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Geldspeicher im Niemandsland

Warum zeigen, was man hat? Reichtum lässt sich auch verstecken. Etwa in Lagerhäusern in Luxemburg, Singapur und Genf – ganz anonym als Transitware am Flughafen.




Luxemburg

Wohin mit dem Picasso? Zum Beispiel in eine Kammer im Le Freeport in Luxemburg. 2014 wurde das Lagerhaus am Flughafen eröffnet, es mutet an wie ein Museum. Vor allem Kunstsammler gehören zu den Kunden.

Fotografie: Germano Borrelli

Damit die Werte unbeschädigt bleiben, werden Temperatur und Luftfeuchtigkeit kontrolliert. 300 Überwachungskameras sichern den Speicher. Falls es brennt, wird nicht mit Wasser gelöscht, stattdessen entzieht eine Anlage der Raumluft den Sauerstoff, um das Feuer zu ersticken. Ebenso interessant dürfte für die Mieter sein, dass das Lagerhaus im internationalen Bereich des Flughafens liegt. Dinge, die dort aufbewahrt werden, sind quasi im Transit. Bei Verkäufen wird daher keine Mehrwertsteuer fällig, und auch der Zoll nimmt keine Gebühren. Einer der Eigentümer ist der Kunsthändler Yves Bouvier. Gegen ihn ermittelt gerade die Staatsanwaltschaft Genf. Ein russischer Kunde fühlt sich von ihm bei einem Kunstkauf betrogen. Bouvier streitet das ab.

Singapur

Am internationalen Flughafen lagern in Kammern Gold, Gemälde, teure Weine und Schmuck. Es gibt auch Räume, in denen man für Privatgeschäfte Kunst ausstellen kann. Zu den Kunden gehören Auktionshäuser, Galerien, Banken und wohlhabende Sammler. Die Lagerkosten hängen von der Größe der Kammern ab. Niemand weiß, welche Werte in den Kammern aufbewahrt werden. Diskretion gehört zum Geschäft. Darin ähneln die Luxus-Lagerhäuser den Offshore-Finanzplätzen: Sie bieten Sicherheit und Diskretion, es werden nicht zu viele Fragen gestellt.

Genf

In der Schweiz gibt es derartige Speicher in Chiasso, Zürich und Genf. Die Lagerfläche in Genf hat die Ausmaße von rund 22 Fußballfeldern, wie der »Economist« berichtet. Laut der »New York Times« sollen dort 1000 Gemälde von Pablo Picasso aufbewahrt sein. Auch für Bankkunden, die nicht versteuertes Vermögen besitzen, könnten die Speicher praktisch sein. Im Zuge des Automatischen Informationsaustauschs (AIA) über Bankguthaben, zu dem sich rund 100 Länder weltweit verpflichtet haben, droht das Schwarzgeld entdeckt zu werden. Sicherer ist es daher, das Vermögen in Kunst oder Gold anzulegen und ineinem Lagerhaus aufzubewahren. Diese sind nicht vom AIA erfasst. Schon im Jahr 2010 schrieb die Financial Action Task Force, ein internationaler Zusammenschluss von Ermittlungsbehörden, dass die Lagerhäuser „eine einzigartige Bedrohung“ darstellten und zur Geldwäsche und Terrorismus-Finanzierung missbraucht werden können.

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