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Nudossi

Nur wenige DDR-Marken haben überlebt – und noch weniger finden auch im Westen Anklang. Dazu zählt Nudossi, der Nuss-Nougat-Aufstrich aus Radebeul.





• Der Senior Karl-Heinz Hartmann ist zu Scherzen aufgelegt, heißt den Besucher aus dem Westen mit dem DDR-Gruß „Freundschaft!“ willkommen und fragt dann: „Na, haben Sie auch Geschenke mitgebracht?“ Der 69-Jährige spielt gern auf die alten Zeiten an, denn die Firma, die er gemeinsam mit seinem Sohn Thomas führt, beruht auf der Ost-West-Konkurrenz. In den Sechzigerjahren entwickelte die damalige Vadossi KG in Radebeul bei Dresden ein Gegenprodukt zu Nutella, das sich DDR-Bürger damals gern von Verwandten aus der BRD schicken ließen.

Die Antwort aus Sachsen hieß Nudossi, eine Nuss-Nougat-Creme, die zu mehr als einem Drittel aus Haselnüssen bestand, 1968 in der DDR auf den Markt kam und zum Renner – beziehungsweise zur Bückware – wurde: Die Nachfrage überstieg das Angebot stets bei Weitem. Doch nach der Vereinigung geriet das Ostprodukt wie so vieles aus der Mode und verschwand aus den Regalen.

Der Konditormeister Hartmann, der nach der Wende eine prosperierende Firma mit 17 Filialen und einem Zweigwerk in Tschechien aufgebaut hatte, kaufte das ehemalige Vadossi-Werk 1997, eigentlich um eigene Produkte wie den Dresdner Stollen herzustellen. Doch dann wurde er am Ort ihrer Erfindung auf die Marke Nudossi aufmerksam gemacht und belebte sie zum richtigen Zeitpunkt wieder: Mit der aufkommenden Ostalgie war das Interesse neu geweckt. Das Geschäft erwies sich als Selbstgänger. „Wir konnten die Nachfrage kaum decken“, erinnert er sich.

Der Sohn Thomas Hartmann führt durch den Betrieb, in dem Haselnuss-Mus mit Zucker, Kakao-, Milchpulver und Pflanzenöl vermischt werden. Was dabei herauskommt, ist, in größeren Mengen verzehrt, nicht unbedingt gesund, kann aber öko sein. Denn die Radebeuler haben ihre Creme nach intensiver Tüftelei um eine Variante ohne Palmöl erweitert – für eine Klientel, die den Regenwald beim Frühstück nicht schädigen möchte. Als Alternative dient Sonnenblumenöl und etwas Öl der indischen Salnuss. „Wir als kleine Firma können einfach mal was ausprobieren und schauen, ob es klappt“, sagt der 49-Jährige.

Es klappte: Nicht zuletzt dank dieser Neuerung ist Nudossi auch im Westen erfolgreich und schlägt sich auf dem insgesamt stagnierenden Markt für Nuss-Nougat-Cremes gut. Der Junior erzählt stolz, dass man 2018 eine Million Becher mehr abgesetzt habe als im Vorjahr. Im Osten sei Nudossi hinter Nutella die Nummer zwei, und im Westen, je nach Region, Nummer drei oder vier. Die Hartmanns freuen sich über eingefleischte Fans, die die Marke lieben. Einer schwärmte auf Facebook gar vom „braunen Gold aus Radebeul“. ---

Friedrich Lischka gründet 1920 das Backhaus Vadossi in Plauen. Den Namen leitet der Opern-Fan von einer Figur aus Puccinis „Tosca“ ab. 1924 eröffnet er eine Fabrik in Kötzschenbroda, heute Teil von Radebeul. Sie floriert, bis es 1943 an Rohstoffen und Arbeitskräften mangelt. Nach 1945 wird die Produktion wieder hochgefahren. In den Sechzigerjahren entwickelt man dort Nudossi; der Name besteht aus den Anfangs- und Endbuchstaben von Nuss und dem Firmennamen. Die Radebeuler spe- kulieren darauf, Haselnüsse günstig aus der Sowjetunion zu bekommen – eine Fehlkalkulation. Sie müssen gegen Devisen aus der Türkei beschafft werden. Nach der Wende folgt das Aus. Karl-Heinz Hartmann lässt sich nach dem Erwerb des ehemaligen Werks zu dem Versprechen hinreißen: „Klar, Nudossi kommt auch wieder.“ Er kauft das Rezept von einem Ex-Vadossi-Mitarbeiter und die Markenrechte vom MDR; der Sender wollte sie eventuell für eine Kindersendung nutzen. Die Investition lohnt sich: Dank der treuen Kunden übersteht die Firma die Insolvenz, in die sie 2005 unter an- derem als Folge der Zerstörung des tschechischen Werks durch das Elbehochwasser gerät. 2007 kaufen die Hartmanns den Betrieb in Radebeul für 800.000 Euro aus der Insolvenzmasse zurück, die ihnen ein befreundeter Geldgeber leiht – und starten mit dem Kerngeschäft noch einmal neu.

Sächsische und Dresdner Back- und Süßwaren GmbH & Co. KG

Umsatz 2018: rund elf Mio. Euro
Mitarbeiter: 34 plus 15 bis 20 Saisonkräfte zur Weihnachtszeit