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Coca Cola: Blick in die Bilanz

Der Getränkeriese Coca-Cola verlor in den vergangenen fünf Jahren mehr als ein Viertel seines Umsatzes. Mit Absicht.





• Coca-Cola ist ein Gigant. Das Unternehmen ist nach dem Bierhersteller Anheuser-Busch der zweitgrößte Getränke- und der größte Limonadenproduzent der Welt. Mit rund 3900 Softdrinks insgesamt, von Eiskaffee über Tee und Saft bis zu Wasser, ist die Firma auf der ganzen Welt präsent. Und doch sank der Umsatz 2017 um 15,4 Prozent auf 35,4 Milliarden Dollar. In den vergangenen fünf Jahren gingen mehr als ein Viertel der Erlöse verloren. Der Konkurrent Pepsico wuchs derweil 2017 um ein Prozent, Anheuser-Busch gar um 24 Prozent.

Bei Coca-Cola litt auch die Profitabilität. Mit einem Vorsteuergewinn von 6,7 Milliarden US-Dollar lag die Umsatzrendite bei 19 Prozent. Nicht schlecht (Pepsico: 15,1; Anheuser-Busch: 19,6) – aber fast sechs Prozentpunkte unter dem Wert von vor fünf Jahren. Der Grund scheint klar: Süßes liegt nicht im Trend. Dagegen spricht: Pepsico schlägt sich tapfer. Und auch bei Coca-Cola gab der Absatz mit Limonaden (Coca-Cola, Fanta, Sprite oder Schweppes) seit 2012 nur leicht nach von 20,8 auf 20,1 Milliarden Einheiten (eine Einheit entspricht in etwa einem Kasten mit 24 0,2-Liter-Flaschen) – wobei der Anteil der Marke Coca-Cola daran stabil bei um die 45 Prozent liegt. Und der Absatz des Konzerns über alle 500 hauseigenen Marken ist mit 29,2 Milliarden Einheiten seit Jahren unverändert. Wohin verschwinden also die Einnahmen?

Sie landen bei den Abfüllern, jenen Firmen, die den sagenumwobenen Coca-Cola-Sirup mit Wasser und Zucker zur braunen Brause mischen und dann vertreiben. In den vergangenen acht Jahren hat Coca-Cola sich aus diesem kostenintensiven Geschäft zurückgezogen. Bis Ende 2017 trennte sich der Konzern allein in den USA von 50 Fabriken mit 350 Verteilerzentren und 55 000 Mitarbeitern, übertrug sie an Franchise-Nehmer. Denen verkauft die Firma jetzt nur noch ihr Konzentrat, der Anteil der Erlöse aus diesem Geschäft (Concentrate Operations) stieg seit 2015 von 37 auf 51 Prozent. In der Bilanz werden die Verkäufe unter anderem an der Position Property, Plant and Equipment sichtbar, die seit 2010 von 14,7 auf 8,2 Milliarden Dollar sank.

Coca-Cola will so schlanker und profitabler werden und ist dabei auf gutem Wege. Dass die Vorsteuerrendite in den vergangenen Jahren dennoch sank, ist vor allem mit Kosten für Maßnahmen zu erklären, die die Amerikaner als Refranchising-Efforts bezeichnen, also die Entlassung der konzerneigenen Abfüller (Bottling Investments) in die Unabhängigkeit – Ausgaben etwa für Beratung, Abfindungen oder die Umstellung der IT. Sie betrugen 1,2 Milliarden Dollar in 2017, machen in der Gewinn- und Verlustrechnung den Großteil der Position Other income (loss) aus. Ist das Refranchising einmal abgeschlossen, fallen diese Ausgaben weg, und der Konzern kann profitabler wirtschaften als zuvor, so das Kalkül. Es könnte aufgehen: Die Bruttomarge, also der Anteil des Bruttogewinns (Gross Profit, Umsatz nach Abzug der Herstellungskosten) am Umsatz, war 2017 mit 62,6 Prozent schon deutlich höher als 2015.

Das alles ist clever, keine Frage. Zumal die Verkäufe Kapital freisetzen, im vergangenen Jahr rund 3,8 Milliarden Dollar (Proceeds from disposals of businesses, equity method investments and nonmarketable securities). Ziemlich genau diese Summe gab Coca-Cola 2017 für Akquisitionen aus. Seit Jahren erwerben die Amerikaner neue Firmen, von Milch- und Saftproduzenten in Nigeria bis zu Herstellern pflanzlicher Getränke in China. Allein, es ist kein großer Wurf dabei. Die Neuerwerbungen schneiden im Vergleich nicht besser ab als die etablierten Marken. Sie liefern kein nennenswertes Wachstum, es oszilliert in allen Verkaufsregionen um den Nullwert. Bleibt zu hoffen, dass aus der Diät keine Magersucht wird. ---

Coca-Cola ist nach Apple, Google und Microsoft die viertwertvollste Marke der Welt. Das Getränk geht auf ein medizinisches Patent des US-Apothekers John Pemberton aus dem Jahr 1887 zurück. Er verwendete Coca-Blätter und Cola-Nüsse zur Herstellung, so entstand der Name. Die heutige Coca-Cola Company, 1892 in Atlanta im US-Bundes- staat Georgia gegründet und nach wie vor dort ansässig, hütet bis heute streng die Details der Rezeptur. Coca-Cola ist börsennotiert und beschäftigt weltweit knapp 62 000 Mitarbeiter.