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Newsletter zur 09/2018



brand eins Chefredakteurin Gabriele Fischer stellt einmal im Monat das neue Heft vor und schreibt über die Gedanken, die die Redaktion zum jeweiligen Schwerpunkt bewogen haben. Wenn Sie den Leser-Newsletter gerne empfangen möchten, melden Sie sich bitte hier an:

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Titelbild: Heji Shin

wie wir morgen arbeiten war immer schon ein Kernthema von brand eins. Zurzeit scheint sich allerdings alles um die Frage zu drehen, wie wir heute die Arbeit geschafft bekommen. Ob Ladengeschäft, Arztpraxis oder Restaurant, ob Start-up, Mittelständler oder Konzern oder: Alle suchen Personal. Und viele fragen sich, wie das mit all jenen Studien zusammenpasst, die Angst vor grassierender Arbeitslosigkeit durch Automatisierung schüren.
Ein leer gefegter Arbeitsmarkt, immer anspruchsvollere Bewerber und über allem die Vision lernender Maschinen, die uns immer weniger Arbeit übrig lassen – das ist eine Gemengelage, die es zu entwirren lohnt. 
Wir laden Sie ein zu einer Reise, nach der Sie mit neuen Augen in den Himmel schauen.

Foto: Michael Hudler

Was Bewerber wollen

Sie ist noch gar nicht richtig am Start und hat schon ihr Etikett weg: Die sogenannte Generation Z, so heißt es, will gar nicht arbeiten. Sophie Burfeind wollte es genauer wissen und setzte sich mit Schülern zusammen, die in einem Schulprojekt ein Bild ihrer Generation zu zeichnen versuchten. Sie traf auf Menschen, die tatsächlich andere Vorstellungen vom Arbeiten haben – aber ist es so falsch, auf einen Sinn zu hoffen, sich Zeit für die Familie zu wünschen und nicht den frühen Burnout als Karriereziel zu sehen? Den Sinn jedenfalls hat auch Inga Klasing ihr Berufsleben lang gesucht, dafür allerdings keine Anstrengung gescheut: Sie wechselte von der Entwicklungshilfe in die Unternehmensberatung, weiter zu einem Start-up, von dort in einen Konzern, um sich dann mit einer eigenen Idee selbstständig zu machen. Der Designer Ji Lee lässt es ruhiger angehen – und rockt dennoch die sozialen Medien und die Werbebranche. Er steht für eine neue Klasse von Angestellten, die ihren Chefs einiges abverlangen („Erst das Vergnügen“, S. 48 / „Immer weiter“, S. 118 / „Der freie Angestellte“, S. 58).  

Titelbild: Michael Hudler

Was Unternehmen bieten

Arbeitgeber wie SAP haben sich längst auf die wachsenden Ansprüche junger Leute eingestellt, aber die Flexibilität, die Bewerber von seinem Unternehmen erwarten, irritiert den Deutschlandchef Daniel Holz bisweilen schon. Dabei ist SAP noch in der glücklichen Lage, als Arbeitgeber bekannt und gefragt zu sein – ein Start-up wie TheAppGuys hat es da schon schwerer. Und wer will schon zu einer Firma, die Müll wegräumt und Straßen fegt? Doch die Bewerberliste bei der Berliner Stadtreinigung ist lang, und auch die AppGuys haben ihr Personalproblem gelöst, beide mit wegweisenden Ideen („Solange Alexa meine Witze nicht versteht“, S. 64 / „Unter Jungen“, S. 86 / „Ich bin Müllwerker, wer ist mehr?“, S. 74).

Titelbild: Roderick Aichinger

Womit zu rechnen ist

Bewerber, sagt SAP-Deutschlandchef Holz, erwarteten heute vom Unternehmen so viel Flexibilität wie das Unternehmen von ihnen. Ins übliche Arbeitszeitkorsett passt das nur selten. Allein schon die gesetzliche Vorschrift, mindestens elf Stunden zwischen Arbeitsende und -beginn zu pausieren, ist in einer globalisierten und vernetzten Welt kaum einzuhalten. Aber nicht nur das Arbeitsrecht macht Personalarbeit schwer – die Verantwortlichen, sagt der IT-Fachmann Philipp Ramin, müssen auch „Räume schaffen zum Experimentieren mit neuen Ideen oder für E-Learning-Plattformen“. Morris Hebecker hat das gemacht, damit fast sein Unternehmen gesprengt und viel gelernt („Auseinandergelebt“, S. 108 / „Personaler werden gebraucht“, S. 112 / „Gescheitertes Experiment“, S. 82).  

Foto: Willing-Holtz

Was nicht vergessen werden sollte


Auch wenn sich vieles verändert, eines wird bleiben: Die richtigen Leute suchen den richtigen Chef – der aber sollte aufhören, sich als solcher zu benehmen. Wie das gehen kann, weiß Albert Schmitt, Leiter der Bremer Kammerphilharmonie, die dieses Kunststück seit Jahrzehnten übt. Aber auch Thomas J. Dettling könnte einiges dazu sagen. Er nennt sich Digital Transformation Manager, sucht für Siemens nach den richtigen Leuten – und findet sie oft genug im Haus: „Entscheidend ist“, sagt er, „dass man Menschen erwachsen sein lässt“ („Perfektion reicht nicht“, S. 100 / „Personalfragen“, S. 42).  

Fotografie: Kai Müller
Fotografie: Kai Müller

Was Maschinen können

Dass es sich gar nicht mehr lohnt, neue Führungstechniken zu erlernen, weil der Roboter sowieso bald der beste Mitarbeiter ist? Darauf sollte kein Chef hoffen. Zwar werden Maschinen weiterhin viele Jobs übernehmen, vor allem in Büros. Aber, so die einhellige Meinung dreier Experten: Es bleibt genug zu tun, zumindest, wenn wir endlich anfangen, Kreativität zu stärken, statt mit dem Rechner bei monotonen Arbeiten zu konkurrieren („Es wird genügend anspruchsvolle Tätigkeiten geben“, S. 96 / „Was bleibt für den Menschen zu tun?“, S. 106 / „Theoretisch wäre es denkbar, auch Regelbrüche zu programmieren“, S. 124).