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Hoffmann-La Roche

Der Schweizer Pharmariese Hoffmann-La Roche ist geradezu unverschämt profitabel – und spart trotzdem. Warum nur?





• Eigentlich geht es Roche ausgezeichnet. Zieht man vom jüngsten Halbjahresumsatz von rund 25 Milliarden Franken die Herstellungskosten ab, bleiben gut 17 Milliarden Franken übrig. Das entspricht einer Bruttomarge von mehr als 70 Prozent, wovon selbst Apple (38 Prozent) nur träumen kann. Allerdings rechnet man in der Pharmaindustrie so nicht. Das Bruttoergebnis gilt als irrelevant, weil die teure Forschung darin nicht enthalten ist. Doch selbst wenn man die Ausgaben dafür und andere operative Kosten abzieht, bleibt Roche – das weltweit zweitgrößte Unternehmen der Branche nach der US-Firma Pfizer – noch ein Betriebsgewinn von 8,1 Milliarden Franken. Die operative Gewinnmarge liegt bei 32,5 Prozent. Zum Vergleich: Bayer aus Deutschland kommt nur auf 19 Prozent.

Trotzdem hat Roche seine Verwaltungsausgaben um mehr als die Hälfte gekürzt. Die Schweizer sorgen sich um ihre Zukunft. Denn der währungsbereinigte Umsatz wuchs im vergangenen Halbjahr nur um fünf Prozent. Zwischen 2013 und 2015 war es nicht viel mehr. Roche lag damit laut einer Studie von Ernst & Young auf Platz 14 der 20 weltgrößten Gesundheitsfirmen – mit weitem Abstand zu den Spitzenreitern, die aus der Biotechnologie kommen. Der US-Konkurrent Gilead etwa, vorwiegend gegen virale Erkrankungen wie Hepatitis oder HIV aktiv, steigerte seinen Umsatz im selben Zeitraum um durchschnittlich 70 Prozent pro Jahr auf knapp 33 Milliarden Dollar im Jahr 2015.

Und obwohl Gilead in 2016 rund 40 Prozent weniger erlöste, liegt sein Betriebsgewinn mit umgerechnet 6,8 Milliarden Franken nur 16 Prozent unter dem der Schweizer. Die Firma ist also viel profitabler. Das liegt unter anderem daran, dass sie nur halb so viel für Forschung & Entwicklung ausgibt wie Roche (die im ersten Halbjahr 2016 5,3 Milliarden Franken investierten) – und trotzdem erfolgreicher ist bei der Zulassung von Medikamenten, zuletzt vor allem gegen Hepathitis C, die so bahnbrechend sind, dass Gilead enorm hohe Preise verlangen kann.* Roche indes fehlt es an Innovationskraft. Drei Produkte sorgen seit Jahren für den Großteil des Konzernumsatzes, aktuell 42 Prozent. Es sind die Krebsmittel Herceptin, Avastin und Rituxan. Deren Patente laufen jetzt aus, und billige Nachahmerprodukte könnten ihnen schnell den Rang ablaufen. Mag die Firma auch vielversprechende neue Wirkstoffe in der klinischen Testphase haben – davon scheitern üblicherweise 90 Prozent. Um den Mangel an Forschungserfolgen zu kompensieren, kauft Roche seit Jahren innovative Firmen auf. Spektakulär war der Erwerb der US-Firma Genentech für 47 Milliarden Dollar in 2009. Diese Strategie ist in der Branche üblich, auch Gilead verfolgt sie, daher stammt auch das hohe Umsatzwachstum. Doch Roche hat offenbar keinen so guten Riecher für Start-ups – und zahlt mehr für sie.

Das zeigen die Bilanzpositionen „Immaterielle Anlagegüter“ und „Goodwill“. Sie stehen für Werte der übernommenen Firmen, die schwer zu beziffern sind, etwa noch in der Entwicklung befindliche Wirkstoffe (sie gelten als Anlagegüter) und schließlich jener Teil des Kaufpreises, der auch darüber noch hinausgeht und eine Art Aufschlag für die Marke und deren Potenzial ist (Goodwill). Je höher die beiden Positionen sind, desto teurer wurde eingekauft. Bei Roche übersteigen sie mit zusammen rund 23 Milliarden Franken das Eigenkapital deutlich, was nicht ohne Risiko ist. Entwickeln sich die neuen Töchter nicht wie erhofft, könnten die nötigen Abschreibungen das Eigenkapital substanziell verringern und damit den Konzern gefährden. Bei Gilead kommen Goodwill und immaterielle Anlagegüter zusammen nur auf 68 Prozent des Eigenkapitals. Verständlich, dass man sich bei Roche unter Druck fühlt, spart und die Aktionäre seit geraumer Zeit mit einer ungewöhnlichen Politik bei Laune zu halten versucht. Egal wie gut oder schlecht es läuft, die Dividende wird erhöht – dieses Jahr zum 29. Mal in Folge. ---

* Siehe Interview Seite 38

Die Firma wurde 1896 von Fritz Hoffmann-La Roche in Basel gegründet. Der erste große Erfolg war ein selbst kreierter Hustensaft. Später wurde das Unternehmen mit bahnbrechenden neuen Wirkstoffen, etwa Valium und dem ersten Aids-Medikament, zum Börsenkonzern, befindet sich aber bis heute mehrheitlich im Besitz der Gründerfamilie. Roche widmet sich neben der Onkologie auch der Immunologie oder der Bekämpfung von Infektions- und Nervenerkrankungen und unterhält eine Diagnostik-Sparte. Für den Konzern arbeiten weltweit 92 000 Mitarbeiter.