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Ein breiter, heller Steg führt auf ein großes weißes Fährschiff zu. Im Hintergrund erhebt sich ein modernes Gebäude mit einer Fassade aus vielen blauen Dreiecken. Der Himmel ist bewölkt, das Ambiente wirkt kühl und urban.

Helsingborg

Helsingborg ist eine Hafenstadt mit 150.000 Einwohnern in Südschweden. Seit einigen Jahren zählt sie zu den innovativsten Städten in der EU und wird mit Preisen überhäuft. Zu Recht?


Dieser Artikel erschien in der Ausgabe 07/2023.

Ein weitläufiger, leerer Parkplatz mit bunt bemalten Containern und Graffiti-Wänden. Im Hintergrund erstreckt sich eine städtische Landschaft mit Gebäuden und einem Kran. Die Szene wirkt verlassen und künstlerisch gestaltet.
Ein belebter Platz vor einem hohen Gebäude. An der Fassade des Gebäudes befindet sich ein großes, farbiges Porträt eines Gesichts. Mehrere Personen sind auf dem Platz unterwegs, darunter eine Frau mit Kinderwagen und eine ältere Dame mit Gehhilfe. Ein Polizeiauto steht am Straßenrand. Die Atmosphäre wirkt freundlich und alltäglich.
Ein kleines Kind rutscht auf einer silbernen Rutsche von einem pinkfarbenen Burg-Spielplatz herunter. Im Hintergrund steht eine Frau und beobachtet das Kind. Der Spielplatz befindet sich auf einem grünen Hügel und ist mit kleinen Türmchen und Flaggen verziert. Es scheint ein sonniger Tag zu sein.
Grafik einer Karte von Schweden. Der südliche Teil des Landes ist detaillierter dargestellt, während der Norden vereinfacht ist. Ein roter Punkt markiert eine Position in der Nähe der Küste im Südwesten Schwedens.
Ein langer Steg erstreckt sich über das graue Meer. Die kleinen, hellen Häuschen am Ende des Stegs wirken einladend. Das Wasser ist bewegt und schäumt leicht. Der Himmel ist bewölkt, was eine ruhige Atmosphäre erzeugt.
Ein farbenfroher Spielplatz mit einem lila Burgturm und einem Drachenkopf im Vordergrund. Der Drachenkopf ist geöffnet und dient als Eingang zum Spielbereich. Im Hintergrund sind Bäume und ein blauer Himmel zu sehen.
Das Bild zeigt eine moderne Skulptur in Form eines Tores. Die Skulptur ist in Schwarz-Weiß gehalten und mit einem wellenförmigen Muster versehen. Im Hintergrund sind moderne Gebäude und ein Wasserweg zu sehen. Die Atmosphäre wirkt urban und künstlerisch.

• Unter den Kindern der Stadt hat sich das mit dem neuen Spielplatz schnell herumgesprochen. Er heißt „Prinzessinnen und Drachen“, hat ein pinkes Schloss mit Türmchen und Rutsche, einen gefleckten Drachen mit spitzen Zähnen zum Herumklettern, der zum Glück nicht besonders angsteinflößend aussieht, und eine riesige gelbe Krone zum Reinkrabbeln. Die Kinder lieben ihn. Deswegen sind an diesem Samstag – Sonne, blauer Himmel – auch wieder viele von ihnen mit ihren Eltern hier. Es sind Menschen aus der ganzen Stadt.

Das ist deshalb bemerkenswert, weil sich der Spielplatz in Drottninghög befindet. Drottninghög, im Nordosten von Helsingborg, war lange ein Viertel, um das die Leute einen Bogen machten. Heruntergekommene Wohnblöcke aus den Siebzigern, 3100 Menschen, von denen viele ohne Arbeit waren und weder Schwedisch noch Englisch sprachen. Wenig Perspektiven, dafür Drogen und Schießereien. Wer es schaffte rauszukommen, zog weg.

Drottninghög war in Schweden bekannt: Als Ort, wo sich das, was schief laufen kann, besonders deutlich zeigte. Heute ist es ein Vorzeigeprojekt der Stadt.

Auf einer der Bänke am Rande des Spielplatzes sitzt ein Mann um die 30. Schwarzes T-Shirt, tätowierte Arme, verspiegelte Sonnenbrille. Seine kleine blonde Tochter hockt gerade unter der Krone, sie spielt mit ihrer Mutter Verstecken. „Ich bin in Dröttninghög aufgewachsen. Das war eine raue Gegend“, sagt er. „Es ist echt netter geworden. Früher gab es hier auch keine richtigen Spielplätze.“

Der Spielplatz gefalle ihm besonders, sagt er. Dadurch kämen die Menschen in Helsingborg in ein Viertel, das sie vorher gemieden hätten.

Vor zwölf Jahren packten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Kekse ein, klingelten an Türen und fragten 300 Menschen im Stadtteil: Was sind eure Träume? Was können wir tun, um euer Leben zu verbessern? Was haltet ihr von Renovierungen, und wie viel mehr Miete könnt ihr zahlen? In den Jahren danach renovierte Helsingborgshem, die stadteigene Wohnungsbaugesellschaft, der 40 Prozent aller Mietshäuser der Gemeinde gehören, die Gebäude. Von innen und außen. Je nach finanzieller Situation konnten die Bewohner bestimmen, wie viel bei ihnen gemacht werden sollte.

Es entstanden auch Einfamilienhäuser und moderne Wohngemeinschaften für junge und alte Menschen. Wer eines der Häuser mietet, kann es fünf Jahre später noch zum ursprünglichen Preis kaufen. Die Stadt ließ einen Beach-Volleyball-, einen Fitness- und einen Wasserspielplatz bauen und neben dem Prinzessinnen-Spielplatz ein Gemeinschafts-Gewächshaus und einen großen Platz mit Bänken, die für Begegnung sorgen sollen. Die Bücherei begann Konzerte zu veranstalten und Fahrräder zu verleihen – außerdem gab es Bildungsprogramme.

Die Arbeitslosigkeit in Drottninghög ist seit 2011 zwar nur um 0,9 Prozent gesunken, aber es haben jetzt fast 90 statt 54 Prozent der Bewohner eine weiterführende Schule besucht.

Wenn man durch das Viertel läuft, vorbei an ordentlichen, frisch gestrichenen Häusern zwischen viel Grün, sieht es fast nach schwedischer Idylle aus. Man kann sich kaum vorstellen, dass junge Menschen in TV-Dokus vor einigen Jahren noch sagten, die einzige Aufstiegsperspektive gebe es hier in kriminellen Gangs.

„Helsingborg ist ein viel modernerer und besserer Ort geworden“, sagt der Mann auf der Bank. „Nach meinem Eindruck tut die Stadt viel und versucht immer, einen Schritt voraus zu sein.“ An diesem Image arbeiten die Politiker hier seit Jahren.

Helsingborg, 32 Bezirke, 150 000 Einwohner, (die achtgrößte Stadt in Schweden, 45 Minuten von Malmö, 80 Minuten von Kopenhagen), soll nicht einfach nur ein mittelgroßer Fleck auf der Landkarte sein und schon gar kein gefährlicher, sondern eine der lebenswertesten, grünsten Städte Schwedens und eine der innovativsten Städte Europas. Laut der EU-Kommission ist Helsingborg das gelungen.

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