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Jump House

Trampolinparks sind für Besucher ein großer Spaß. Zwei Hamburger Unternehmer machen damit jetzt Ernst.





• Ein kleiner Junge hüpft lachend von Feld zu Feld, neben ihm lässt sich ein Mädchen von einer elastischen Seitenwand in ein großes Becken aus Schaumstoffwürfeln katapultieren, wühlt sich raus und taucht gleich wieder ab, ihre Freunde stehen schon ungeduldig bereit. Der Trampolinpark in einer unscheinbaren ehemaligen Tennishalle im Hamburger Norden scheint der Schulklasse Riesenspaß zu machen – den beiden Hamburgern Christoph Ahmadi und Till Walz beschert er ein Riesengeschäft.

Walz war mit 31 Jahren Merchandising-Leiter beim Privatsender Super RTL, später Mitglied der Geschäftsführung bei der Lernplattform Scoyo. Ahmadi saß mit Ende 30 im Vorstand der Kinokette Cinemaxx. Jetzt, mit Anfang 40, konzentriert er sich aufs Hüpfen. „Viele haben uns für verrückt erklärt, als wir gesagt haben, was wir vorhaben“, sagt Till Walz. Man habe sie belächelt. Heute sind sie es, die lachen.

Den ersten Trampolinpark unter ihrer Marke Jump House haben sie im Dezember 2014 in Hamburg eröffnet, mittlerweile gibt es auch einen in Berlin und Flensburg, im Herbst soll der nächste in Köln eröffnet werden. Mehr als 20 Parks wollen sie in den kommenden vier Jahren deutschlandweit aufbauen.

Die Idee dazu stammt aus den USA. Trampolinspringen hat dort nichts mehr mit den traurigen Geräten zu tun, die in vielen Vorgärten Moos ansetzen. Diese Parks sind Entertainment-Tempel mit riesigen Sprungflächen, Spielfeldern für 3-D-Völkerball und Hindernisparcours. Man richtet dort Kindergeburtstage aus, bietet Fitnesskurse und Discoabende an. 2004 hat der erste Trampolinpark in Las Vegas aufgemacht, heute gibt es rund 500 in Nordamerika.

Das Konzept entstand aus der Not heraus: Eigentlich wollte der Erfinder Rick Platt eine neue Trampolin-Sportart etablieren. Doch die setzte sich nicht durch, weil die Regeln zu verwirrend waren und der Aufbau einer eigenen Liga zu teuer wurde. Platt aber merkte, dass die Kinder gern zum Springen in seine Anlage kamen – auch als er anfing, ihnen acht Dollar dafür abzuknöpfen. Damit war die neue Geschäftsidee geboren. Der zweite Park, den Platt 2006 in St. Louis eröffnete, soll in sieben Wochen 400 000 Dollar eingebracht haben. Heute hat seine Firma Sky Zone 140 Ableger und machte 2015 einen Umsatz von 240 Millionen Dollar. Im selben Jahr setzte »Forbes« das Unternehmen zum dritten Mal in Folge auf seine Liste der vielversprechendsten Unternehmen.

Christoph Ahmadi und Till Walz glauben, dass das auch in Deutschland funktionieren kann. Ahmadi hat seinen ersten Trampolinpark vor neun Jahren in den USA gesehen. Er fand das Konzept spannend, aber nicht überzeugend genug, dafür seinen gut bezahlten Job aufzugeben. Bei einem Grillabend im Jahr 2013 kommt er mit Walz auf seine Entdeckung aus Übersee zu sprechen. Die beiden Freunde kennen sich seit dem Sandkasten, sie haben zusammen Hockey gespielt, ihre Eltern wohnen wenige hundert Meter voneinander entfernt. „Es war immer unser Ziel, etwas gemeinsam zu machen“, sagt Walz. „Wir wollten gern etwas Eigenes aufbauen, wo wir alle unternehmerischen Freiheiten haben.“

Nach dem Grillen sehen sie sich Youtube-Videos aus den amerikanischen Parks an, die mittlerweile eine Erfolgsgeschichte geworden sind. Sie beschließen: Das schauen wir uns genauer an. Viermal reisen sie in die USA, besuchen Dutzende Parks, reden mit Betreibern, Investoren und Lieferanten. Walz ist zu dieser Zeit mit einem Textilgroßhandel selbstständig, Ahmadi bei Cinemaxx. Er opfert seine Urlaube für die neue Geschäftsidee. „Wir wollten Wissen aufbauen und verstehen, wie das genau funktioniert“, sagt er. Wie baut man so einen Park auf? Welche Attraktionen bietet man an?

Branche mit Potenzial

Ahmadi und Walz geben sich keine Mühe, eine romantische Gründergeschichte zu erzählen. Schnell kommen sie zu „Erlöstreibern“, „gesourcten Lieferanten“ und „Roll-out-Strategien“. Ihnen gefällt das Produkt – aber vor allem auch das Potenzial, das sie sehen.

Acht Monate lang analysieren sie das Geschäft mit dem Spaß. „In Unternehmensberatungsmanier“, wie Walz es nennt. Sie zählen Durchlaufzeiten, messen Gastronomieumsätze, erfragen Prozesse. Immer im Hinterkopf die Frage: Würde das auch in Deutschland funktionieren?

Am Ende steht die Entscheidung: Wir machen das. Einfach nur kopieren, das ist ihnen klar, wird nicht ausreichen. Das geht schon mit der Suche nach den richtigen Standorten los. „In den USA stehen außerhalb der Städte riesige Lagerhallen, und die Leute fahren ohne Probleme 45 Minuten dahin“, sagt Ahmadi. In Deutschland müsse so ein Park schneller erreichbar sein. Sie passen an, was sie gesehen haben, lassen unter anderem ein eigenes Buchungssystem für Onlinetickets programmieren, weil ihnen die verfügbaren zu unflexibel erscheinen.

Die beiden wollen nicht nur einen Park, sie wollen eine Marke aufbauen. Von vornherein ist klar, dass es nicht bei einem Standort bleiben soll. Das Geld kommt aus der eigenen Tasche und von zwei Investoren. Immerhin kostet eine Anlage zwischen ein und zwei Millionen Euro.

Bereut hätten sie ihre Investition noch nicht, sagen Ahmadi und Walz. Sie haben mittlerweile rund 250 Mitarbeiter, Tendenz stark steigend. Mit konkreten Umsatzzahlen halten sie sich bedeckt. Wenn es nicht gut liefe, würden sie nicht expandieren, sgen sie nur. Die amerikanische Kette Sky Zone lockt potenzielle Franchise-Nehmer mit Umsatzzahlen von rund 2,5 Millionen Dollar pro Jahr.

Ins Jump House Hamburg kamen im ersten Jahr über 100 000 Besucher. Für zwölf Euro können sie eine Stunde lang springen. Die schlechter besuchten Vormittage füllen Ahmadi und Walz unter der Woche durch Angebote für Schulklassen. Außerdem gibt es Pakete für Geburtstagspartys und Firmen-Events. „Unsere bisherigen Standorte laufen mehr als zufriedenstellend“, sagt Walz.

Die Größe der Zielgruppe ist ein Vorteil der Trampolinparks und ein Grund, warum sie so erfolgreich sind. Im Gegensatz zu vielen anderen Trendsportarten wie Klettern braucht man keinerlei Vorwissen. Schuhe aus und los. Die Verletzungsraten lägen im Promillebereich, sagen die Betreiber. Im Jump House passen wie im Freibad sogenannte Sprungmeister auf, dass sich alle an die Regeln halten und keiner übertreibt.

Das Angebot richtet sich nicht nur an Kinder: Teenager studieren Tricksprünge, und Erwachsenen wird es erfolgreich als effektives Workout verkauft. Irgendjemand hat eine Nasa-Studie von 1980 ausgegraben, die zu dem Ergebnis kam, dass Trampolinspringen effektiver sei als Joggen. Das wird in der Branche nun rauf- und runterzitiert, und die Leute scheinen darauf anzuspringen. Auch das Jump House bietet wöchentliche Fitnesskurse an.

Ahmadi und Walz sind nicht die Einzigen, die mit Trampolinparks in Deutschland Geld verdienen wollen. Die ersten Ableger amerikanischer (Superfly), britischer (AirHop) und niederländischer (Jump XL) Ketten drängen auf den Markt. Dazu kommen Einzelkämpfer und kleinere Ketten wie die Sprungbude, deren Betreiber vier bis fünf Anlagen im Südwesten planen. Derzeit wird hierzulande mindestens ein Park pro Monat eröffnet. Bis Ende 2016 werden etwa 50 neue Anlagen in Betrieb gehen, schätzt der Verband der Hallen- und Indoorspielplätze (VDH).

Die Betreiber wetteifern um die besten Standorte, denn geeignete Immobilien sind rar. Die Gebäude müssen groß genug sein und mindestens sechs Meter hoch, sie dürfen innen nicht zu viele Säulen haben, dafür außen genügend Parkplätze. Und schließlich muss man noch die entsprechende Nutzungsgenehmigung vom Bauamt bekommen.

Immerhin sind die beiden Hamburger bei diesem Eroberungszug von Beginn an dabei. Ihr unbescheidenes Ziel lautet: Jump House soll in Deutschland zum Synonym für Trampolinparks werden. Ulrich Hähnel vom Verband VDH räumt ihnen durchaus gute Chancen ein. „Die beiden betreiben und planen das Geschäft sehr professionell und analytisch“, sagt er. Das Jump House in Hamburg sei so etwas wie die „Mutter aller Trampolinhallen“ in Deutschland.

Manchmal kann das Duo potenzielle Konkurrenten auch für sich gewinnen. Wie etwa den Hamburger Unternehmer Alexander Bode, der nach einem USA-Besuch ebenfalls einen Trampolinpark in Hamburg eröffnen wollte. Der Leiter mehrerer Schuh-Filialen verließ den Familienbetrieb, sprach mit Banken und schrieb einen Businessplan. Dann luden ihn Ahmadi und Walz zu einem Gespräch ein – und überzeugten ihn, lieber in Form eines Joint Ventures bei ihnen einzusteigen.

„Der Markenname, die Corporate Identity, die ganze Umsetzung, das fand ich alles sehr professionell gemacht“, sagt Bode. Er ließ die eigenen Pläne liegen. Heute verantwortet er den Standort Flensburg und die geplanten Filialen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Was Bode beeindruckt hat: dass bei seinem ersten Besuch im Jump House am Sonntag der Chef persönlich an der Kasse stand. Für die Gründer gehört das dazu. „Die ersten sechs Monate waren wir nur hier im Park und haben gearbeitet, die Abrechnung gemacht, uns jeden Prozess im Detail angeguckt“, sagt Ahmadi. Allerdings kam diese Start-up-Mentalität aufgrund des Unternehmenswachstums schnell an ihre Grenzen. Im vergangenen Jahr haben sie das Management um zwei Unternehmer mit Franchise-Erfahrung erweitert.

Die Unternehmer sagen, sie seien bereits dabei, neue Attraktionen zu entwickeln, „um das Erlebnis zu steigern“. In den USA gibt es beispielsweise Hindernisparcours-Wettbewerbe, um die sich ganze TV-Sendungen ranken.

Ob das auch deutsche Besucher überzeugen würde? „Wir stellen nichts in unsere Parks, nur weil wir es lustig finden“, sagt Ahmadi. „Es muss auch wirtschaftlich sein.“ ---