dickes Kind in Ismaning bei München und wurde in der Schule gemobbt, bis er sich selbst einige Kartentricks beigebracht hatte. Danach lernte er Industriekaufmann, aber nur, um sich nach einem Jahr als Magier selbstständig zu machen. Er beschäftigte sich mit Suchmaschinenoptimierung (SEO), und wer damals „Zauberer München“ googelte, fand ihn gleich oben auf der Seite.

Sein erstes Video lief im Mai 2018 auf Facebook. Nero hatte eine Batman-Figur auf der Nase, dazu der Song „Pop like that“. 151.000 Views. Ein gutes Jahr später ging Nero mit einem Papp-Batman viral. 944.000 Views, 114.000 Likes. Im Dezember 2019 hatte Dannero eine Million Follower, 2023 zehn Millionen.

„Ich funktioniere international, weil ich nicht rede“, sagt er. Außerdem trägt er stets ein Bandana, hinter dem er sein Gesicht verbirgt. Es ist schwarz-weiß, passt gut zum Dalmatiner Nero. „Nero und Bandana“, sagt Pfauntsch, „dadurch bin ich unverwechselbar.“

Mit seinen Filmchen verdient er kein Geld. „Die sind nur für die Reichweite.“ Geld verdient er mit Kooperationen: Netflix, BMW, Sony und vor allem die Filmindustrie wollen ran an seine Follower. Neulich wurde er von Paramount ans Filmset für „Mission Impossible – The Final Reckoning“ eingeladen. Er drehte mit der Kamera ein paar Einstellungen mit, sprach mit Tom Cruise („ein supersympathischer Typ“), ließ KI alles flott produzieren, postete das Video auf Tiktok und auf Instagram und kassierte 35.000 Euro. „So was mache ich ein- bis zweimal im Monat.“ Entlang der Kellertreppe hat er seine Wall of Fame. Da hängen Fotos von Dannero und Brad Pitt, Dannero und Keanu Reeves, Dannero und Oscargewinner Jared Leto („Dallas Buyers Club“).

More to come. Es sei denn, die Sache mit den Videos lässt nach. Oder Zensur, Altersbeschränkung oder andere Urheberrechtsregularien könnten den Markt einschränken. Die Konkurrenz wächst. Mithilfe von KI kriegt bald jeder Depp ein nettes Filmchen hin. Außerdem weiß niemand, wie alt Nero wird; die Lebenserwartung von Dalmatinern liegt bei zehn bis 13 Jahren. Andererseits könnte KI Nero als Avatar unsterblich machen.

Egal, Daniel Pfauntsch kann ja zaubern. Für 2026 plant er eine Tournee als Magier. Unfassbare Tricks, schockierende Stunts (Pfauntsch hat Kampfsporterfahrung und lernt gerade Show-Wrestling), voll analog. Und ganz ohne KI. Sicher ist sicher.

Influencer in Deutschland

Zahl der Influencer ab 10.000 Followern: 440.000
davon auf Instagram: 383.000
davon auf Tiktok: 100.000
davon haben mehr als 500.000 Follower: 6.500
Davon leben können: 17.600

Gesamtumsatz 2025, geschätzt in Euro: 720.000.000

Tiktok-Top-10 in Deutschland nach Followern, in Millionen

Younes Zarou (Experimente): 56,7
Noelgoescrazy (Comedy): 43,8
FC Bayern München (Fußball): 24,6
Mr. Benz (Auto/Lifestyle): 19,3
Avemoves (Tanz): 17,5
Borussia Dortmund (Fußball): 16,7
Adrian Kozakiewicz (Insekten): 16,6
The Voice Kids (Musik): 16,2
Julia Gisella (Beauty/Selfcare): 15,1
Dannero (Videos/Transition): 11,0

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