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Feinstes Handwerk

Der Schreiner Josef Fitz ließ den Trend an sich vorbeiziehen – um dann ein sehr lukratives Geschäft zu entdecken.




Um ein Betthaupt, das Kopfteils eines Bettes also, zu polstern, muss ein Mitarbeiter von Fitz Interior schon mal 56 Ziegenhäute zu einem Panel falten. Dafür braucht er zwischen zwei und drei Stunden. „Und es kann sein, dass die ersten Versuche allesamt nicht so funktionieren, wie sich die Innenarchitekten den Faltenwurf ausgedacht haben“, sagt Josef Fitz. „Die einzelnen Teile sollen nämlich perfekt zusammenpassen und gleichzeitig sehr individuell aussehen.“

Das Polstern ist eine von vielen komplexen Aufgaben, die der Chef tagtäglich verteilt. Seine Kunden sind die anspruchsvollsten, die man sich vorstellen kann: Mit 50 festen Mitarbeitern am Stammsitz in Mertingen und je nach Auftragslage 30 bis 40 Monteuren baut das Unternehmen Luxusjachten aus. Wie eine Schreinerei im bayerischen Mertingen, Hunderte Kilometer von der nächsten Küste entfernt, dazu kam, erzählt der 57-Jährige gern. Und holt dafür aus, denn der Weg zum heutigen Erfolg war weit.

Gegründet hatte die Schreinerei im Jahr 1956 sein Vater, ganz traditionell als Allrounder. Der fertigte von Fenstern, Stühlen und Türen bis zur kompletten Wohnzimmereinrichtung alles. Erschöpft sei der Senior irgendwann gewesen und deswegen als Lehrer an eine Berufsschule gegangen, erinnert sich Josef Fitz – der deshalb schon als 17-Jähriger, noch während seiner Ausbildung, Verantwortung in der Bau- und Möbelschreinerei übernehmen musste. „Für unseren Betrieb war das im Nachhinein ein Vorteil“, sagt er heute. Denn Ende der Siebzigerjahre entschieden sich viele Tischlereien, ganz auf den Bau von Fenstern zu setzen. „Der Bedarf war gigantisch, alle haben gutes Geld verdient. Mein Vater hätte das wohl auch gemacht.“

Für die Spezialisierung hätte man viel Geld in Maschinen investieren müssen, um „immer schneller und günstiger auf Masse produzieren zu können“. Der Junior entschied sich dagegen. „Wir hatten das Geld nicht, wir hatten die Hallen nicht. Und vor allem fand ich diese Arbeit auch nicht interessant.“

Stattdessen setzte er auf hochwertigen Möbelbau, was sich als gute Idee herausstellte, denn die Preise für Fenster fielen im harten Wettbewerb. Von 20 Schreinereien in einem Umkreis von 20 Kilometern haben nur ganz wenige überlebt. Auch deshalb, weil immer mehr Heimwerkermärkte entstanden. Und weil viele Schreiner ihre eigene Fertigung aufgaben und stattdessen beim Holzhandel Fertigteile wie Decken, Böden oder Türen für ihre Kunden kauften.

Fitz aber fand seine Nische, in der er als „guter Handwerker“ bestehen konnte. Über seine Kontakte zu Innenarchitekten kam er Ende der Achtzigerjahre zum ersten kleineren Auftrag für die Innenausstattung einer Jacht. Der Emir von Katar ließ damals zwei 90-Meter-Luxusboote für seine beiden Söhne bauen. „Als wir zum ersten Mal auf der Werft in Holland standen, wusste ich nicht mal, wo Steuerbord und wo Backbord waren.“

Die Jachtbauer nahmen Fitz und seine Leute erst einmal nicht für voll. Nach den ersten Arbeiten sprach sich die Qualität der Bayern aber herum, wenig später wurde ihnen der Ausbau der ersten Eignerkabine angeboten – ein Ritterschlag. Der Durchbruch gelang mit dem Auftrag, für die „Pelorus“ die Kapitänssuite, das Steuerhaus, das Kino und die Gästesuiten auszubauen – die Megajacht war unter anderem im Besitz des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch und des US-amerikanischen Musik- und Filmproduzenten David Geffen.

Josef Fitz ging nach den ersten Erfolgen mit sehr viel Selbstvertrauen an die nächsten Aufträge. „Wir haben gemerkt, dass die anderen nicht mehr können als wir. Bei vielen sah das Ganze aus wie ein Dachausbau, mit Latten und Brettern, die vor Ort in das Schiff eingebaut wurden.“ Er spezialisierte sich weiter und investierte nun in die entsprechende Technik. Das Unternehmen entwickelte zum Beispiel ein eigenes Verfahren, indem es am Computer erstellte Konstruktionspläne per Laserschnitt auf Hartfaserplatten übertrug und diese direkt in die jeweilige Jacht einbaute. Hinzu kam eine ebenfalls per Laser geschnittene Unterkonstruktion für Decken, Wände, Möbel und Einhängesysteme, die die Arbeit viel leichter, schneller und passgenauer machte. „Zuerst dachten alle, dass das Quatsch ist – und dann haben sie uns kopiert“, sagt Fitz.

Die Schreinerei wuchs organisch. Mal kam hier eine Halle dazu, mal dort ein Büro oder ein Lager. „Wir haben immer geschaut, dass wir eine Einheit bleiben“, sagt der Chef – trotz der Verlockungen, schneller groß zu werden, um noch mehr Aufträge zu übernehmen. „Wir könnten 100 Leute einstellen, wenn ich mir die Anfragen anschaue.“ Aber es sei extrem schwierig, sehr gute Leute zu finden, für die der Beruf eine Berufung ist. Fitz selbst lackiert gern ein Möbel, wenn es seine Zeit zulässt, oder er steht an der Maschine, um den eigenen Bezug zum Handwerk zu erhalten.
 
So groß werden wie die Konkurrenz, die teilweise 400, 500 Mitarbeiter beschäftigt, möchte er nicht. „Wir können mit unserem vergleichsweise kleinen Team viel höhere Qualität erzeugen.“ Auch deswegen, weil das Unternehmen sämtliche Schreinerarbeiten selbst übernimmt und nicht – wie manche Wettbewerber – bis zu 70 Prozent der Produkte zukauft.

In Zukunft möchte er deshalb erst einmal nur um weitere 15 Leute wachsen, was auch schon nicht so einfach ist, weil die Fachkräfte fehlen. Die Baubranche boomt unterdessen weiter, insbesondere im Luxussegment. „Der alte Spruch stimmt wieder“, sagt Fitz: „Handwerk hat goldenen Boden.“ --