Prototyp – Idee sucht Geld

Jura für alle!

Ein Start-up will Laien durch das Dickicht von Vertragswerken führen. Den Anstoß gab der Vater der Gründerin.





Lilian Breidenbach war das Thema Jura gewissenmaßen in die Wiege gelegt. Ihr Vater, Stephan Breidenbach, ist Professor für Bürgerliches Recht, Zivilprozessrecht und Internationales Wirtschaftsrecht an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder. Doch die Tochter zog es nach dem Abitur erst einmal nach Portland, Oregon, wo sie Informatik und Anthropologie studierte. Danach arbeitete sie in diversen Start-ups in Deutschland, wollte aber eigentlich lieber etwas Eigenes machen.

Eines Abends kam sie zusammen mit ihrem Vater auf die Idee: „Er beschäftigt sich seit 30 Jahren mit der Frage, wie man juristische Prozesse visuell abbilden kann“, sagt Lilian Breidenbach. „Dahinter stehen feste Regeln. Und alles, was Regeln folgt, kann man auch automatisieren.“

So entstand das Konzept eines Jura-Baukastens. Nutzer sollen sich Verträge individuell zusammenstellen können. Dabei nimmt sie ein Bot mit Namen Dirk an die Hand. „Wir haben mehr als 600 verschiedene Knotenpunkte mit verschiedenen Entscheidungen“, sagt Breidenbach. „Aber keine Angst, der Nutzer muss sie nicht alle ausfüllen. Das meiste macht ein Algorithmus im Hintergrund.“ So soll ein Vertrag in wenigen Minuten fertig sein.

Legal OS soll der Service heißen. Der Name erinnert nicht zufällig an ein Betriebssystem. Und so macht Breidenbach auch nicht beim Erstellen von Verträgen halt. Viel wichtiger seien Analyse und Management: Welche Verträge stehen an? Welche laufen aus? Welche Gesetze wurden geändert? Wo besteht Handlungsbedarf? Der Nutzer soll über dieses per E-Mail informiert werden. „Eine Firma kann mehr als 1000 Verträge haben. Irgendwann blickt keiner mehr durch. Da wollen wir helfen“, sagt Breidenbach. „Meine Zielgruppe sind junge Unternehmen, die keine Zeit oder Lust haben, sich durch das Juristendeutsch zu quälen.“

Spätestens im Mai soll der Vertragsservice online gehen, zu Beginn kostenlos. Im Herbst folgt dann das Management-Tool. „Von da an erheben wir eine monatliche Gebühr.“ Erst einmal will sich Breidenbach genügend Vertrauen erarbeiten. „Schließlich sind Verträge wie die Blaupause einer Firma. Man sieht genau, was in einem Unternehmen passiert.“ ---

Legal OS

Gründer: Lilian Breidenbach, Charlotte Kufus, Jacob Jones
Mit Unterstützung der Technischen Universität Berlin
Kontakt: liliancbreidenbach@gmail.com