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Schweppes

Markenpflege ist meist allein die Sache des Unternehmens. Im Fall Schweppes hat ein Privatmann sich der Aufgabe angenommen. Ein Hausbesuch.





• Hans-Jürgen Krackher serviert in seiner Potsdamer Altbauwohnung selbst gemachte Apfel-Ingwer-Limonade. Limo von Schweppes ist nicht sein Ding – aber die Marke hat es ihm angetan. So sehr, dass der 67-Jährige ein Museum bei sich eingerichtet hat. Zu den Exponaten zählen die ersten Flaschen, in die Jacob Schweppe (1740–1821) Sodawasser abfüllen ließ. Sie haben einen nach außen gewölbten Boden, um dem Kohlensäuredruck standzuhalten, und heißen ihrer Form wegen Egg Bottles. Ein Exemplar aus Steingut ist Krackhers ganzer Stolz; weltweit soll es nur fünf Stück geben. Bislang hat er „eine sechsstellige Summe“ in seine „Wunderkammer“ investiert. „Dr. h.c. Schweppes“, wie er sich selbst gern nennt, betreibt zudem die Website spiritschweppes.com sowie zwei Profilseiten auf Pinterest.

Seine Mission begann 2014. Damals wurde der lange für die Getränkeindustrie tätige Werber von der zur Krombacher Brauerei gehörenden Schweppes GmbH beauftragt, die Geschichte der Marke zu recherchieren. Die Siegerländer besitzen hierzulande die Rechte. Ein Grund für den Auftrag: Ein frecher Konkurrent war auf den Plan getreten. Im Jahr 2010 hatte eine Berliner Firma die nach dem britischen Apotheker Thomas Henry (1734–1816) benannte Softdrink-Marke – mit scheinbar langer Tradition – lanciert. Vor allem das Tonic Water der Newcomer wurde dank der ebenfalls auf fantastischen Storys beruhenden Gin-Welle zum Erfolg, obwohl es teurer ist als das von Schweppes, den Erfindern dieses Getränks.

Krackher recherchierte also – und war fasziniert von Jacob Schweppe. Er lieferte seine Arbeit beim Auftraggeber ab, den er unter anderem über den Vornamen des Entrepreneurs aufklärte: Dieser war auch von der Firma jahrelang fälschlicherweise Johann Jacob Schweppe genannt worden. Mit Krackhers Bericht endete die Zusammenarbeit zu dessen Leidwesen. Er wäre allzu gern offizieller Markenbotschafter geworden. Schweppes müsse, so sein Credo, viel stärker mit seiner einzigartigen Story werben. Und brauche einen Ort, wo diese Geschichte anhand originaler Stücke erlebt werden könne. So ging er die Sache als Einzelkämpfer an.

Über sein Thema erzählt er unermüdlich. Jacob Schweppe, geboren im nordhessischen Witzenhausen, machte in den 1770er-Jahren in Genf Karriere als Juwelier und interessierte sich für technische Neuerungen. Eine ermöglichte es, Wasser mit Kohlensäure zu versetzen und so haltbar zu machen. Sauberes Trinkwasser war rar, weshalb viele Leute raue Mengen Alkohol als keimfreie Alternative schluckten. Schweppe erkannte das Potenzial von Sodawasser, entwickelte mit Partnern ein industrielles Herstellungsverfahren und stieg im Jahr 1783 in London im großen Stil in die Produktion ein – die Marke Schweppes war geboren. Das Transportproblem löste er mit den eiförmigen Flaschen.

Der Durchbruch gelang der Firma 1851, als sie die Besucher der Londoner Weltausstellung exklusiv versorgen durfte. Schweppes Sodawasser verbreitete sich im gesamten britischen Empire. Im Jahr 1870 führte man das chininhaltige Tonic Water ein, das in den Kolonien der Malariaprophylaxe dienen sollte. So wurde Schweppes zur ersten globalen Softdrink-Marke – beziehungszweise „zur Mutter von Coca-Cola“ (Krackher).

Später ging Schweppes durch etliche Hände und gehört heute verschiedenen Konzernen, in vielen Ländern ist dies die Coca-Cola Company. Eigentümer von Schweppes Europa ist der japanische Konzern Suntory, der Lizenzen an einige Getränkehersteller vergeben hat. Nicht ideal für die Pflege einer Weltmarke. Aber eben auch eine Chance für den ehrenamtlichen Markenbotschafter Krackher.

Stören dessen eigenmächtige Aktivitäten die Krombacher Brauerei? „Überhaupt nicht“, sagt Franz-Josef Weihrauch, Sprecher der Firma. An eine Zusammenarbeit werde aber „aktuell nicht gedacht“. Krackher setzt seine Hoffnungen mittlerweile auf den japanischen Konzern Suntory, den er zu einer Roadshow anlässlich des 250. Geburtstags der Marke im Jahr 2033 überreden will. An seinen Stücken führe dabei kein Weg vorbei, denn: „Ich habe die bedeutendste Sammlung.“ ---