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Schuldeneintreiber in Spanien

Ihr Job ist krisenfest. Unterwegs mit Schuldeneintreibern in Spanien.




• Das Geldeintreiben hat eine noble, wenn nicht gar poetische Geschichte in Spanien. So sagen zumindest die Geldeintreiber. Schon der berühmte spanische Dichter Miguel de Cervantes habe Außenstände für den König eingetrieben. Auch José ist Geldeintreiber, aber er wirkt nicht unbedingt wie ein Beauftragter des spanischen Königs. Er ist Mitte 50 und arbeitet seit fast 30 Jahren in der Branche. Er raucht zwei Schachteln Zigaretten am Tag, trinkt mittags eine Flasche Wein zum Essen, den billigen roten, und seine Frau hat ihn schon vor Jahren verlassen. So sieht der Job für ihn im Jahre 2016 aus. José ist ein Spürhund des Elends. „Das Edle“, sagt er, „liegt begraben in alten Geschichten.“ Sein Anzug schlackert um seinen massigen Körper.

Er schaut zu seinem Partner Jonathan – beide wollen ihre Nachnamen nicht nennen –, der neben ihm vor dem Foyer eines noblen Wohnturmes am Rande Madrids steht. Jonathan ist Kolumbianer, knapp über 20, seit drei Jahren in Spanien. Er trägt auch heute wieder einen riesigen schwarzen Hut, der sich wie eine platte Bohne über seinen Kopf legt, eine enge grüne Jacke und die dazu passende Hose. Alles kunstvoll schwarz bestickt. Es ist die Uniform eines Stierkämpfers. Denn in Spanien bringen Toreros nicht nur Stiere zur Strecke, sondern auch Menschen, die ihre Schulden nicht zahlen.

Jonathan will die Bösen fangen. So sagt er das tatsächlich. Die Männer, die ehrliche Unternehmer um ihr Geld prellen. José will sein Geld verdienen und abends in der Kneipe nicht darüber nachdenken müssen, wie viel Bier er sich leisten kann.

Die einen können nicht zahlen, …

Die zwei sind Mitarbeiter des zweitgrößten spanischen Inkassounternehmens El Torero del Moroso (Der Torero des Säumigen), das den Schuldnern ein Gespann aus einem Eintreiber und einem Torero auf den Hals hetzt. Hat José einen der vielen Schuldner gefunden, fährt er mit seinem Kollegen los und versucht zu verhandeln. Doch viele wollen von ihren Schulden nichts wissen und verweigern die Zahlung. Oder haben gar einen Beruf aus dem Betrug gemacht. Dann kommt Jonathan ins Spiel. Er stellt sich in seinem Torero-Kostüm vor die Haustür des Säumigen. Oder folgt ihm in den Supermarkt. Ins Restaurant. Auf den Golfplatz. Egal wo er hingeht, der Matador ist auch da.

Inkassounternehmen erlebten einen Boom während der Finanzkrise: Seit 2008 die Wirtschaft zusammenbrach, geht es aufwärts für sie. Und auch wenn das Wirtschaftswachstum Spaniens wieder 3,2 Prozent beträgt – bei den meisten Menschen kommt der Aufschwung nicht an.

Vielen habe die Krise übel mitgespielt. Aber es gebe in Spanien auch ein generelles Problem mit der Zahlungsmentalität, sagt José. „Die Leute versuchen alles, um nicht zahlen zu müssen.“ Sie verschleiern den Weg ihres Geldes. Strohmänner, Briefkastenfirmen, Sportwagen und Villen, angemeldet auf die Namen von Angehörigen – das ist Josés Alltag. „Die Spanier“, sagt er, „prahlen selbst mit ihrer laxen Zahlungsmoral.“

Anfang des vergangenen Jahrzehntes stieg die Verschuldung der Privathaushalte stark an. José García-Montalvo, Professor für Ökonomie an der Universität Pompeu Fabra in Barcelona, spricht von einem noch nie da gewesenen Tempo. Die Schuldenlast der privaten Haushalte hat sich in nur sieben Jahren fast verdoppelt, von 81,5 auf knapp 139,5 Prozent des verfügbaren Bruttoeinkommens. Damit lag Spanien im Jahr 2007 sogar 3,1 Prozentpunkte vor den USA.

Was war passiert? Die Banken hatten um die Jahrtausendwende begonnen, immer billigere Kredite zu vergeben. Bauen Sie Häuser!, war das Motto der Stunde. Die Nachfrage auf dem Immobilienmarkt nahm enorm zu, die Preise stiegen teilweise um fast 20 Prozent pro Quartal. „Die Leute sahen im Immobilienmarkt eine Goldgrube“, sagt García-Montalvo.

Die Vernunft blieb auf der Strecke. García-Montalvo hat die Kreditvergaben vor der Krise erforscht. Ergebnis: Die Bankangestellten begannen, sich über die internen Regeln hinwegzusetzen. Sie hatten dazu den Segen ihrer Chefs. Blinkte auf den Bildschirmen die Meldung „High Risk“, weil der Kunde kein festes Arbeitsverhältnis oder keine Sicherheiten vorweisen konnte, vergaben spanische Banken in 80 Prozent der Fälle die Kredite dennoch. Die Geldinstitute wollten mehr Kunden, um an den Krediten zu verdienen, und die Angestellten wollten die Boni. Als die Bankenkrise der USA 2007 auch Europa erfasste, platze die spanische Immobilienblase.

„Das Schicksal der Schuldner interessiert mich nicht“, sagt Jonathan, „sie sind es, die Fehler gemacht haben, nicht ich. Die sollten sich schämen, wenn sie Leuten Geld schulden und trotzdem dicke Autos fahren.“ Im vergangenen Monat verprügelte ihn einer, den er bloßgestellt hatte.

Jonathan kam mit 18 aus Medellín nach Spanien. Floh vor der Perspektivlosigkeit in der kolumbianischen Stadt, wo lange die Drogenkartelle die Fäden in der Hand hielten. Seine Eltern gaben ihm 3000 Dollar Startkapital mit. Jonathan überweist jeden Monat 100 Euro zurück. Er verdiene knappe 1000 Euro im Monat und könne, so sagt er, nicht verstehen, wieso Leute ihre Schulden nicht zurückzahlen.

Public Shaming nennt sich die Methode, derer sich Jonathans Arbeitgeber und andere Inkassounternehmen bedienen. Eine Mischung aus Einschüchterung und öffentlichem Pranger. In Deutschland erregte diese Form des Geldeintreibens Ende der Neunzigerjahre durch das Inkasso Team Moskau Aufsehen, in Spanien gab es das bereits 1991. Die Firma Torero del Moroso hat Niederlassungen in elf spanischen Städten. 160 Männer in Anzug und Torerokostüm treiben für sie Geld ein. Gegründet wurde die Firma 1995 von einer Gruppe Geschäftsmänner in A Coruña. Sie waren es leid, dass ihre Kunden nicht zahlten, obwohl sie offensichtlich Geld hatten. A Coruña ist keine Großstadt: Man kannte sich, wusste, wer sich trotz hoher Verschuldung ein neues Strandhaus gebaut hatte.

José und Jonathan stehen noch immer vor der überdachten Vorfahrt des Hochhauses mit Eigentumswohnungen der Luxuskategorie in Madrid. Ein Jaguar, älteres Baujahr, dunkelrot, steht mit laufendem Motor vor dem Eingang zum Foyer. Ein wenig abseits steht der winzige Renault der beiden Eintreiber. Sie reden leise miteinander. Ein Mann in weitem Mantel kommt aus der Tür und steigt in den Jaguar. José schaut auf ein Foto, das er in der Hand hält, schaut wieder zu dem Mann. Nicht der, den sie suchen. José geht an einem Designersofa vorbei in die Lobby. Der Torero wartet vor der schweren gläsernen Eingangstür, seine schmalen Arme vor dem Bauch verschränkt. Das weiche bartlose Gesicht zu einer grimmigen Fratze verzogen.

In Spanien weiß jedes Kind, was ein Mann im Frack, im Torerokostüm, in Mönchskutte vor einer Tür bedeutet: Der Mensch dahinter zahlt seine Schulden nicht. Früher waren die Sitten rauer. Geldeintreiber, die in Kleinanzeigen in Tageszeitungen für ihre Dienste warben, beschäftigten Schlägertrupps. Die Männer, meist arme Einwanderer aus Südamerika, trieben das Geld oft mit dem Knüppel ein. Dagegen nehmen sich ihre Kollegen von heute, die sich als Mönche, Hühner, Mexikaner, Toreros oder Totengräber verkleiden, eher friedlich aus.

José schaut sich die Namensschilder auf den Briefkästen im Foyer des Hochhauses an. Er sucht einen gewissen Gothlan L. Der Name ist nicht zu finden. Ein Informant, ein alter Freund im Meldeamt, hatte einen alten Eintrag gefunden, der Mann war hier also zumindest einmal gemeldet. José sucht ihn seit Jahren. Ein Phantom, von dem es nur ein undeutliches Internetfoto gibt. L. ist höchstwahrscheinlich nicht der richtige Name des Trickbetrügers. Und von denen, so José, gebe es viele in Spanien.

… die anderen wollen nicht zahlen

Sein Arbeitgeber hat Akten, die Schulden über sechs Millionen Euro belegen, die L. über die vergangenen zehn Jahre angehäuft hat. Immobilien, Kredite, offene Rechnungen. Vor allem aber Scheckbetrug. José notiert sich die Wohnungen, zu denen die Briefkästen ohne Namen gehören. 5A, 13C, 4D. Er klingelt sich durch. Eine alte Frau öffnet. Hat den Namen noch nie gehört. 5A, ein Kindermädchen. 13C, ein älterer Mann. Ja, der Name komme ihm bekannt vor. Aber der Herr wohne nicht mehr hier. Wohin er gezogen ist? Der alte Mann zuckt mit den Schultern und schließt die dunkle Holztür.

Zurück im Foyer klingelt er beim Hausmeister. „Nie gehört, den Namen“, sagt dieser, und auch er will die Tür schließen. José stellt den Fuß in die Tür und zeigt ihm das Foto. „Hör zu“, sagt er, „ich weiß, er hat hier gewohnt. Der Mann betrügt Leute. Das ist sein Beruf. Und Männer wie du und ich müssen am Ende mit unseren Steuern dafür zahlen.“

„Er ist vor einem Jahr hier ausgezogen“, sagt der Hausmeister und schließt die Tür. José geht aus dem Haus, wo der Torero Jonathan grimmig schauend wartet. „Nicht hier“, ruft José, und die beiden trotten zurück zu dem Kleinwagen mit dem Torero-Logo auf den Türen. „Ich glaube nicht, dass jemand das Geld jemals wiedersieht“, sagt José. „Ich würde mich auch nicht finden lassen, wenn ich sechs Millionen Euro veruntreut hätte.“

Die beiden haben sich, jeder auf seine Weise, eingerichtet mit diesem Leben im Windschatten der Krise. Wenn Jonathan morgens freudig zur Arbeit kommt, um die Bösen zur Strecke zu bringen, lächelt José meist sarkastisch. Nach 30 Jahren im Geschäft gibt es für ihn Begriffe wie gut und böse nicht mehr. Es gibt nur Schuldner und Gläubiger. Mittags Wein und abends Bier.

Der Großteil seiner Arbeit ist die eines Ermittlers. Ein Kunde kommt, schließt einen Vertrag mit dem Inkassounternehmen. Anders als in Deutschland zahlt in Spanien der Kunde und nicht der Schuldner, wenn die Schulden an ein Inkassounternehmen weitergereicht werden. Der Kunde hat selten viel Hoffnung, sein Geld je in Gänze wiederzusehen. Verfahren dauern meist Jahre und verlaufen nicht selten im Nichts. Je nach Einschätzung des Falls durch das Inkassounternehmen treten die Gläubiger bis zu 80 Prozent der Summe ab, die ihnen geschuldet wird.

Auf der Suche nach dem wunden Punkt

Dann beginnt für José und seine Kollegen die Recherche. Sie wollten, das betont er, Menschen, die tatsächlich bankrott sind, nicht der Lächerlichkeit preisgeben. Daher recherchiere man in Firmenregistern und Datenbanken, mache Adressen ausfindig, ehemalige Geschäftspartner, suche, höre, schnüffle. Das diene sowohl der rechtlichen Absicherung als auch als moralisches Schutzschild. Nur wenn er den Verdacht hege, dass Geld versteckt werde, mache er weiter, verfolge den Schuldner, bringe den Torero mit. „Wenn ich aber merke, da ist kein Geld, dann schiebe ich die Akte wieder ganz unten in den Stapel.“ Das komme oft vor. Denn die Menschen in Spanien erholten sich nur langsam von der Krise.

An einem Donnerstagmorgen fährt José mit Jonathan durch die Region La Mancha, wo in Miguel de Cervantes’ Roman Don Quijote gegen Windmühlen kämpft. José steuert den Wagen auf eine ausgestorbene Straße neben der Autobahn. Dort wartet er. Ein dunkler BMW hält hinter ihm, er steigt aus, lehnt sich in das Seitenfenster des Wagens, nimmt einen Umschlag entgegen und setzt sich wieder ans Steuer. Es waren die letzten 1800 Euro, die ein Barbesitzer einem Schinkenlieferanten geschuldet hatte. In seinem Dorf, geschweige denn in seiner Bar, wollte er den Torero und den Detektiv nicht treffen. Die Nachbarn reden schon genug. Dann fährt er fort, vorbei an umgekippten Mülltonnen, auf die Autobahn.

Gut für José. Und gut für den Matador Jonathan. Er freut sich, wenn er nicht ranmuss. Denn die Reaktionen der Leute auf ihn sind nie positiv. Wenn sie nicht gleich zahlen, ist Ignorieren noch das Netteste. Nicht wenige beschimpfen ihn, drohen mit Schlägen oder schlagen wirklich zu.

Schläge hält auch Luis Zafra Lopez für nötig. Allerdings für die Schuldner. Am Nachmittag treffen Jonathan und José den Spediteur am Stadtrand von Madrid, in einer Mittelstands-Wohnsiedlung. Ein Kunde schuldet ihm 4229 Euro. Seit sieben Jahren. Nun ist er bereit, mehr als die Hälfte an das Inkassounternehmen abzutreten, wenn sie ihm wenigstens ein wenig Geld zurückbringen. Hier geht es schon lange ums Prinzip. „Es ist vollkommen normal, dass Leute hier nicht zahlen“, schimpft der Unternehmer, „hier muss man schon mit dem Stock kommen. Ich kenne Leute, die essen auf Kuba Langusten, nachdem sie hier Konkurs angemeldet haben.“ Er selbst hat ein Strandhaus gehabt, er hat es verkauft, als er merkte, dass er es sich nicht mehr leisten konnte.

Die Geldeintreiber fahren weiter. Einmal, es muss vier Jahre her sein, konnte José einen der Trickbetrüger dingfest machen. Es war ein ehemaliger Unternehmer. Im Laufe der Finanzkrise musste er seine Sportbekleidungsfirma schließen. Statt seinen Lebensstil den neuen Umständen anzupassen, lebte der Mann, als wäre nichts gewesen. Sportwagen, Strandhaus. Autos und Häuser liefen nun auf Strohmänner und Tarnfirmen. José wusste, wo der Mann wohnte, wo er verkehrte. Aber er kam nicht an das Geld. „Die Leute sind gut“, sagt José, während draußen die verbrannte Graslandschaft vorbeizieht, „die haben Anwälte für ihre Machenschaften.“

Der Job ist ermüdend. Erfolge sind selten

Man müsse den „wunden Punkt“ finden. Ein Torero hatte tagelang vor seinem Haus gestanden. Den Mann hatte es nicht interessiert. Er hätte den Torero, mit dem José damals arbeitete, einmal fast angefahren mit seinem Sportwagen. „Aber dann kamen wir zu einer Golfpartie, die er mit der Familie seiner Frau spielte. Da flippte er vollkommen aus“, sagt José. Die Schwachstelle des Sportwarenfabrikanten war sein Schwiegervater. Der Mann scheuchte die beiden vom Platz, brüllte „ein Irrtum!“ und flüsterte: „Kommen Sie morgen zu mir.“

Es wurden Vereinbarungen getroffen, der Fabrikant konnte mehrere Hunderttausend Euro Schulden zurückzahlen. „Manchmal“, sagt José und lächelt Jonathan an, „haben wir ja auch Erfolg.“

Doch das Geschäft läuft nicht immer so seriös, wie er es darstellt. Pablo Camacho, ein Anwalt aus Madrid, der die Organisation El Defensor del Moroso zum Schutz von Schuldnern gegründet hat, sagt über die Eintreiber: „Die meisten von denen sind Gangster. In Spanien ist das legal. Es ist ein Unding. Existenzen werden zerstört.“ Hunderte solcher Fälle habe er bereits bearbeitet.

Camacho kennt die Usancen. Er war früher selber einer der Eintreiber beim Branchen-Primus El Cobrador del Frac. Vergangenes Jahr ist der Chef der Männer im Frack angeklagt worden, weil er weibliche Angestellte zum Sex genötigt und Orgien in seinen Büroräumen gefeiert haben soll. Die Integrität des Außendienstes scheint bei der Firma nicht die oberste Priorität zu haben.

Wer ist hier gut? Wer böse?

Schlimm sei aber auch, so Pablo Camacho, wie diese Firmen ihre Mitarbeiter behandelten. „Die meisten haben Verträge, die sofort kündbar sind, oder gar keine. So können die Inkassounternehmen rechtliche Konsequenzen für sich selbst vermeiden.“ Die Männer, so Camacho, arbeiteten für einen Hungerlohn und leben hauptsächlich von der Provision. Das treibe sie zu immer drastischeren Maßnahmen.

Aber auch Camacho muss zugegeben, dass es Betrüger gibt, denen mit sanfteren Methoden schwer beizukommen ist. „Männer die gerne Luxusanwesen kaufen. In feinen Anzügen die erste Rate zahlen und dann nie wieder auch nur einen Cent. Da es in Spanien rechtlich sehr langwierig ist, sie aus den Häusern zu bekommen, leben sie dort monatelang, verschwinden und machen das Gleiche wieder an einem anderen Ort.“

Es ist früher Abend. José und Jonathan sind mal wieder mehr als 200 Kilometer gefahren heute, und erst jetzt ist Jonathans Moment gekommen. Sie fahren zu einer kleinen Grafikfirma in Madrid. Der Inhaber hat ein Buch in Druck geben lassen. Doch dann habe die Qualität nicht gestimmt, sagt er. Deswegen habe er den Drucker nicht bezahlt.

José hat sich das Buch genau angeschaut, und er kennt auch die Korrespondenz mit der Druckerei. Er kam zu dem Schluss, dass der Grafiker schlicht keine Lust hat zu zahlen. Der schaut nun durch den Spalt, um den er die Tür geöffnet hat, beschimpft die beiden Männer und rammt die Tür vor ihrer Nase zu.

„Nun denn“, murmelt José, schickt Jonathan in voller Montur vor die Tür und wartet. Es ist ein kleiner Hinterhof, ein paar Büros, kleine Betriebe, eine Werkstatt. Kaum steht der kleine Torero vor der Tür, schauen die ersten Neugierigen aus der Werkstatt und den Fenstern.

Der Grafiker erscheint wieder an der Tür, ein Mann in den Fünfzigern, die Wut hat Röte in sein Gesicht getrieben. „Verschwindet“, faucht er. Jonathan schweigt, José kommt langsam aus dem Auto. „Hast du Beweise, dass die Qualität so schlecht war?“ Der Grafiker hat keine.

Als José das erste Mal hier war, habe der Grafiker behauptet, sich an das Buch überhaupt nicht erinnern zu können. Erst bei späteren Besuchen habe er die Legende vom Pfusch aufgetischt. Wieder Türknallen.

Nach einer Stunde ist der Grafiker bereit zu verhandeln. José ruft den Gläubiger an. Keine Kompromisse, sagt dieser. 30 Minuten und einige Schaulustige später willigt der Grafiker zerknirscht ein zu zahlen.

Nicht immer läuft es so einfach. Und nicht immer liegen die Eintreiber mit ihren Einschätzungen richtig. José klingelte auch schon mal an einer Tür, hinter der sich ein Mann erhängt hatte. Er hatte tatsächlich kein Geld. Die Schande, eventuell einen Torero vor die Tür gestellt zu bekommen, war wohl zu groß. José hat das viele Nächte den Schlaf geraubt und zu dem Mann gemacht, den seine Frau schließlich verließ. Die Schulden haben auch für José ihren Preis. ---