Neue Geschäftsideen

Wie findet und bindet man die richtigen Mitarbeiter? Hier einige Lösungen von innovativen Start-ups.





In zwölf Wochen zum Coder

Was ist das Problem?
Die IT-Branche sucht händeringend Nachwuchs.
Die schwedische Firma Academy will den Bedarf mit geeigneten Quereinsteigern decken.

Wie sieht die Lösung aus?
In einem zwölfwöchigen Intensivkurs bildet das Unternehmen aus Stockholm Menschen ohne Vorkenntnisse zu Programmierern aus. Solche sogenannten Coding-Bootcamps gibt es bereits seit einigen Jahren in den USA, nun setzt sich die Lernform auch in Europa durch. Wer die Ausbildung mit Erfolg abschließt, bekommt einen mit mindestens 42.000 Euro brutto dotierten, unbefristeten Arbeitsvertrag beim Personalvermittler Academic Work, dem Mutterkonzern.

Dieser verleiht die Absolventen als Zeitarbeiter an meist kleine und mittelständische Firmen oder auch größere IT-Beratungen. „Die Kunden übernehmen die Absolventen teilweise sofort oder aber spätestens nach zwölf Monaten“, sagt Philipp Leipold, Deutschland-Chef von Academy. Der Kurs ist für die Teilnehmer kostenlos, Academy lebt von der Weitervermittlung der ITler.

Wie weit ist das Geschäft gediehen?
Der ehemalige IT-Berater Micael Holmström gründete Academy mit heute 21 Mitarbeitern im Jahr 2015 in Schweden, finanziert wurde die Firma vom Mutterkonzern. 2017 expandierte man nach Finnland, dieses Jahr ging es nach Deutschland, demnächst ist Norwegen an der Reihe. Für den ersten Kurs hierzulande, der vor Kurzem in München begann, bewarben sich mehr als 800 Interessenten, 15 wurden nach einem aufwendigen Auswahlprozess akzeptiert. „Unter den Teilnehmern haben wir einen hohen Akademikeranteil von 80 Prozent“, sagt Leipold. Diese seien meist unzufrieden mit ihrer aktuellen Tätigkeit, hätten aber nicht die Zeit oder Mittel für eine mehrjährige Ausbildung. Zudem will die Firma Frauen für die Softwareentwicklung interessieren. In dem Kurs, der im Oktober beginnt, beträgt der Frauenanteil 47 Prozent, in der IT-Branche insgesamt liegt er bei 28 Prozent. Ein ähnliches Programm bietet die Firma Ironhack, die ihr Geschäft 2013 in Spanien aufnahm, nach Frankreich und in die USA expandierte und nun auch einen Standort in Berlin hat.

Marktplatz zum Wissensaustausch

Was ist das Problem?
Für forschungsaufwendige Projekte fehlt es Unternehmen häufig an Zeit, Mitteln und Fachleuten. Der Software-Spezialist Christian Acosta-Flamma schuf daher einen Marktplatz namens Telanto, auf dem Wissenschaftler und Unternehmen zusammenkommen.

Wie sieht die Lösung aus?
Die Firma mit Sitz in Barcelona will grenzüberschreitenden Wissensaustausch zwischen Industrie und Wissenschaft ermöglichen. Über die Plattform haben Unternehmen die Möglichkeit, wissenschaftlichen Teams Forschungsprojekte anzubieten. Umgekehrt können Hochschulen anbieten, bei der Lösung praktischer Probleme mitzuhelfen. Konkret entwickeln beispielsweise studentische Kleingruppen im Auftrag eines Mittelständlers eine Digitalstrategie für den osteuropäischen Markt. Die erfolgversprechendsten Lösungen dürfen die jungen Talente dann selbst in der Firma umsetzen. „Auf diese Weise können Unternehmen ihre aktuellen Herausforderungen in die Universitäten hineintragen, und die Studierenden erwerben das nötige Fachwissen für die Praxis“, sagt Christian Acosta-Flamma. Außerdem ist diese Art der Zusammenarbeit eine gute Gelegenheit für Unternehmen, potenzielle Mitarbeiter kennenzulernen. „Im Schnitt werden mehr als 75 Prozent der Studenten, die an einem Projekt mitgearbeitet haben, von dem Unternehmen übernommen“, sagt Acosta-Flamma. Das könne ein Praktikum, ein Teilzeit-Job oder aber auch eine Festanstellung sein. Telanto lebt von den Gebühren, die Hochschulen und Unternehmen zahlen müssen, um auf die Plattform zugreifen zu können.

Wie weit ist das Geschäft gediehen?
Seit der Gründung von Telanto Ende 2015 ist ein internationales Netz aus mehr als 500 Hochulen und 1000 Unternehmen entstanden. Dazu zählen auch Großkonzerne wie Adidas, Hewlett Packard und SAP. Nach Auskunft von Christian Acosta-Flamma kamen bislang rund 4000 Projekte zustande.

Einblick in eine andere Branche

Was ist das Problem?
Langeweile im Beruf ist einer der Gründe, warum hoch qualifizierte Angestellte das Handtuch werfen. Wer gute Leute langfristig halten möchte, der muss ihnen Abwechslung und neue Erfahrungen auch außerhalb des eigenen Hauses bieten. Zu dieser Erkenntnis kam Fabian Annich als Organisationsentwickler bei der Deutschen Lufthansa. Aus diesem Grund hat er die Firma Talentz zum Austausch von Mitarbeitern gegründet.

Wie sieht die Lösung aus?
Ein Unternehmen schreibt ein Projekt zur externen Bearbeitung aus. Eine Firma aus einer anderen Branche entsendet einen geeigneten und experimentierfreudigen festangestellten Mitarbeiter für einige Monate dorthin. In dieser Zeit übernimmt der neue Arbeitgeber das Gehalt des Arbeitnehmers. „Studien belegen, dass branchenübergreifender Austausch Innovationen fördert“, sagt Fabian Annich. Der Arbeitnehmer profitiere durch neue berufliche Erfahrungen, das aufnehmende Unternehmen spare im Vergleich zu einem externen Berater bis zu 60 Prozent der Kosten. Talentz sucht nach geeigneten Partnerschaften und kümmertsich um die Verträge zur Arbeitnehmerüberlassung. Für den Service zahlen beide Unternehmen, das aufnehmende einmalig eine Gebühr von 3750 Euro, das abgebende monatlich 20 Prozent des Bruttolohns.

Wie weit ist das Geschäft gediehen?
Fabian Annich hat seine Firma im Januar in Frankfurt am Main gegründet, beschäftigt mittlerweile drei Angestellte und ist nach eigenen Angaben im Gespräch mit mehreren interessierten Firmen. Dazu zählten die Deutsche Lufthansa, American Express und der Ventilhersteller Samson. Ziel ist es, eine Plattform zu entwickeln, auf der Unternehmen Projekte ausschreiben und Tauschwillige ein Inserat aufgeben können.

Inkognito auf Jobsuche

Was ist das Problem?
Wer sich als Angestellter nach einer neuen Stelle umschaut, muss damit rechnen, dass Kollegen oder Vorgesetzte das nicht so gut finden. Kaarel Holm jedenfalls fand die Kündigung auf seinem Schreibtisch, nachdem sein Vorgesetzter spitzbekommen hatte, dass er seine Marktchancen bei anderen Firmen im kleinen Estland prüfte. Aus dieser Erfahrung entstand die Idee für MeetFrank, eine neue Form der Stellensuche.

Wie sieht die Lösung aus?
Mithilfe der App können Berufserfahrene einen neuen Job finden, ohne ein Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnisse oder ein Foto anhängen zu müssen. „Der Bewerber begibt sich anonym in ein sicheres Umfeld. Das nimmt ihm die Angst, vom Vorgesetzten bei der Jobsuche ertappt zu werden“, sagt Kaarel Holm. Außerdem verhindere das anonyme Verfahren Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Alter oder Herkunft. Während Arbeitssuchende lediglich ihren Vornamen, Angaben zur Berufserfahrung, zur gewünschten Branche, dem Arbeitsplatz, Einsatzort und Gehalt angeben, müssen die Unternehmen gleich mit offenen Karten spielen. In ihrem Inserat sind nicht nur die gewünschten Kenntnisse des Bewerbers anzugeben, sondern auch das gebotene Gehalt. Für die Zuordnung von Angebot und Nachfrage sorgt ein Chatbot: Er schlägt Kandidaten geeignete Angebote vor. Ist der Jobsuchende näher interessiert, kann er eine persönliche Unterhaltung mit Ansprechpartnern der jeweiligen Firma im Chat beginnen. Für Privatpersonen ist die App gratis, Firmen zahlen eine Gebühr.

Wie weit ist das Geschäft gediehen?
Kaarel Holm hat MeetFrank im August 2017 in der estnischen Hauptstadt Tallin gegründet, mittlerweile zählt seine App rund 140.000 Nutzer und 2000 Firmen aus dem Baltikum, Finnland, Schweden und seit Juli auch aus Deutschland. Zu den etwa 200 deutschen Unternehmen zählen Daimler, Mytaxi, Delivery Hero und Eon. „In der Woche haben wir etwa 1500 positive Matches“, sagt Holm. Ein solcher Treffer liege vor, sobald ein Unternehmen und ein Jobsuchender das erste Mal miteinander Kontakt aufnehmen. An dem Start-up haben sich die Investoren Hummingbird Ventures, Karma Ventures und Change Ventures in Höhe von etwa einer Million Euro beteiligt. ---