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Der Sinn eines Unternehmens

Gewerkschaftsunternehmen wie die Neue Heimat sollten einst den Kapitalismus zähmen. Warum sie in Deutschland scheiterten, erklärt der Historiker Peter Kramper.





• Es war dieser eine Satz, der das ganze Ausmaß des Skandals offenbarte. Albert Vietor, der Vorstandsvorsitzende des gewerkschaftseigenen Wohnungsbaukonzerns Neue Heimat, hatte im Februar 1982 in einem Interview mit der »Bild« seine finanziellen Verhältnisse dargelegt: Auf jährliche Einkünfte von 1,6 Millionen D-Mark zahlte er lediglich 100 000 D-Mark Steuern – dank großzügiger Immobilien-Abschreibungen. Und dann folgte der Satz, der einen Sturm öffentlicher Entrüstung entfachte: „Ich sage ehrlich: Gäbe es einen Weg, die auch noch legal einzusparen – ich würde es versuchen.“

Wenige Tage zuvor war an die Öffentlichkeit gedrungen, dass sich Vietor und einige seiner Vorstandskollegen durch Insider- und Strohmanngeschäfte jahrelang auf Kosten des Unternehmens bereichert hatten. In der Folge geriet das gesamte damalige gewerkschaftliche Firmen-Konglomerat – neben der Neue Heimat (NH) auch der Handelskonzern Co op, die Volksfürsorge-Versicherung und die Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) – in Schieflage. Versteckte Schulden in Milliardenhöhe und windige Kreditgeschäfte kamen ans Tageslicht. In immer schnellerer Taktfolge berichteten die Medien über abenteuerliche Bilanzfälschungen, Misswirtschaft und kriminelle Raffgier von Topmanagern.

„Niemals, meine Damen und Herren“, höhnte der damalige Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff (FDP) „ist der Volksmund so eindrücklich bestätigt worden wie in der Steigerungsformel: Eigennutz, Gemeinnutz, Nichtsnutz.“ Keiner der vier gewerkschaftlichen Konzerne überlebte die Achtzigerjahre in seiner ursprünglichen Form. NH, Co op, Volksfürsorge und BfG wurden zerschlagen und verkauft. Vom ehemaligen gewerkschaftseigenen Firmenimperium sind nur klägliche Reste geblieben – unter anderem der Bund-Verlag, der Dienstleister Weitblick Personalpartner, die DGB-Reisen, die Vermögens- und Treuhandgesellschaft des DGB und die BGAG, die nach den letzten Immobilienverkäufen vor rund zehn Jahren nicht mehr nennenswert öffentlich in Erscheinung getreten ist.

Der Bielefelder Historiker Peter Kramper hat die Geschichte der Gemeinwirtschaft und die mit ihr verbundene Mission analysiert. Sein Befund: Die Gewerkschaftsunternehmen sind nicht durch die Misswirtschaft Einzelner zugrunde gegangen, sondern durch schwerwiegende unternehmerische Fehlentscheidungen in den Siebzigerjahren.

brand eins: Herr Kramper, es gab ja ein wirtschaftliches Leitbild, auf dem diese Gewerkschaftskonzerne einst gegründet worden waren – das der Gemeinwirtschaft. Wessen Wohl sollten sie dienen?

Peter Kramper: Der Begriff der Gemeinwirtschaft entstammt nicht dem gewerkschaftlichen Kontext. Er wurde in den Zwanzigerjahren von den Gewerkschaften übernommen, um Unternehmen, die bereits im Kaiserreich gegründet worden waren, unter einem gemeinsamen strategischen Überbau zu vereinen. Das waren eigentlich klassische Selbsthilfeorganisationen, vor allem Konsum- und Wohnungsbaugenossenschaften. Es handelte sich dabei um kleine, regional ausgerichtete Unternehmen, die sich im Eigentum ihrer Kunden befanden und basisdemokratisch verwaltet wurden. In der Weimarer Zeit hofften die Gewerkschaften, dass sie mit einer Zentralisierung dieser Unternehmen die Möglichkeit bekämen, wichtige Bereiche der Wirtschaft zu sozialisieren.

Wenn Sie diese Unternehmen auf einer Skala verorten sollten – zwischen null für ungezügelten Kapitalismus und zehn für staatliche Planwirtschaft – wo stünden sie?

Sowohl im Kaiserreich als auch in der Bundesrepublik Deutschland würde ich sie auf der Mitte der Skala verorten, in der Weimarer Republik dagegen nahe an der Planwirtschaft. Der Sozialisierungsgedanke war eindeutig ein Gegenentwurf zum Privatkapitalismus. In der Bundesrepublik wiederum vollzog sich in den Sechzigerjahren ein Paradigmenwechsel. Bis dahin hatten sich die gemeinwirtschaftlichen Unternehmen vor allem am Selbsthilfegedanken orientiert. Das wurde nun umgedeutet: Von da an lautete der Auftrag, die Marktwirtschaft zu korrigieren und zu verbessern. Die Gewerkschaftsunternehmen waren sozusagen ein Zeichen dafür, dass die organisierte Arbeitnehmerbewegung den Kapitalismus auch weiterhin für korrekturbedürftig hielt.

Es fehlte der systemüberwindende Anspruch wie in den Zwanzigerjahren. Es ging also nicht mehr darum, den Kapitalismus abzuschaffen?

Genau. Die gewerkschaftseigenen Unternehmen waren Bestandteil einer politischen Utopie: Man hoffte, mithilfe starker eigener Unternehmen den Marktmechanismus aushebeln oder zumindest korrigieren zu können.

Im Nachhinein blickt man meist auf die Ursachen für das Scheitern des Gemeinwirtschaftskonzepts. Aber hatte die Idee nicht lange Zeit auch eine Daseinsberechtigung?

Nicht nur eine Daseinsberechtigung, es gab sogar eine sozialpolitische Notwendigkeit. Am besten kann man das am Beispiel der Neuen Heimat beschreiben. Als sie 1950 anfing, Wohnungen bauen zu lassen, gab es in der Bundesrepublik Deutschland eine große Wohnungsnot. Millionen Häuser waren im Krieg zerstört oder schwer beschädigt worden und noch nicht wieder bewohnbar. Außerdem mussten rund zehn Millionen Flüchtlinge versorgt werden. Es galt, alle vorhandenen Kräfte zu bündeln, um die Notlage schnell zu überwinden. Solange Millionen von Arbeiterhaushalten keine Bleibe hatten, fragte auch niemand nach einer besonderen Rechtfertigung für gewerkschaftlichen Wohnungsbau.

Inwiefern war die Neue Heimat für diese Aufgabe geeignet?

Sie war organisatorisch klar auf Größe und Expansion ausgerichtet. „Wohnungen, Wohnungen und nochmals Wohnungen“, lautete die Devise. Die Neue Heimat war damals das einzige Immobilienunternehmen, das im großen Maßstab in der gesamten Bundesrepublik tätig war. Der Konzern nutzte Skaleneffekte; seine Neubauzahlen lagen mehr als dreimal so hoch wie die des nächstgrößten Anbieters. Außerdem existierte ein soziales Milieu, auf das die Gemeinwirtschaft sich stützen konnte. Die meisten Kunden – sowohl beim Wohnungsbau als auch bei den Konsumgenossenschaften – waren Arbeiter und kleine Angestellte, also gewerkschaftsnah. Man agierte im Interesse der eigenen Mitglieder.

Was waren die Ursachen für das Scheitern der Gewerkschaftsunternehmen? Waren es die persönlichen Verfehlungen einzelner Manager? Oder wären diese Unternehmen auch ohne die Skandale untergegangen?

Sowohl die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit als auch die politische Agenda der gewerkschaftseigenen Unternehmen stand spätestens Mitte der Siebzigerjahre zur Disposition. Das lässt sich wiederum am Beispiel der Neuen Heimat illustrieren. Die besondere Marktsituation der Nachkriegszeit – Wohnungsnot und eine weitgehend homogene Nachfrage – bestand Mitte der Siebzigerjahre nicht mehr. 1974 gab es in der Bundesrepublik erstmals so viele Wohnungen wie Haushalte. Da die Rentabilität der Neuen Heimat aber entscheidend von der Neubautätigkeit abhing, geriet das politisch-organisatorische Modell des Unternehmens in Gefahr. Mit den neuen Anforderungen im Wohnungsbau, beispielsweise dem Trend zum Eigenheimbau oder den differenzierten Wünschen einzelner Kundensegmente, kam das Unternehmen überhaupt nicht zurecht. Die Neue Heimat war nicht fähig, ihre Produkte an den Kunden auszurichten, sie war im Kern ein fordistisches Massenproduktionsunternehmen. Durch die Aufarbeitung der Skandale weiß man, dass der Konzern bereits seit Mitte der Siebzigerjahre ums Überleben kämpfte und spätestens Anfang der Achtziger unaufhaltsam auf die Pleite zutrieb. Er konnte nur weiter existieren, weil die Beteiligungsgesellschaft der Gewerkschaften insgesamt mehr als eine Milliarde D-Mark zuschoss, was die Insolvenz hinauszögerte.

Wie hat das Unternehmen auf die Krise reagiert?

Es trat die Flucht nach vorn an und begab sich auf die Suche nach neuen Märkten. Vor allem der Städtebau rückte auf die Agenda. Die Neue Heimat errichtete nun Hochschulen, Krankenhäuser und Hotels und baute ganze Stadtviertel um. „Wenn Sie wollen, können Sie bei uns eine komplette Stadt bestellen“, lautete ein Slogan aus jener Zeit.

Das spiegelt den fast grenzenlosen Planungs- und Machbarkeitsoptimismus jener Zeit wider.

Das ist ganz sicher so. Ab Mitte der Sechzigerjahre nahm diese Form der utopischen Planbarkeitsvorstellung stark überhand. Es entstanden Projekte, deren Rationalität heute kaum noch verständlich ist. Das geplante Alsterzentrum in Hamburg etwa, für das fast das gesamte Stadtviertel St. Georg abgerissen und durch ein einziges riesiges Gebäude ersetzt werden sollte. Die finanziellen Risiken solcher städtebaulichen Großprojekte – an das Aachener Klinikum erinnert sich mancher noch – wurden allerdings systematisch unterschätzt. Noch gravierender waren die Folgen einer ungehemmten Expansion ins Ausland. Besonders in Frankreich und Lateinamerika hatte die Neue Heimat in Erwartung lukrativer Bauprojekte viele Grundstücke gekauft und mit Dollarkrediten finanziert. Aus den meisten Projekten wurde aber nichts. Durch mehrfache Abwertung der jeweiligen Landeswährungen gerieten die Kosten für die Kredite außer Kontrolle. Die Bank für Gemeinwirtschaft wiederum, ein anderer Gewerkschaftskonzern, vergab in den Siebziger- und Achtzigerjahren hochriskante Kredite an Entwicklungsländer und an Staaten des damaligen Ostblocks, zum Beispiel an Polen. Einen Großteil dieser Kredite musste die Bank später abschreiben; existenzbedrohende Verluste waren die Folge. Man kann klar sagen: Die gewerkschaftseigenen Konzerne sind an schweren unternehmerischen Fehlentscheidungen zugrunde gegangen.

War das primär ein Management-Problem, oder war schon die Grundkonzeption nicht tragfähig?

Eindeutig Letzteres. Die gemeinwirtschaftlichen Unternehmen mit ihrem Konzept aus den Sechzigerjahren waren unter den Marktbedingungen der Achtzigerjahre nicht mehr lebensfähig. Die Skandale waren eigentlich nur ein Symptom der Orientierungslosigkeit von Konzernleitungen, wo niemand mehr genau sagen konnte, warum diese Unternehmen eigentlich noch eine Existenzberechtigung haben sollten.

Wie hätte eine Neuausrichtung aussehen können?

Es gab innerhalb der gemeinwirtschaftlichen Unternehmen in den Siebzigerjahren eine Reihe von Leuten, die die Probleme im Wesentlichen erkannt hatten. Sie konnten sich aber nicht durchsetzen. Noch 1982 erklärte der damalige ÖTV-Vorsitzende Heinz Kluncker, dass die gemeinwirtschaftlichen Unternehmen „als Selbsthilfeunternehmen der Arbeitnehmer weiterhin unverzichtbar“ seien, und forderte, das Fehlverhalten Einzelner dürfe nicht dazu führen, die Gemeinwirtschaft generell infrage zu stellen. Das war schon damals völlig aus der Zeit gefallen. Erst seine Nachfolgerin Monika Wulf-Mathies traute sich zu sagen, sie sei „nicht der Meinung, dass Gewerkschaften ein Wirtschaftsimperium brauchen“. Eine schonungslose Diagnose hätte zu dem Resultat führen müssen, die Unternehmen radikal zu verkleinern und an die veränderten Marktbedingungen anzupassen. Das hätte allerdings dazu geführt, dass es keine klar erkennbare politische Zielsetzung mehr gegeben hätte.

Zumindest die Beschäftigten hatten es lange sehr gut. Gehälter und Sozialleistungen lagen über dem Branchendurchschnitt. War auch dies ein Grund für das Scheitern?

Es hat Reformen zumindest erschwert oder fast unmöglich gemacht. In der Neuen Heimat gab es Anfang der Siebzigerjahre eine Diskussion darüber, dass man mindestens 1000 Leute entlassen müsste. Und es wurde schnell klar, dass dies nicht geht. Im Gegenteil: Vor allem die Neue Heimat und die Bank für Gemeinwirtschaft verfolgten ganz bewusst eine Strategie zur aktiven Verteidigung ihres politisch-organisatorischen Modells.

Ist der ideelle Schaden aus dem Scheitern der Gemeinwirtschaft womöglich größer als der wirtschaftliche?

Das ist schwer zu sagen, allein weil sich der finanzielle Schaden bis heute schwer bemessen lässt. Der ideelle Schaden für die Idee der Gemeinwirtschaft oder für die Idee des Unternehmens als politisches Reformprojekt ist auf jeden Fall enorm. Die Vorstellung, dass man mit Unternehmen Sozialpolitik betreiben kann, hat damals schweren Schaden erlitten. Insbesondere die Neue Heimat trug mit ihrem Zusammenbruch ganz wesentlich zu der heute vorherrschenden Meinung bei, dass Unternehmen, die das versuchen, nicht effizient und auf Dauer nicht überlebensfähig seien und daher in einer Marktwirtschaft nichts zu suchen haben. Ich persönlich denke zwar nicht, dass dies zutrifft – gerade Genossenschaften können auch heute noch mit einem sozialpolitischen Anspruch auf dem Markt bestehen. Sicher ist aber, dass zentralisierte Großunternehmen mit einer übergeordneten politischen Ideologie kein tragfähiges Modell mehr sind. ---

Peter Kramper, 42, ist Professor für Allgemeine Geschichte an der Universität Bielefeld. In mehreren Veröffentlichungen hat er sich mit den gewerkschaftseigenen Unternehmen in Deutschland und den Gründen ihres Scheiterns befasst

Die großen Vier

Mit einem Bestand von bis zu 270 000 Wohnungen war die in den Fünfzigerjahren gegründete Neue Heimat (NH) in den Siebzigerjahren und Anfang der Achtzigerjahre der größte Wohnungs- und Städtebaukonzern der westlichen Welt. 1982 deckte der »Spiegel« auf, dass sich Vorstandsmitglieder des gewerkschaftseigenen Baukonzerns, darunter der Vorstandsvorsitzende Albert Vietor, durch Insider- und Strohmanngeschäfte persönlich auf Kosten des Unternehmens bereichert hatten. Allein Vietors Privatgeschäfte hatten der Neuen Heimat einen Verlust von rund 105 Millionen D-Mark beschert. Nach und nach kam nun auch die durch Bilanzmanipulationen bis dato verschleierte Verschuldung heraus. Die gewerkschaftliche Beteiligungsgesellschaft BGAG wollte das hoch defizitäre Unternehmen abstoßen und verkaufte 1986 die NH schließlich zum symbolischen Preis von einer D-Mark an den im Wohnungsbau völlig unbedarften Berliner Bäcker Horst Schiesser. Gut einen Monat später zwangen die Gläubigerbanken die BGAG, den Kauf rückgängig zu machen. 1987 beschloss der DGB-Bundesvorstand, die NH sowie den Großteil der anderen gewerkschaftlichen Unternehmensbeteiligungen abzustoßen. Die Wohnungen der NH wurden teils an die Bundesländer, teils an private Investoren verkauft. 1998 war die Abwicklung der NH abgeschlossen.

Die Bank für Gemeinwirtschaft (BfG) war in den Fünfzigerjahren aus einer Reihe kleinerer, von den Gewerkschaften gegründeter Arbeiter- und regionaler Gemeinwirtschaftsbanken formiert worden. Die „Bank für kleine Leute“ erwirtschaftete bis Ende der Siebzigerjahre Gewinne und galt als „Perle der Gewerkschaftsunternehmen“. Anfang der Achtzigerjahre stand sie kurz davor, die Commerzbank als drittgrößtes bundesdeutsches Finanzinstitut abzulösen. Durch riskante Kreditvergaben insbesondere an Staaten des damaligen Ostblocks geriet die Bank ab Mitte der Siebzigerjahre jedoch zunehmend in Turbulenzen. Die Krise um die NH ließ der finanziell angeschlagenen BGAG 1986 keine andere Möglichkeit als einen Verkauf der BfG an die Aachener und Münchener Beteiligungs-AG (AMB). Die Sanierung gelang zunächst nicht. Besonders die finanziellen Altlasten aus dem Kreditgeschäft mit Osteuropa führten weiterhin zu hohen Verlusten und zu Entlassungen. In der Folge wurde das Kreditinstitut noch dreimal verkauft, 1993 an die französische Crédit Lyonnais, 2000 an die schwedische Skandinaviska Enskilda Banken (SEB) und 2011 an die spanische Banco Santander.

Die Volksfürsorge geriet eigentlich erst durch den NH-Skandal ernsthaft in Schwierigkeiten. Der öffentliche Aufruhr um den Wohnungsbaukonzern erschütterte das Vertrauen der Kunden in die Gemeinwirtschaft derart, dass das Neugeschäft der Versicherung Mitte der Achtziger schrumpfte. Grundlegende Schwächen des Unternehmens, vor allem die über dem Branchendurchschnitt liegenden Personalkosten, wurden nun offensichtlich. Das zuvor profitable Unternehmen schrieb nun jährliche Verluste von 50 bis 60 Millionen D-Mark. Das 1913 als gewerkschaftlich-genossenschaftliche Aktiengesellschaft gegründete und 1947 wieder aufgebaute Versicherungsunternehmen wurde 1989 an die AMB verkauft. 2008 fusionierte die Volksfürsorge mit der Generali Versicherungsgruppe, Ende 2014 wurde der Name Volksfürsorge zugunsten der Marke Generali aufgegeben.

Die Co op AG zählte noch Ende der Achtzigerjahre mit gut 50 000 Mitarbeitern und rund 1600 Supermärkten zu den größten Unternehmen im bundesdeutschen Lebensmitteleinzelhandel. 1974 waren die – von den Gewerkschaften zuvor unabhängigen – Konsumgenossenschaften in die neu gebildete Co op AG eingegliedert worden. Die Supermarkt-Revolution der Sechzigerjahre hatte die Konsumgenossenschaften in Bedrängnis gebracht. Die Verschmelzung unter dem Dach des neu formierten Großkonzerns sollte das ändern. Dabei betrug der gewerkschaftliche Anteil an der Co op AG zu keiner Zeit mehr als 48,75 Prozent. 1987 ging das Unternehmen sogar an die Börse und schien solide. Doch dann enthüllte der »Spiegel«, dass die Erfolgsgeschichte im Wesentlichen auf Bilanzmanipulation und Vermögensverschiebungen beruhte, mit denen die Verschuldung in Höhe von rund drei Milliarden D-Mark verschleiert werden sollte. Vorstandsmitglieder hatten mittels Briefkastenfirmen die Kurse der Aktien manipuliert. Die Co op geriet in eine Liquiditätskrise, von der sie sich nicht mehr erholte. Die Gläubigerbanken gaben kein Geld mehr, ab 1990 wurden Unternehmensanteile verkauft. Der Kern der Co op mit 18 400 Beschäftigten ging an die Asko Deutsche Kaufhaus AG, die später in der Metro AG aufging. 400 Filialen mit 8600 Mitarbeitern erwarb die Rewe AG, weitere 400 Filialen gingen an verschiedene andere Käufer.