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Kaffeesteuer Preußen

Es ist ein Luxusgut, das teuer importiert werden muss und der heimischen Wirtschaft schadet. So dachte Friedrich II. – und tat alles, um den Preußen ihr Lieblingsgetränk zu verleiden.





• Wenn es darum geht, staatliche Verbote zu umgehen, können die Bürger recht kreativ werden. Im Preußen Friedrichs des Großen (1771–1786) ging das so weit, dass die Untertanen des Königs Kaffeebohnen unter Heu, Kohle, Holz oder in Särgen versteckten. So passierte die begehrte Ware die Stadttore von Berlin unbemerkt von der Obrigkeit.

Das war ein gehöriger Aufwand, aber er lohnte sich für die Schmuggler. Denn der König hatte Kaffeebohnen mit einer hohen Luxussteuer belegt und die Einfuhrzölle drastisch erhöht.

Natürlich ging es Friedrich dem Großen dabei ums Geld. Infolge des Siebenjährigen Krieges, der 1763 zu Ende gegangen war, hatte sich Preußen als eine der Großmächte in Europa etabliert. Doch die Kriegsfolgen waren verheerend. 180 000 Soldaten waren bei den Gefechten gefallen. Die Bevölkerungszahl im Königreich hatte sich durch den Krieg drastisch verringert. In seinen Memoiren schrieb Friedrich der Große, der Krieg habe den Adel erschöpft und die Bevölkerung ruiniert.

Auch die Wirtschaft lag danieder: Die Pferde fehlten für die Feldarbeit, die Waren des täglichen Bedarfs wurden immer teurer, zudem war Preußen hoch verschuldet. Also musste der König schauen, wie er schnell zu Geld kommen konnte. Deshalb erhöhte er am 14. April 1766 die Steuer für Luxusprodukte wie Wein, Likör und Kaffee – alles Waren, die importiert werden mussten.

Das passte ihm gut ins Konzept. Wenn eingeführte Waren teurer würden, so sein Kalkül, kauften seine Untertanen bei ortsansässigen Produzenten – und stärkten so die heimische Wirtschaft. Und noch einen Vorteil erhoffte er sich: Das Geld bliebe dann im Land.

Für die Einfuhr der aus dem Orient stammenden Kaffeebohnen wurden auch hohe Zölle fällig. Hinzu kam: Nur der Staat durfte mit der Ware handeln. Für die Menschen im Königreich war das eine schlechte Nachricht. Sie hatten sich an den Kaffee gewöhnt. Wer in Berlin, Leipzig oder Hamburg etwas auf sich hielt, der lud zur Kaffeetafel. Aber auch in der Unterschicht wurde das Getränk geschätzt.

Andere Branchen litten unter der neuen Mode. So war der Absatz von Bier zurückgegangen, je populärer der Kaffee wurde. Bier hatte es einst morgens, mittags und abends gegeben, meist als Biersuppe. Da war Kaffee, gerade für den Start in den Tag, eine Wohltat. So meinte Friedrich der Große, seine Landsleute ermahnen zu müssen:

„Ein jeder Bauer und gemeine Mensch gewöhnt sich jetzt zum Kaffee. Wird das ein bisschen eingeschränkt, so müssten sich die Leute wieder an das Bier gewöhnen und das ist zum Besten ihrer eigenen Bierbrauereien.“ 

Geholfen hat der Appell wenig. Ebenso wie der Versuch Friedrichs des Großen, Ersatzkaffee zu entwickeln. Im Jahr 1769 wurde zwar das Patent für Zichorien-Kaffee zugelassen. Aber den Preußen schmeckte das Original besser – also florierte weiterhin der Schwarzmarkt.

Um dem Einhalt zu gebieten, erließ der König am 21. Januar 1781 die Kaffeeverordnung. Darin hieß es: „Es ist allen und jedem verboten, in den Häusern oder irgend anderswo Kaffee zu brennen.“ Niemand dürfe anderen Kaffee „führen als denjenigen von der General-Niederlage in Paketen versiegelten und gestempelten Kaffee“.

Fortan waren also nicht nur Import und Konsum von Kaffee teuer – die Röstung von der Bohne war auch noch Staatssache. Und auch der Handel wurde reglementiert: Nur noch die königlichen Zolllager und einige wenige ausgesuchte Lebensmittelhändler durften die begehrte Ware verkaufen. Der Staats-Kaffee wurde in gestempelten Blechbüchsen in Berlin für einen Taler angeboten, etwa zehnmal mehr als Schmuggelware. Ergebnis des Verbots: Es wurde noch mehr illegal gehandelt als zuvor.

Das wollte der König nicht hinnehmen – und erfand kurzerhand einen neuen Beruf: den des Kaffee-Riechers. Dessen Aufgabe war es, illegale Röstereien ausfindig zu machen und deren Ware zu beschlagnahmen. Zu diesem Zweck durften die Schnüffler in Wohnungen einfallen, Vorratskammer und Küche durchwühlen. Sie durften Personen auf offener Straße anhalten und sie durchsuchen. Es war ausdrücklich gestattet, Frauen und Männer abzuriechen.

Den verhassten Job des Kaffeeschnüfflers übernahmen 400 aus dem Dienst entlassene französische Soldaten. Sie ver-dienten gutes Geld und kassierten stattliche Erfolgsprämien. Zudem, so munkelte man, verkauften sie den konfiszierten Kaffee gleich auf dem Schwarzmarkt weiter. Kein Wunder also, dass sie ziemlich erfolglos waren. Es gelang ihnen nicht, des Schmuggels Herr zu werden. Hinzu kam, dass sie nicht sonderlich effizient waren. Einen Großteil dessen, was sie einnahmen, kostete es, sie zu bezahlen und auszurüsten.

Erst Friedrich Wilhelm II., der Neffe von Friedrich dem Großen und dessen Nachfolger, schaffte das staatliche Kaffeemonopol nach dem Tod des Onkels ab. Damit war ab 1787 der Kaffee legal und die Schnüffelarbeit der Kaffee-Riecher eingestellt. ---