Wavemaker 3000

Ein paar Fluss-Surfer aus München arbeiten an der perfekten Welle. Damit wollen sie nicht nur Spaß haben, sondern auch Energie erzeugen.





• Das Fluss-Surfen haben die Münchener erfunden. Weltbekannt ist die Eisbachwelle in der Innenstadt. Entstanden ist der Sport aber 1972 an der Floßlände im Bezirk Thalkirchen. Dort gab es eine natürliche Welle, die in den vergangenen Jahren immer schlapper wurde und schließlich nicht mehr surfbar war. Manche vermuten, dass die Stadt die Wassermenge im Kanal reduziert hat, um flussaufwärts Energie aus Wasserkraft zu erzeugen.

Eine Interessengemeinschaft der Surfer und auch die Stadt selbst überlegten, wie man der Welle neuen Schwung verleihen könnte. Denn das Fluss-Surfen wird nicht als Vergnügen einiger weniger betrachtet, es steht für Lebensqualität in der Stadt und lockt viele Zuschauer an.

Der Strömungsexperte Robert Meier-Staude, Professor für ressourcenschonende Konstruktion und Entwicklung an der Hochschule München, befasste sich 2014 erstmals mit dem Problem. Zusammen mit den Surfern entwarf und berechnete er mithilfe einer Software in wenigen Wochen eine Lamellenkonstruktion, die in fließenden Gewässern eine stehende Welle erzeugt. Die leicht gekrümmte Form aus recyceltem Kunststoff erinnert an Lamellen einer Jalousie. Sie muss flexibel sein und sich verformen können, um Verletzungen bei Stürzen zu vermeiden, gleichzeitig aber gegen den Wasserdruck in ihre ursprüngliche Form zurückfinden können. Schwimmer und Flöße sollen die Welle ebenfalls problemlos passieren können. „Im Mai 2015 war das Konzept fertig. Zwei Wochen später haben wir die Konstruktion an der Floßlände eingebaut“, sagt Meier-Staude, zu dessen Team Ingenieure und Kunststoffexperten gehören.

Von Anfang an hatte Meier-Staude auch die Idee, mithilfe der Welle Energie zu erzeugen. Nach seinen Berechnungen rund 6  kW pro Meter Wellenbreite. Das ergäbe auf das Jahr gerechnet eine Energiemenge von mehr als 50 000 kWh. Genug zur Versorgung mehrerer Zweipersonenhaushalte.

Doch so weit ist das Team noch nicht. Erst wollen sie eine Firma gründen und aus dem Prototyp ein Produkt machen, später auch Machbarkeitsstudien und Strömungssimulationen anbieten. Der Wavemaker 3000 soll zudem auf schwankende Wassermengen reagieren können. Anfragen aus weiteren Kommunen gibt es bereits, unter anderem aus Österreich. ---

Wavemaker 3000

Gründer: Philipp Altenhöfer, Julian Christen, Wolfrik Fischer, Robert Meier-Staude, Heinz Niehues
Kontakt: info@riverwaveproject.com