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Newsletter zur 10/2018



brand eins Chefredakteurin Gabriele Fischer stellt einmal im Monat das neue Heft vor und schreibt über die Gedanken, die die Redaktion zum jeweiligen Schwerpunkt bewogen haben. Wenn Sie den Leser-Newsletter gerne empfangen möchten, melden Sie sich bitte hier an:

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Titelseite einer Zeitschrift namens "brand eins". Im Mittelpunkt steht eine Person, die in einer Ansammlung von bunten Papierresten und Stofffetzen steht. Die Person ist von hinten zu sehen, gebeugt und scheint etwas zu suchen oder zu sammeln. Die Szene wirkt chaotisch und künstlerisch, mit einem Fokus auf die Themen Vergänglichkeit und das Finden von Wert in Resten. Der Titel der Zeitschrift lautet "Der Schatz für morgen" und der Untertitel "Schwerpunkt Reste".
Titelbild: André Hemstedt & Tine Reimer

es gibt Themen, die schwelen jahrzehntelang im Untergrund, bis sie eines schönen Tages an die Oberfläche dringen und nicht mehr zu übersehen sind. Man nennt diesen Moment „Tipping point“, und es scheint, als wäre dieser Punkt bei so einigen Themen erreicht. Zum Beispiel bei Ernährung (unser Schwerpunkt-Thema im November), bei der Mobilität (April) oder nun beim Müll, speziell dem Plastikmüll.

Aber brand eins wäre nicht brand eins, wenn wir uns beim Schwerpunktthema Reste nur durch Abfallberge graben würden – genauso interessiert uns, was von Ideen und Überzeugungen bleibt und für die Wiederverwertung lohnt.

Viel Spaß mit einem Schwerpunkt, der ganz sicher nicht für den Müll ist.

Das Bild zeigt einen Mann, der vor einem großen Haufen weißen, flauschigen Materials steht, bei dem es sich um Baumwolle oder ähnliches zu handeln scheint. Der Mann trägt ein dunkles Hemd und eine Brille und befindet sich in der Mitte des Bildes. Der Hintergrund ist mit demselben flauschigen Material gefüllt, was der Szene ein Gefühl von Tiefe und Textur verleiht. Das Bild enthält keinen erkennbaren Text, und die Position des Mannes in Bezug auf den Stoffhaufen lässt vermuten, dass er sich im Vordergrund befindet.
Das Bild zeigt einen großen Haufen weggeworfener Plastiktüten und anderer Abfälle, die vor einer weißen Wand gestapelt sind. Der Stapel ist mit verschiedenen Arten von Plastiktüten gefüllt, von denen einige teilweise zerrissen oder beschädigt sind. Der Stapel scheint sich in einem Innenbereich zu befinden, möglicherweise in einer Abfallentsorgungseinrichtung oder einem Lager. Das Bild enthält keinen erkennbaren Text oder spezifische Aktionen, und die Gesamtszene vermittelt ein Gefühl von Unordnung und Desorganisation.

Foto: André Hemstedt & Tine Reimer

Zu viel

Man sieht sie immer öfter: Kunden, die auf dem Markt oder beim Lebensmittelhändler eine Box über den Tresen reichen, weil sie keine Verpackungen mehr wollen. Damit könnten sie der natürliche Feind von Hans-Georg Böcher sein, dem Gründer und Leiter des Deutschen Verpackungs-Museums – aber weit gefehlt. Auch Böcher will weniger Müll und ist gleichwohl ein Verfechter der Verpackung. Und ja, sie darf zum Beispiel bei empfindlichen Lebensmitteln auch aus Plastik sein, schließlich kann man das wiederverwerten – zumindest in der Theorie. In der Praxis, so hat Mischa Täubner recherchiert, hat die Wiederverwertung von Plastik ihre große Zeit noch vor sich. Und es sieht so aus, als könne die Entscheidung Chinas, uns nicht mehr allen Müll abzunehmen, den Fortschritt beflügeln („Sie sind der Sündenbock für unsere Lebensweise“, S. 66 / „Die Plastik-Wende“, S. 72).

Grafik in Schwarz-Weiß: Eine stilisierte Person, deren Kopf durch ein Puzzleteil ersetzt wurde, das sie in Richtung eines Hauses bewegt. Die Person scheint nach dem Haus zu greifen oder es zu erreichen. Die Darstellung wirkt abstrakt und könnte das Gefühl von Sehnsucht oder dem Wunsch nach einem Zuhause vermitteln.
Illustration: Joni Majer

Zu wertvoll

Aber ist Recycling wirklich die beste Lösung? Die Verfechter von Cradle to Cradle plädieren seit Jahren für eine andere: Produkte sollten so konstruiert werden, dass die Rohstoffe nach der Benutzung in ein anderes Produkt übergehen können, daher die Bezeichnung von der Wiege zur Wiege. Unser Autor Bertram Weiß wollte wissen, warum daraus noch keine Massenbewegung geworden ist. Auch die Idee von Tobias Nolte klingt erst einmal nach einem Nischenangebot: Der Designer scannt Schrott und setzt ihn zu eigenwilligen Kunstwerken neu zusammen. Doch Mine the Scrap hat weit mehr Potenzial: Die Software könnte zum Beispiel aus Bauschrott neue Gebäuden designen – oder die Stadtplanung revolutionieren („Die Kirschbaum-Ökonomie“, S. 44 /„Kann das weg? Nein!“, S. 50).

Das Bild zeigt einen Mann, der an einem Schreibtisch in einem Büro sitzt und an einem Computer mit einem großen Monitor arbeitet, auf dem eine Grafik angezeigt wird. Im Hintergrund sind weitere Personen zu sehen, was auf eine kollaborative Arbeitsumgebung hindeutet. Das Bild wird als für Menschen mit Behinderungen zugänglich beschrieben und ist ein Screenshot einer Website, die den Richtlinien der EAA (European Association of Advertising Agencies) entspricht.

Foto: Debora Mittelsteadt

Zu wichtig

Die Welt ist im Umbruch, und es kann gar nicht genug Ideen geben, um aus ihr eine bessere zu machen. Doch viele Ideen landen auf dem Müll – oder in der Datenbank von Tim Pohlmann. Auf IPlytics sammelt er, was Unternehmen nicht brauchen wollen oder können – ein Schatz, der schleunigst gehoben werden sollte. Doch „so, wie wir mit Ressourcen und Stoffen umgehen, gehen wir erst recht mit Ideen und den geistigen Artefakten von früher um“, schreibt Wolf Lotter. Dabei ließe sich daraus „mit etwas Verstand und Zuwendung“ viel machen. Allerdings muss man zuvor, wie beim Müll, sortieren: Was ist Abfall, was Rohstoff für Neues? Eine Frage, die sich der Kommunist Lucas Zeise sein Leben lang stellte: Er wollte den Kapitalismus verstehen, um ihn abzuschaffen – und hat bei den Besten aus der Finanzbranche gelernt („Ein ungehobener Schatz“, S. 108 / „Gib mir den Rest“, S. 36 / „Der Kapitalversteher“, S. 60).

Das Bild zeigt einen Mann, der einen Mikrowellenherd in einem großen Haufen ausrangierter Geräte trägt, wahrscheinlich in einer Recycling- oder Entsorgungsanlage. Die Szene befindet sich vor einem Hintergrund aus Bäumen und Stromleitungen, was auf einen Standort im Freien hindeutet. Der Mann scheint sich in dem unübersichtlichen Gelände zurechtzufinden, möglicherweise auf der Suche nach einem bestimmten Gerät oder bei der Vorbereitung seines Transports. Das Bild enthält keinen erkennbaren Text, und die relativen Positionen der Objekte lassen auf eine typische Anordnung von ausrangierten Gegenständen in einem Recycling- oder Entsorgungsbereich schließen.

Foto: Noriko Hayashi

Zu lästig

Wer wissen will, für welche Reste sich kaum noch jemand interessiert, könnte Walter Schreiner besuchen oder Jeongja Han bei ihrer Arbeit begleiten. Schreiner ist bei der Deutschen Bahn zuständig für Liegengebliebenes, dessen Besitzer sich auch nach vier Wochen noch nicht gemeldet hat. Han räumt in Japan die Wohnungen von Verstorbenen aus. Und beide sorgen dafür, dass das nur scheinbar Überflüssige neue Besitzer findet. Bei all den Bildern, Texten, Videos, die für das Internet produziert werden und in seinen Weiten verloren gehen, ist das schon schwieriger: Für sie interessiert sich wirklich keiner mehr („Der Herr des Vergessens“, S. 82 / „Das Geschäft mit den letzten Dingen“, S. 88 /„Der superlange Long Tail“, S. 104).

Ein Mann in einem dunklen Anzug steht vor einer roten Backsteinmauer und lehnt sich mit den Händen in den Taschen dagegen. Er steht auf einem roten Teppich, und das Bild ist aus einem niedrigen Winkel aufgenommen, wodurch seine Statur und die Wand hinter ihm betont werden.
Foto: Anne Morgenstern

Zugabe

Es klingt nach einer komfortablen Situation: Sie erben Milliarden und wollen etwas Gutes mit dem Geld bewirken. Aber so einfach ist das nicht, hat Falko Paetzold herausgefunden, und bietet deshalb Weiterbildungskurse für Superreiche an. Er hat die Harvard University als Partner gewonnen und auch bereits Teilnehmer für seinen Kurs. Wie er das geschafft hat? „Ich kann mit Ablehnung umgehen!“ Was den einstigen DDR-Flüchtling sonst noch für den selbst geschaffenen Job prädestiniert? Lesen Sie selbst („Der Milliardärsflüsterer“, S. 124).

Viel Spaß mit der neuen Ausgabe
Gabriele Fischer