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Geschwister

Eine Architektin, ein Jurist, ein Softwareunternehmer, ein Werber: Geschwister, die etwas mehr miteinander zu tun haben als andere.





• Sie sind die Menschen, mit denen wir unsere längste Beziehung haben. Die Eltern sind irgendwann nicht mehr da, und die Lebens- und Ehepartner lernt man in der Regel nicht in der Kindheit kennen. Geschwister aber sind von Anfang an Teil des eigenen Lebens. Und mit etwas Glück – wenn keine Familienfehden, Erbschaftsstreits, Todesfälle oder einfach Desinteresse dazwischenkommen –, begleiten sie uns durch die Jahrzehnte.

Die Architektin Eva Sweeney, geborene Zünkeler, der Werber Ulrich Zünkeler, der Jurist Bernhard Zünkeler und der Softwareunternehmer Martin Zünkeler sind mehr als nur miteinander verwandt. Sie teilen ihre Liebe zur Kunst, Entscheidungen über die berufliche Zukunft, und sie arbeiten zusammen.

Eva Sweeney, geborene Zünkeler, 48,

lebt in Los Angeles und betreibt mit ihrem Mann und mit ihrem Bruder Bernhard das spendenfinanzierte ArtLab Esmoa, das Künstler fördert, Bildung für Kinder und Erwachsene anbietet und große Ausstellungen organisiert, zum Beispiel gemeinsam mit dem Getty Research Institute.

Ulrich Zünkeler, 50,

gründete nach 16 Jahren in großen Werbeagenturen zunächst mit zwei Freunden die Kommunikationsagentur Orange Council, die heute Kommunikation und Kunst miteinander verbindet. Ein Beispiel: Im Telekom-Hauptquartier in Bonn haben Künstler nicht nur alle Büros mit ihren Werken bestückt, sondern auch neue Raumlösungen entwickelt.

Martin Zünkeler, 52,

war Jurist und Werber und ist heute Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von Kairos, ein auf Softwareentwicklung für die medizinische Forschung spezialisiertes Unternehmen.

Bernhard Zünkeler, 53,

gründete nach Jahren als Wirtschaftsjurist bei einer Bank ein unabhängiges ArtLab, um Künstler zu fördern, und ist heute geschäftsführender Gesellschafter bei Orange Council.

Die vier Geschwister haben die Fragen zu ihrer Beziehung getrennt voneinander beantwortet. Die Antworten der anderen sehen sie erst bei der Lektüre dieser Ausgabe.

Auf einer Skala von 1 (kaum) bis 10 (sehr eng): Wie eng ist Ihre Verbindung zu Ihren Geschwistern?

Eva Sweeney, geborene Zünkeler: In meiner Kindheit war ich sehr eng mit Uli verbunden, meine Oma nannte uns das Ehepaarchen. Während meines Studiums war mein Bruder Martin mein engster Verbündeter. Seitdem ich in den USA lebe, ist Bernhard am engsten mit mir befreundet. Die momentane Skala wäre: Bernhard: 10, Martin: 9, Uli: 8.

Ulrich Zünkeler: 10 – zu allen.

Martin Zünkeler: Eine harte 10. Für Dritte und manchmal auch für Ehepartner vielleicht zu eng. Es fällt mir schwer, eine Rangordnung abzugeben. Ich telefoniere fast täglich mit meinem Bruder Bernhard, wöchentlich mit meiner Schwester und monatlich mit meinem Bruder Ulrich.

Bernhard Zünkeler: Sehr eng, seit meiner Kindheit: 9. Uli ist mir in seinem Charakter am ähnlichsten. Allerdings hat er eine Art, Dinge zu betrachten, die mir immer ein Rätsel bleiben wird. Er sieht Dinge, die ich nie sehen würde. Am engsten ist das Verhältnis zu meiner kleinen Schwester. Auf gewisse Weise hält sie uns alle zusammen. Am Anfang wahrscheinlich, weil sie bei uns älteren Brüdern Beschützerinstinkte weckte. In den vergangenen Jahren verhält es sich fast umgekehrt, sie ist der stabile Anker. Martin und ich tauschen uns über alles aus, vielleicht gerade, weil sich unsere Einschätzungen mitunter extrem unterscheiden. Das Verhältnis ist eng geblieben, auch wenn sich unsere Rollen immer wieder geändert haben. Augenblicklich würde ich sagen: Eva: 9,9, Martin: 9, Uli: 8. Als Mutter von drei Kindern hat meine Schwester einfach die weiteste Perspektive, sie ist der beste Kommunikator von uns, bei uns Brüdern wechselt das ständig.

Um was konkurrieren Sie mit Ihren Geschwistern? Um was konkurrieren Ihre Geschwister mit Ihnen?

Eva Sweeney: Ich habe als kleine Schwester immer um die Anerkennung meiner Brüder gekämpft. Ich glaube, heute ist es umgekehrt. Meine Brüder wollen meine Anerkennung.

Ulrich Zünkeler: Bei vieren im Nest war es wohl Aufmerksamkeit. Heute ist es vielleicht die beste Pointe.

Martin Zünkeler: Ganz ehrlich? Das kann ich nicht beantworten. Ich weiß nicht, warum ich mich mit Uli häufiger gestritten habe als mit Bernhard. Und wenn, dann war der Grund eher belanglos. Essmanieren, Aussprache, Verhalten anderen gegenüber, Kleinigkeiten. Wir sind eigentlich nie gegeneinander angetreten.

Bernhard Zünkeler: Ich habe nie eine Konkurrenz zu meinen Geschwistern gespürt, jedenfalls nicht im Sinne von „ich will besser sein“. Ich war immer stolz, wenn meine Geschwister Erfolge hatten. Ich glaube nicht an Konkurrenz. Das bedeutet nicht, dass bei uns nicht auch die Fetzen fliegen, wir können uns gewaltig anschreien. Aber am nächsten Morgen beginnt ein neuer Tag, und der Streit ist erledigt.

Von welchem Ihrer Geschwister haben Sie am meisten gelernt? Und was?

Eva Sweeney: Meine Brüder waren immer an meiner Seite, sie haben mich beschützt, beobachtet und mir die Welt erklärt. Bernhard hat mir das Laufen beigebracht. Martin hat mir mit viel Geduld das Fahrradfahren beigebracht. Uli hat mich vor dem verhassten Schwimmunterricht gerettet und mir dann das Schwimmen beigebracht. Natürlich hatten alle drei den größten Spaß daran, mir mit sieben Jahren zu erklären, wo die Babys herkommen.

Ulrich Zünkeler: Nie kapiert habe ich, wie mein Bruder Bernhard mit dem Ball umgehen kann. Ganz genau sagen kann ich, was ich von allen noch lernen müsste: mehr Disziplin.

Martin Zünkeler: Klar, von Bernhard: Zuversicht, Geduld (oder zumindest das, was ich aufbringen kann), moralische Grundwerte, Kommunikation, Durchhaltevermögen, Entschlossenheit. Von Eva: Ausgleich, Freude teilen, Gelassenheit, Selbstlosigkeit (großes Wort). Von Ulrich: Wettbewerb, Zielstrebigkeit.

Bernhard Zünkeler: Von meinen Geschwistern habe ich gelernt, dass es eine Dimension von Verhalten und Gefühlen gibt, die durch keine gesellschaftlichen, moralischen oder persönlichen Differenzen im Kern erschüttert werden kann. Keine Ahnung, wie man das nennt – vielleicht Geschwisterliebe.

Welche Rolle spielten Ihre Geschwister bei Entscheidungen über berufliche Veränderungen?

Eva Sweeney: Nach dem Abitur bin ich als Au-pair für ein Jahr in die USA gegangen, weil ich nicht wusste, was ich machen sollte. Als ich danach immer noch nicht wusste, was ich studieren sollte, schlug Bernhard mir Architektur vor. Sein Argument: Du hast immer Kunst und Mathe geliebt. Mit Bernhards und Ulis Hilfe habe ich mich für ein Fulbright-Stipendium beworben. Ich war in Panik, die Deadline nahte, es fehlten noch viele Formulare und Essays. Bernhard hat mir die Fragen gestellt, Uli hat alles aufgeschrieben und formuliert.

Ulrich Zünkeler: Bei meinem Weg in die Werbung spielten sie keine große Rolle. Bei der Entscheidung, die Vorteile einer leitenden Funktion in einer der besten deutschen Agenturen mit den Nachteilen der Selbstständigkeit nüchtern abzuwägen und schließlich in der Agentur zu kündigen, war es wohl Bernhard.

Martin Zünkeler: Bernhard und ich haben Jura studiert. Ulrich hat mir geraten, in der Werbebranche zu starten, in der er schon war. Wir wären beinahe Arbeitskollegen in Hamburg geworden. Ulrich hat mir klar gesagt, dass ich kein Jurist sei, sondern eine sonnige Sales-Person, die sympathisch verkaufen könne. Genau das, was in einer Agentur benötigt wird.

Bernhard Zünkeler: Gravierend war für mich die Entscheidung, als Rechtsanwalt aufzuhören und mich der Kunst zu widmen. Auch wenn ich meinem Vater zuliebe Jura studiert und mich in European Law zur Promotion gequält hatte, war das nie meine Leidenschaft. Das wussten meine Geschwister und haben mir den Rücken gestärkt, als ich vor gut zwölf Jahren den Wechsel ins Unbekannte als Kurator eines ArtLab vollzogen habe.


„Ein Leben mit Geschwistern ist einfach eine andere Form, durch sein Leben zu gehen.“

Wären Sie ohne Ihre Geschwister heute beruflich da, wo Sie sind?

Eva Sweeney: Mit Sicherheit nicht. Mein Fulbright-Stipendium hätte ich nie ohne meine Brüder bekommen. Ich wäre nicht in die USA gegangen, hätte kein eigenes Architekturbüro eröffnet, hätte nicht meinen Ehemann kennengelernt und nicht Esmoa gegründet.

Ulrich Zünkeler: Was wir heute im Orange Council machen, wäre ohne die Experimentierfreudigkeit von Bernhard nicht möglich. Ohne die Zuversicht von Martin und Eva auch nicht.

Martin Zünkeler: Ganz sicher nicht. Meine Schwester hat mir zweimal Geld für den Aufbau meiner beiden Firmen geliehen. Die erste Firma habe ich Ende 2007 verkauft und ihr das Geld zurückgezahlt, ohne Zinsen. Bei der zweiten Firmengründung hat meine Schwester zusammen mit ihrem Ehemann Brian Geld investiert. Werblich hat mich Uli bei beiden Firmen beraten. Für meine jetzige Firma habe ich Bernhard als ständigen strategischen Berater.

Bernhard Zünkeler: Sicher nicht. Ohne meine Geschwister hätte ich vermutlich etwas ganz Eigenständiges verfolgt und nicht so etwas wie dieses komplexe Familienunternehmen. Wir machen zwar jeder etwas anderes, aber vieles ist sehr stark auf die anderen bezogen.

Wer ist der oder die Geschäftstüchtigste?

Eva Sweeney: Martin und ich sind die Pragmatischsten von uns vieren. Und Martin hat wohl das beste Händchen für „money making“.

Ulrich Zünkeler: Mein Bruder Martin verkauft einem Eskimo Eiswürfel, wenn es sein muss.

Martin Zünkeler: Ich würde nicht sagen, dass ich der Geschäftstüchtigste bin. Ich fürchte, dass ich am empfänglichsten bin für Konsum und materielle Dinge.

Bernhard Zünkeler: Ich glaube, dass Eva und Martin sehr geschäftstüchtig sind. Beide haben einen guten Sinn für die Realität und den notwendigen Pragmatismus. Und beide wissen, wann etwas wirtschaftlich keinen Sinn ergibt. Martin hat einen sehr guten Instinkt, wenn es darum geht, einen Bedarf zu erahnen und diesen mit einem gesunden Verständnis für Finanzen zu bedienen. Meine Schwester Eva konnte immer ihre Fähigkeiten als Architektin mit der Nähe zu Menschen verbinden. Selbst der Rockmusiker Edge von U2 und seine Frau konnten ihr bei einem Grundstücksdeal nicht widerstehen. Ich glaube, Uli und ich neigen eher zum Romantizismus mit einem Schuss ins Schräge. Das kann inspirierend und unterhaltsam sein, aber wirtschaftlich neigt man da manchmal zum Selbstbetrug.

Wer ist der oder die Kreativste?

Eva Sweeney: Bernhard und Uli.

Ulrich Zünkeler: Das weiß wohl nur der liebe Gott. Immerhin habe ich schon im zarten Alter von zwei Jahren entdeckt, wie man mit dem Hinterkopf ein Loch in die Wand schlägt.

Martin Zünkeler: Schwer zu beantworten. Im Sinne von ohne Limit: Bernhard. Innerhalb festgelegter Grenzen: Uli. Bei Geschäftsprozessen: Eva und ich.

Bernhard Zünkeler: Ich glaube, jeder von uns ist auf seine Art kreativ. Ich bin wahrscheinlich nur der Radikalste oder Verträumteste.

Wären Sie ohne Ihre Geschwister ein anderer Mensch?

Eva Sweeney: Mit Sicherheit, und ich glaube, ein schlechterer.

Ulrich Zünkeler: Sicher.

Martin Zünkeler: Ganz sicher. Mir würde wahrscheinlich die Rückkopplung fehlen und letztlich der Halt.

Bernhard Zünkeler: Ja.

Ist es eine gute Idee, mit den eigenen Geschwistern eine Firma zu gründen?

Eva Sweeney: Mir macht es Spaß, mit meinen Brüdern zusammenzuarbeiten. Allerdings ist die Voraussetzung, dass man sich als Partner auf Augenhöhe begegnet. Ich könnte nie die Angestellte von einem meiner Brüder sein.

Ulrich Zünkeler: Die Risiken liegen in der Verletzbarkeit. Menschen, die ich nicht liebe, können mich nicht verletzen.

Martin Zünkeler: Ohne wenn und aber: ja. Allerdings gelten bei Geld leider andere Regeln. In einer Familie kennt man die Stärken und Schwächen der anderen. Geschwister können leider auch verletzend sein.

Bernhard Zünkeler: Für mich: ja. Ich glaube, der Schlüssel liegt darin, ehrlich miteinander zu sein. Wir hatten ja in der Vergangenheit nicht nur erfolgreiche Projekte zusammen, manches ist gründlich schiefgegangen. Dann muss man Farbe bekennen, aufräumen und neu anfangen. Zwanghaft alles unter eine Glocke zu bringen würde bei uns nicht funktionieren. Natürlich kann man sich auch auf die Nerven gehen, aber man bekommt immer ein echtes und schonungsloses Feedback. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als mit meinen Geschwistern zusammenzuarbeiten.

Sind Ihre Geschwister für Sie Ratgeber, Inspiration, soziale Kontrolle, Schutz? Können Sie diese Reihe mit eigenen Worten ergänzen?

Eva Sweeney: All das. Ich kann noch hinzufügen: beste Freunde, Freude am Leben, Emanzipation, Tutoren, Eroberer und Erkunder.

Ulrich Zünkeler: Vorbilder, engste Verbündete.

Bernhard Zünkeler: Alles stimmt. Es geht um das Gefühl, jemanden zu haben, der einen verortet. Ein Leben mit Geschwistern ist einfach eine andere Form, durch sein Leben zu gehen. Jeder Moment kann geteilt werden.

Haben Sie sich ab und zu über berufliche Entscheidungen Ihrer Geschwister gewundert oder geärgert?

Martin Zünkeler: Als Uli seinen letzten Arbeitgeber verlassen hat. Da hätte er mehr für sich kämpfen können. Bei Bernhard waren einige unternehmerische Aktionen aus rein kaufmännischer Sicht Himmelfahrtkommandos. Da wollte er zu viel. Er hat sich viel zu viel zugemutet, und so sind einige sehr interessante Projekte irgendwie auch gescheitert. Aber sie dienten ihm dann als Grundlage für die neue Firma. Vielleicht hat sich Bernhard auch in der Vergangenheit manchmal zu schnell für die falschen Geschäftspartner entschieden.

Der unangenehmste Konflikt mit einem oder mehreren Ihrer Geschwister in den vergangenen zehn Jahren?

Eva Sweeney: Der schwerste Konflikt war die Erkrankung und der Tod unseres Vaters. Er hat unter Alzheimer gelitten. Wir Kinder mussten ihn zwingen, seine Rechtsanwaltskanzlei aufzugeben. Manche von uns hätten mehr helfen müssen, inklusive mir selbst.

Ulrich Zünkeler: Wir können Konflikte ausräumen. Wir können verzeihen. Wir können vergessen. Der unangenehmste Konflikt? In den letzten … Wie lange? Ich weiß es nicht mehr. Scharmützel kommen in einem Rudel schon mal vor.

Martin Zünkeler: Eva: keiner. Ulrich: Einstellung zur Normalität. Bernhard: vorzeitiger Rückruf eines Darlehens. Ich wollte selbst ein Haus kaufen und habe alle Mittel zusammengezogen, auch ein kleines Darlehen, das ich Bernhard gegeben hatte. Das war unnötig.

Bernhard Zünkeler: Ein schwieriges Thema. Unser Vater hat im Krieg Entsetzliches erlebt, unter anderem den Tod seines kleinen Bruders. Als kriegstraumatisiertes Kind hat er immer nur funktionieren müssen. Er hatte einen Hang zur Melancholie. Manchmal bricht das auch bei unserer Generation aus, das muss man dann konsequent bekämpfen.

Welche Rolle spielt für Sie und Ihre Geschwister bildende Kunst, beruflich und privat?

Eva Sweeney: Meine Eltern haben uns immer in Museen und alte Kirchen geschleppt. Kunst ist mehr als nur eine Dekoration an der Wand. Mein Bruder Bernhard ist wohl der stärkste Verfechter der These: „Art is a state of mind“.

Ulrich Zünkeler: Für mich liegt in der Kunst die gesamte Ambivalenz des Lebens. Kommt also direkt hinter Gott, unserer Mutter und Fußball.

Martin Zünkeler: Schon als wir Grundschulkinder waren, sind unsere Eltern an den Wochenenden mit uns in Museen oder Kirchen gegangen. Ich war in romanischen Kirchen oder dem Wallraf-Richartz-Museum in Köln, bevor ich das erste Mal den Kölner Zoo gesehen habe. Ohne Kunst hätten wir nie die eigene Kreativität entfalten können. Ich glaube, ich wäre dann immer noch Fachanwalt für Steuerrecht.

Bernhard Zünkeler: Für mich ist Kunst einfach eine Art zu denken. Meine Eltern haben uns bereits im Kindergartenalter auf die Documenta und in romanische Kirchen mitgeschleppt. Wir haben gemeinsam mit unserer Mutter schon Türen und Möbel bemalt, als so etwas im Freundeskreis noch als antiautoritäre Erziehung galt.


Im WM-Sommer 1974 im Bochumer Stadtpark: Bernhard, Martin, Ulrich und Eva (von links)

Und wer von Ihnen versteht am meisten von Kunst?

Eva Sweeney: Bernhard hat wohl die meiste Ahnung von Kunstgeschichte.

Ulrich Zünkeler: Verstehen ist schwer zu messen. Die größte Leidenschaft für Kunst haben wahrscheinlich Eva und Bernhard.

Martin Zünkeler: Allgemein und in der Ausführung: Bernhard. Architektur: Eva. Und Werbung: Uli.

Bernhard Zünkeler: Kunstgeschichte hat mich wahrscheinlich immer am meisten interessiert. Vielleicht auch, weil ich mit Franz-Josef van der Grinten einen begnadeten Inspirator als Kunstlehrer hatte. Die Gebrüder van der Grinten hatten nach dem Zweiten Weltkrieg Joseph Beuys auf ihrem Bauernhof aufgenommen. Mein Kunstlehrer hat mir schon früh die Idee der Sozialplastik nähergebracht. Insofern war ich vielleicht etwas privilegierter als meine Geschwister.

Befürchten Sie, dass es irgendwann Streit ums Geld oder die Erbschaft geben könnte?

Eva Sweeney: Nein. Zum Glück haben unsere Eltern all ihr Vermögen in das Aufwachsen von uns Kindern investiert. Mein Motto ist: Wer Geld hat, hilft den anderen drei Geschwistern aus.

Ulrich Zünkeler: Erbschaft? Sie scherzen.

Martin Zünkeler: Nein. Ich bin davon überzeugt, dass wir das ohne Streit untereinander regeln könnten.

Bernhard Zünkeler: Ich glaube, wir sind da ziemlich immun.

Eine Kindheitserinnerung?

Eva Sweeney: Jeden Samstag erlaubte unsere Mutter, dass wir uns beim Einkaufen etwas Süßes aussuchen. Meine Brüder hatten ihre Schokoriegel oder ihre Kaubonbons meistens schon im Auto aufgegessen. Nicht ich. Ich habe so lange gespart, bis die drei bettelnd zu mir kamen und für jedes Spielchen zu haben waren. Natürlich nur so lange, wie mein süßer Vorrat reichte.

Ulrich Zünkeler: Uuuuuli, wach auf. Bringst du mich zu Mama und Papa ins Bett?

Martin Zünkeler: Immer was los.

Bernhard Zünkeler: Für ein Weihnachtsfest hatte meine Mutter aus Satin einen Morgenmantel für meinen Vater genäht. Weil noch Stoff übrig blieb, schneiderte sie für uns Jungs daraus an die 20 Unterhosen. Einziger Nachteil: Die Hosen bekamen Gummieinzüge, auch an den Beinen. Wir sahen aus wie in Pampers gewickelt. Uli gab darin eine Supervorstellung.

Was wünschen Sie sich von Ihren Geschwistern für die Zukunft, beruflich und privat?

Eva Sweeney: Viele gemeinsame Urlaube mit unseren Familien.

Ulrich Zünkeler: Weiter viel Geduld mit mir.

Martin Zünkeler: Stärkere Achtsamkeit auf ihre Gesundheit, nicht uneigennützig – so habe ich länger was von ihnen. Eva: mehr Geduld mit sich selbst. Ulrich: mehr leben im Hier und Jetzt, sonst bekommt man keine Kinder. Bernhard: nicht zu altruistisch sein.

Bernhard Zünkeler: Ich hoffe, dass wir mit unseren jährlichen gemeinsamen Urlauben den Familiensinn auf unsere Kinder übertragen können. So vergnüglich und beharrlich, wie es unsere Oma durch fröhliches Zusammenleben mit ihren vier Geschwistern auf uns übertragen hat. ---

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Dieser Artikel stammt aus dem brand eins Magazin zum Schwerpunkt Nähe und Distanz.

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