Dr. Beckmann

Ein hessischer Mittelständler hat mit dem Fleckenteufel den Weltmarkt erobert. Sein Geschäft betreibt er geschickt im Windschatten der Konzerne.





• Bei der Firma Delta Pronatura mit Hauptsitz in Egelsbach nahe Frankfurt am Main steht ein Generationswechsel an: Am Jahresende wird der 34-jährige Nils Beckmann in die Fußstapfen seines 70-jährigen Vaters Heiner treten, der das Unternehmen derzeit noch mit seinem Cousin Gerhard Krauss führt. Anlass für den Senior, zurückzublicken. Er erzählt stolz, dass die Firma drei Millionen D-Mark Umsatz machte, als er 1974 kam – heute sind es 165 Millionen Euro.

„Und in sieben Jahren wollen wir den Umsatz noch einmal verdoppeln“, sekundiert Nils Beckmann. In den vergangenen sieben Jahren ist das bereits gelungen. Gerade wurden zehn Millionen Euro in ein neues Hochregallager in Egelsbach investiert. Von dort werden die Produkte in alle Welt geliefert.

Entscheidend für den Aufstieg war der Fleckenteufel, den der Senior bis heute in 80 Ländern an die Kernzielgruppe „Frauen mit Kindern“ brachte, nach dem Motto: „Flecken gibt es überall.“

Weil die Art des Schmutzes sich allerdings ebenso wie die Putzgewohnheiten in verschiedenen Weltgegenden unterscheidet, werden die Produkte an die entsprechenden Gegebenheiten angepasst. So ist in China zum Beispiel ein Sojasoßen-Fleckenkiller im Sortiment und in den USA ein Mittel mit einer Formel gegen Ketchup.

„Für die großen Konzerne ist dieses Geschäft zu kompliziert und zu kleinteilig“, sagt Heiner Beckmann. Zupass kam ihm 1984 die neue Höchstmengenverordnung für Phosphat in Waschmitteln zum Gewässerschutz. Waschpulver mit weniger Weißmacher bescherte dem Fleckenteufel fortan viel Arbeit. Es gibt ihn hierzulande mittlerweile in acht Varianten: von „Obst & Getränke“ über „Rost & Deo“ bis „Stifte & Tinte“. Nur gegen einen übermächtigen Gegner kommt er nicht an: den Edding-Stift.

Heiner Beckmann erkannte das internationale Potenzial von Nischenprodukten und baute das Geschäft mit ihnen unter der Marke Dr. Beckmann immer weiter aus. Hauptumsatzbringer sind mittlerweile Farb- und Schmutzfänger, die in der Waschmaschine dafür sorgen, dass Buntes nicht abfärbt.

Im hauseigenen Labor wird eifrig an Innovationen gearbeitet, bald kommt ein Kochfeldreiniger auf den Markt, der statt mit Nanopartikeln mit zerkleinerten Aprikosenkernen arbeitet. „So ökologisch wie möglich – aber die Leistung muss stimmen“, sagt der Senior. Für Kunden, die es grüner mögen, wird demnächst eine Öko-Marke lanciert, die nach Dr. Theo Krauß, dem Sohn des Firmengründers, benannt wird.

Der Junior arbeitet derweil mithilfe einer Agentur an einer einheitlichen Corporate Identity für Dr. Beckmann, am Ausbau des E-Commerce – und an der Bekanntheit der Firma. Bislang hielten sich die Chefs mit öffentlichen Auftritten zurück. Nils Beckmann agiert auch deshalb anders, weil „es im Wettbewerb um Fachkräfte nicht schaden kann, wenn uns mehr Leute kennen“. ---

Gerhard Krauß, Großvater der heutigen Inhaber, übernimmt 1934 in Berlin eine Apotheke, die Hautcreme produziert. Zu Beginn der Berlin-Blockade im Jahr 1948 zieht die Firma nach Hessen um, wo sie sich nach mehreren Standortwechseln in Egelsbach niederlässt. Mit der Übernahme des ursprünglich in Offenbach hergestellten Fleckenteufels beginnt 1971 das Geschäft mit Reinigungsmitteln, das ab 1984 unter der Dachmarke Dr. Beckmann betrieben wird. 1982 gelingt dem Unternehmen die Übernahme der Marken-Ikone Bullrich Salz, bekannt unter anderem wegen origineller Werbung wie dieser aus den Zwanzigerjahren: „So nötig wie die Braut zur Trauung ist Bullrich Salz für die Verdauung.“ Zum Sortiment der Familienfirma zählen auch der Lippenpflegestift Blistex, Bi-Oil sowie die Zahncreme Blanx. Heiner Beckmann ist als langjähriges Vorstandsmitglied des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel gut in der Branche verdrahtet und hat ein Händchen für Kooperationen. So arbeitet man hierzulande beim Vertrieb mit dem Seifenhersteller Sebapharma (Sebamed) zusammen.

Delta Pronatura Dr. Krauss & Dr. Beckmann KG

Mitarbeiter: 350
Umsatz 2017: rund 165 Mio. Euro
Exportanteil: etwa 60 Prozent