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Mikroökonomie

Ein Callcenter- Agent in der Dominikanischen Republik

Miguel Arturo Deleon, 18, zog mit seinem Vater in die USA, als er sieben Jahre alt war. Vor einem Jahr kehrte er zurück in die Dominikanische Republik, weil er an einer guten Universität studieren wollte. Das hätte er sich in den USA nicht leisten können. Er arbeitet in Santo Domingo für ein US-dominikanisches Unternehmen, das Einzelhändlern Kreditkarten-Transaktionen anbietet. Am Telefon beantwortet er die Fragen kanadischer Kunden zu deren Zahlungsströmen.

Read this article in English: A Call-centre worker in the Dominican Republic





Verdienst, Grundkosten, Altersvorsorge

Miguel Arturo Deleon verdient im Monat umgerechnet 393 Euro. Er zahlt 41 Euro Einkommensteuer. 11,50 Euro gehen für die Rentenversicherung, 13 Euro für die Krankenversicherung ab. Deleon wohnt mit einer seiner vier Schwestern in der Mietwohnung der Mutter und gibt für den gemeinsamen Internetanschluss im Monat 44 Euro aus. Sein Studium kostet ihn 45 Euro, das Auto 23,50 Euro. Ihm bleiben also 215 Euro für seine sonstigen Ausgaben.

Was bedeutet Ihnen Arbeit?

Zeit gegen Geld einzutauschen. Man muss arbeiten, um erfolgreich zu sein. Ich arbeite, seit ich 16 Jahre alt bin, denn ich habe ein Ziel in meinem Leben.

Welches?

Ich träume davon, meine eigene Firma zu haben, denn hier ist es sehr schwer, einen guten Job zu bekommen, wenn man keine Beziehungen hat. Ich möchte medizinisches Equipment verkaufen, so wie mein Vater. Dafür spare ich Geld. Ich studiere am privaten Instituto Tecnológico Betriebswirtschaft. Dort lerne ich, wie man ein Unternehmen führt. Im nächsten Jahr möchte ich zusammen mit einem Freund ein kleines Restaurant eröffnen. Dann muss ich nicht mehr im Callcenter arbeiten. In der Dominikanischen Republik sind Restaurants sehr beliebt, jeder geht gern essen.

Welche sind Ihre größten Probleme, und wie gehen Sie damit um?

Mein Studium und mein Auto. Ich gehe von 7 bis 15 Uhr zur Uni, arbeite von 16 bis 23 Uhr, komme müde nach Hause und muss dann noch Hausaufgaben machen. Jeden Tag, fünfmal die Woche. Das Studium ist sehr teuer. Zudem muss ich für mein Auto ständig Reparaturen bezahlen, weil die Leute hier bei Rot über die Ampel fahren und Unfälle verursachen. Aber ohne Auto in Santo Domingo, das geht nicht.

Was tun Sie, wenn Sie sich etwas Besonderes gönnen wollen?

Dann spiele ich Basketball oder gehe mit Freunden ins Restaurant, wir essen Burger und unterhalten uns. Oder wir gehen in Clubs zum Tanzen und Spaß haben.


Grafik: Carte Blanche Design Studio

Warum gibt es neuerdings so viele Callcenter in Santo Domingo?

In der Dominikanischen Republik sind die Löhne niedrig, der Mindestlohn beträgt 145 Euro im Monat. Zwar zahlen die Callcenter ihren Agenten mehr als doppelt so viel, für die Firmen ist das aber immer noch billig. Und englischsprachige Angestellte für die hauptsächlich im Ausland sitzenden Kunden findet man in vielen jungen USA-Rückkehrern. ---

Dominikanische Republik

Einwohner: 10,7 Millionen

Währung: Dominikanischer Peso (DOP, 1 Euro = 57 DOP)

BIP pro Kopf: 6775 Euro

Human Development Index (2016): Platz 96 (Deutschland Platz 4 von 188)

Aktuelle Durchschnittskosten

5 Bananen: 0,41 Euro

1 Dose Coca-Cola: 0,41 Euro

1 Stadtfahrt mit dem Sammeltaxi: 0,49 Euro

1 Dose Bier: 1,64 Euro

1 Kilo Hühnerfilet: 2,52 Euro

1 Kilo Rinderfilet: 3,25 Euro