Seid umschlungen, Millionen!

Im US-Präsidentschaftswahlkampf hat angeblich nur eine Chance, wer von schwerreichen Spendern unterstützt wird. Donald Trump kam auch ohne sie ziemlich weit – bisher.





• Der Präsidentschaftswahlkampf in den USA ist der teuerste der Welt – und einer der umstrittensten angesichts des Finanzierungsmodells, das rein auf privaten Spenden beruht. Donald Trump bewies nun: Man kann, zumindest im Vorwahlkampf, auch mit wenigen Zuwendungen sehr weit kommen. Wie Dokumente der Federal Election Commission (FEC) belegen, verzeichnete seine Organisation bis Ende Mai dieses Jahres Einnahmen von rund 64,5 Millionen Dollar (Total Receipts). Seine Konkurrentin Hillary Clinton sammelte mit rund 229 Millionen Dollar fast das Vierfache ein. Immerhin gelang es ihr damit, wie Trump, genügend Stimmen für die Nominierung zur Präsidentschaftskandidatin ihrer Partei zu bekommen. Der Demokrat Bernie Sanders hatte fast genauso viel Geld wie Clinton zur Verfügung, etwa 222 Millionen Dollar, und flog trotzdem aus dem Rennen. Ebenso der Republikaner Ted Cruz, der mit knapp 92 Millionen Dollar ebenfalls deutlich besser ausgestattet war als Trump.

Dabei sprangen Clinton & Co. noch weitere Unterstützer zur Seite, sogenannte Super PACs (Political Action Committees), Lobbygruppen, die offiziell getrennt von den Kandidaten agieren und damit die Obergrenze für direkte Spenden umgehen (2700 Dollar pro Kandidat und Wahl). Landesweit flossen bis Ende Mai 462 Millionen Dollar an Super PACs, 76 Millionen allein an solche, die für Clinton tätig sind. Trump-Getreue kamen nur auf 3,3 Millionen Dollar, der größte von ihnen auf 1,7 Millionen.

Ein einziger Super PAC, der sich mit Trump beschäftigt, brachte es mit gut 18,8 Millionen Dollar auf einen zweistelligen Millionenbetrag – er macht allerdings nicht für, sondern gegen den Kandidaten Stimmung. Der musste für seine Kampagne bislang in die eigene Tasche greifen: Nur 27 Prozent seines Budgets stammen von Dritten, zumeist von kleinen Spendern („unitemized“, nicht namentlich aufgeführt), die 200 Dollar oder weniger einzahlten. Der Rest kommt von ihm selbst, ursprünglich in Form von Darlehen. Auf massive Kritik hin versprach er Ende Juni, sie in Spenden umzuwandeln. Clinton im Vergleich investierte rund 900 000 Dollar eigenen Geldes, den Rest brachten Externe für sie auf, vor allem Großspender (163 Millionen Dollar).

Bislang reichte Trumps Budget, weil er dank seiner markigen Sprüche gratis in die Medien gelangte. Doch im Hauptwahlkampf geht es nicht mehr darum, einige ohnehin aufmerksame Superdelegierte zu überzeugen, sondern die Masse der Wähler.Vor allem eine digitale Kampagne ist nötig. Dazu braucht es Profis und ein großes Team. Trump soll nur ein Zehntel der für Clinton tätigen knapp 700 Wahlkämpfer an Bord haben, wofür die Gehaltssumme von 346 614 Dollar im Monat spricht. Auch seine sonstigen Ausgaben deuten nicht darauf hin, dass er die Zeichen der Zeit erkannt hat: Während er für die Entwicklung der Website und Internetwerbung knapp 580 000 Dollar ausgab, flossen rund 900 000 Dollar in Merchandising-Artikel wie Kappen, T-Shirts und Kaffeebecher. Für Imagewerbung (Placed Media) gab er gerade 150 000 Dollar aus – und kam doch ins Gerede wegen Spesenabrechnungen seines Nachwuchses, etwa für Flugreisen.

Wie Trump weitermacht, ist unklar. Fest steht: Um gegen Clinton anzukommen, die allein im Mai rund 25 Millionen Dollar einwarb (Super PACs nicht eingerechnet) und insgesamt schätzungsweise zwei Milliarden Dollar einzusammeln plant, müsste er sein Budget massiv erhöhen. Trump kam auf gerade 3,1 Millionen Dollar an Spenden. Er könnte zwar noch mehr privates Geld einsetzen. In seinem Public Financial Disclosure Report bezifferte er sein Einkommen für das Jahr 2014 und das erste Halbjahr 2015 auf mehr als 400 Millionen Dollar. Doch einer wie Trump wird den Wahlkampf, wie immer er auch ausgeht, kaum als armer Mann beenden wollen. ---

Donald Trump, 1946 in New York geboren, übernahm das Immobiliengeschäft seines Vaters und entwickelte daraus ein Konglomerat, zu dem die New Yorker Trump Towers ebenso gehören wie Hotels und Golfresorts in den USA und Europa. 2015 verkündete er, Kandidat der Republikaner für das Amt des US-Präsidenten werden zu wollen und sorgte mit rassistischen Äußerungen für Aufmerksamkeit und Entsetzen. Dennoch gelang es ihm, die Mehrheit der Delegierten zu überzeugen, die im Juli für ihre Partei den Präsidentschaftskandidaten küren.