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Zahnmedizin

Zahnwurzelbehandlungen scheitern häufig an unzureichender Desinfektion. Forscher aus Freiburg wollen das Problem mit einem Plasmastrahl lösen.





• In Deutschland werden jährlich rund fünf Millionen Wurzelkanalbehandlungen durchgeführt. Die Erfolgsquote liegt bei 67 Prozent. Etwa ein Drittel der Behandlungen schlägt fehl. Im schlimmsten Fall droht der Zahnverlust.

Der Grund ist eine oft unzureichende Desinfektion der Kanäle. Diese werden aufgebohrt, gespült und mit einer chemischen Flüssigkeit desinfiziert. Aufgrund der Oberflächenspannung von Flüssigkeiten dringen diese jedoch nicht in die feinsten, nur ein bis zwei Mikrometer breiten Verästelungen vor.

Die Lösung könnte ein Plasma sein, ein Teilchengemisch, das durch Gas und elektrische Spannung entsteht. Loïc Ledernez forscht seit vielen Jahren am Institut für Mikrosystemtechnik (Imtek) der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg nach Anwendungen der Plasmaphysik. Dabei traf er auf Markus Altenburger, Oberarzt an der Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie des Universitätsklinikums Freiburg. Der erzählte ihm vom Übel mit der Wurzel.

Plasma zum Reinigen von Zahnoberflächen gab es bereits. Das Imtek ist spezialisiert auf Mikrotechnologie. So entwarf Ledernez 2012 seinen ersten Plasmajet mit einer 0,3 Millimeter kleinen Mikrodüse, die bis in den Zahn hinein geführt werden kann. An ihrer Spitze leuchtet ein blaues Licht. Davor dringt, unsichtbar, der Plasmanebel bis in kleinste Verzweigungen des Wurzelkanals vor und zerstört Bakterien.

Drei Jahre lang experimentierte das Team um Ledernez, welches Gas und welche Spannung die besten Ergebnisse bringt und wie die Komponenten auf kleinstem Raum am besten anzuordnen sind. Zurzeit nutzen sie ein Gasgemisch auf Heliumbasis, das ein sogenanntes kaltes Plasma bildet, sich also auf maximal 43 Grad Celsius erwärmt. Das Team könnte sein Transient Spark genanntes Verfahren aber auch mit Umgebungsluft herstellen. Das wäre wichtig für zukünftige Einsatzfelder wie etwa die Parodontitis-Behandlung.

Im Winter wollen die Forscher mit der klinischen Prüfung beginnen. Der Markteintritt ist für Anfang 2020 geplant. ---

Transient Spark Disinfection

Loïc Ledernez, Michael Bergmann, Samuel Liebs, Markus Altenburger
Unterstützt vom Gründerbüro der Albert- Ludwigs-Universität Freiburg
Exist-gefördert mit bisher rund 1 333 000 Euro

Kontakt: liebs@ambijet.com