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Leichte Sprache

Kauderwelsch ist schnell geschrieben – das Lesen aber ist mühselig. Die „Leichte Sprache“ * setzt dagegen auf größtmögliche Verständlichkeit. Tabu sind unter anderem Fremdwörter, Synonyme, lange Zahlen, Schachtelsätze und der Konjunktiv. Zwar richtet sich die vereinfachende Sprache vorwiegend an Menschen mit Lernschwierigkeiten oder Behinderungen – vielleicht steckt darin aber ein noch größeres Potenzial? Hier der Übersetzungsversuch einer Pressemitteilung von Volkswagen vom 22. April 2016.





Information der Volkswagen AG über den Stand der umfassenden Untersuchung im Zusammenhang mit der Diesel-Thematik.

Volks-Wagen hat Probleme mit dem Gesetz.
Volks-Wagen erzählt von den Problemen.

Ende September 2015 hat der Aufsichtsrat der Volkswagen Aktiengesellschaft die Rechtsanwaltssozietät Jones Day mit einer umfassenden Untersuchung der Diesel-Thematik beauftragt. Diese Untersuchung ist bereits weit fortgeschritten und wird intensiv weiter vorangetrieben. Etwa 65 Millionen Dokumente wurden zu diesem Zweck zur digitalen Auswertung zusammengestellt, von denen insgesamt mehr als zehn Millionen Dokumente zur Durchsicht an Anwälte von Volkswagen weitergeleitet wurden. Darüber hinaus wurden rund 450 Interviews zur Diesel-Thematik durchgeführt; Dutzende weitere Befragungen stehen noch aus. Nach derzeitiger Einschätzung geht Jones Day davon aus, dass die Untersuchung im vierten Quartal 2016 abgeschlossen werden kann.

Volks-Wagen hat Fehler gemacht.
Deshalb hat Volks-Wagen Anwälte geholt.
Die Anwälte sollen Volks-Wagen helfen.
Die Anwälte prüfen, ob Volks-Wagen Fehler gemacht hat.
Volks-Wagen sagt:
– Die Anwälte haben schon viel geprüft.
– Aber die Anwälte sollen noch mehr prüfen.
– Die Anwälte haben schon sehr viel gelesen.
– Aber die Anwälte sollen noch viel mehr lesen.
– Volks-Wagen hat schon viele Menschen in der Firma befragt.
– Aber Volks-Wagen wird noch mehr Menschen befragen.
Die Anwälte sagen: Im Winter sind wir fertig.

Aufsichtsrat und Vorstand von Volkswagen mussten allerdings nach eingehender Prüfung der rechtlichen Situation zu der Erkenntnis kommen, dass eine Veröffentlichung von Zwischenergebnissen der Untersuchung zum gegenwärtigen Zeitpunkt mit unvertretbaren Risiken für Volkswagen verbunden wäre und damit derzeit nicht erfolgen kann. Diese Entscheidung beruht auf der übereinstimmenden Einschätzung der von Volkswagen mandatierten US-Rechtsanwaltssozietäten (Sullivan & Cromwell und Jones Day), die unabhängig voneinander nachdrücklich von einer entsprechenden Veröffentlichung abgeraten haben.

Die Chefs von Volks-Wagen haben überlegt und Gesetze geprüft.
Jetzt wollen sie nicht sagen, was die Anwälte wissen.
Die Chefs von Volks-Wagen haben Angst um Volks-Wagen.
Sie denken: Vielleicht wissen die Anwälte etwas Schlechtes.
Das ist vielleicht schlecht für Volks-Wagen.
Aber die Chefs von Volks-Wagen mögen Volks-Wagen.
Deshalb sagen sie nicht, was die Anwälte wissen.
Die Chefs von Volks-Wagen wollen es aber im Winter sagen.
Im Winter sind die Anwälte fertig.
Die Chefs von Volks-Wagen sagen:
Die Anwälte haben die gleiche Meinung wie wir.

Volkswagen bedauert, von seinem ursprünglichen Vorhaben, Zwischenergebnisse der Untersuchung bis Ende April zu veröffentlichen, abweichen zu müssen.

Eigentlich wollte Volks-Wagen jetzt etwas sagen.
Aber Volks-Wagen sagt jetzt nichts.
Deshalb ist Volks-Wagen traurig.

*Das Netzwerk Leichte Sprache veröffentlicht seit 2006 ein Regelwerk zum Thema unter leichtesprache.org. Zudem erschien im Jahr 2016 der Duden „Leichte Sprache“.