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Gegen den Strom

Die Cusanus Hochschule versteht sich als eine ganz andere, freie und offene Universität. Sie übt den Widerspruch – und muss auch selbst lernen, damit umzugehen.





• Manchmal macht eine schlichte Frage den Unterschied. Oder ein scheinbarer Widerspruch. So wie dieser: „Mir ist völlig unverständlich, wie Keynes in der deutschen Wahrnehmung jahrzehntelang fast unwidersprochen als Linker gelten konnte.“ Walter Ötsch, der an der Cusanus Hochschule in Bernkastel-Kues Ökonomie und Kulturgeschichte lehrt, lässt den Satz erst einmal so stehen, damit seine Master-Studenten, die unter einem schweren Kronleuchter aus Messing im Sitzungssaal des Rathauses vor ihm sitzen, ins Grübeln kommen. „Keynes“, sagt Ötsch schließlich, „war ein typischer Vertreter des britischen Establishments.“ Sohn eines Professors. Eliteausbildung in Eton und Cambridge. Verheiratet mit einer russischen Balletttänzerin. Mitglied der liberalen Partei. Zum Baron geadelt. Als Vermögensverwalter mit besten Kontakten zur Londoner Finanzaristokratie ausgestattet.

Diesem John Maynard Keynes ist die Mehrzahl von Ötschs Zuhörern zuvor nie begegnet. Aus ihrem Bachelor-Studium, das die meisten an einer staatlichen Hochschule absolviert haben, kennen sie lediglich den vermeintlichen Befürworter groß angelegter Beschäftigungsprogramme und staatlicher Konjunkturspritzen. Lieber fünf Prozent Inflation als fünf Prozent Arbeitslosigkeit. Also irgendwie links. Und sie hatten gelernt, dass sich das Gedankengut des vielleicht wichtigsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts genauso wie das seiner wissenschaftlichen Widersacher in Diagramme zwängen lässt – mit Kurven und Tangenten, die sich mal nach rechts und mal nach links verschieben. Als Maßstab des ökonomischen Denkens hatten ihre Professoren ihnen den Homo oeconomicus präsentiert – jenes nutzenmaximierende Wesen also, das stets rationale Entscheidungen trifft. Frustriert von der Geschichtslosigkeit und der Realitätsferne der ökonomischen Lehre fragten sie sich: Wo in Deutschland kann man anders studieren? Wo erfahren wir etwas über die ideen- und kulturgeschichtlichen Wurzeln des marktwirtschaftlichen Systems? Über die höchst realen politischen und sozialen Folgen der verschiedenen ökonomischen Konstrukte, über die Denkschulen-Netzwerke, die bis in höchste politische Äm-ter hineinwuchern, über die meinungsbildende Macht der tonangebenden Lehre? Wo können wir uns auf die Suche begeben – nicht nach den Ökonomen, die sich die verschwurbelsten Modelle ausgedacht haben, sondern nach jenen, die mit ihren Lehren die Welt veränderten?

An der Cusanus Hochschule im rheinland-pfälzischen Mosel-Städtchen Bernkastel-Kues, wo sie derzeit ihren Master in Ökonomie machen, erhoffen sie sich Antworten auf diese Fragen. Erst im vergangenen Herbst nahm die von Professoren und Studenten gegründete private Hochschule mit rund 40 jungen Leuten ihren Lehrbetrieb im historischen Rathaus auf, einem Prachtbau aus der Spätrenaissance. Bisher gab es hier nur Master-Programme. Doch auch wenn im Herbst die ersten Bachelor-Studiengänge in Ökonomie und Philosophie beginnen, wird die auf eine maximale Kapazität von 250 Studenten ausgelegte Universität überschaubar bleiben.

Die junge Hochschule beruft sich auf das Menschenbild und das Bildungsideal des in Bernkastel geborenen Nikolaus von Kues, lateinisch Cusanus, einer der bedeutendsten Philosophen des 15. Jahrhunderts, der die menschliche Fähigkeit zur aktiven Selbstgestaltung betonte: „Der freie Geist bewegt sich selbst.“ So sah das auch der preußische Bildungsreformer Wilhelm von Humboldt. Die Gründer der Hochschule fühlen sich seinem Ideal einer ganzheitlichen, von wirtschaftlichen Interessen freien Lehre und Forschung verpflichtet.

Der weitgehenden Verschulung und dem immer schneller getakteten Konsum vorgefertigten Wissens setzt die Cusanus Hochschule – die sich selbst als „Werkstätte neuen philosophischen und ökonomischen Denkens und Handelns“ beschreibt – einen Dialog der akademischen Disziplinen und eine Kultivierung des Querdenkens entgegen.

Die Holzkugel mit Delle ist das Logo der Hochschule. Zu Beginn seines Studiums bekommt jeder Student einen Holzblock und drechselt sich seine eigene

„Wir üben uns in radikaler Kritik“, sagt der Ökonomiestudent Marius Braun, „an herrschenden Systemen in Theorie und Gesellschaft, aber auch an eigenen bisher unhinterfragten Argumenten, Bildern und Visionen.“ In ihren Semester-Forschungsprojekten untersuchen die angehenden Wirtschaftswissenschaftler beispielsweise die Implikationen der Wandlung des Eigentumsbegriffs seit dem Mittelalter oder loten die Chancen für eine Regionalwährung in der Region Mittelmosel aus. Und der Autor einer philosophischen Arbeit erforscht am Beispiel des Magnificat aus dem Lukas-Evangelium „das Mysterium des Zusammenwirkens der zwei urmenschlichen Ausdruckskräfte Wort und Ton“.

Die Idee zur Gründung einer Hochschule als Fundamentalkritik am etablierten Wissenschaftsbetrieb speist sich vor allem aus den akademischen Erfahrungen der Initiatoren. Der Vizepräsident Harald Schwaetzer, der Philosophie lehrt und auch eine Gastprofessur an der Universität Hildesheim hat, erinnert sich, wie oft „ich in Seminaren die Idee des freien Individuums herausgestellt habe. Aber in der Sprechstunde musste ich den Studierenden dann erklären, dass sie modulkonform studieren sollen. Das darf doch nicht sein.“ Die „Frage der Verbindlichkeit gedachter Ideen“ ließ ihm keine Ruhe mehr. „Nicht nur denken, sondern das Gedachte auch tun“, lautete Schwaetzers Appell an sich selbst. „Wenn Sie erkannt haben, dass im Bildungssystem eine wichtige Aufgabe auf Sie wartet, dann treibt Sie das doch um! Es lebt sich dann nicht mehr so bequem.“

Silja Graupe, ebenfalls Vizepräsidentin und Professorin für Ökonomie und Philosophie, erlebte die Wirtschaftskrise 2009 als Juniorprofessorin an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn, wo zu der Zeit auch Harald Schwaetzer eine Professur erhalten hatte. Sie diagnostizierte eine „schwere Krise der Wissenschaft, ein totales Theorieversagen“. Die Ökonomie, gefangen in Diskursen auf der Grundlage realitätsferner Modelle und ausgestattet mit einem umfassenden Wahrheitsanspruch, habe zwar die Krise „weder prognostizieren noch hinreichend erklären“ können, aber gleichwohl „verheerende Auswirkungen auf politische und wirtschaftliche Entscheidungen“ gehabt. Graupe will die „Monokultur des ökonomischen Denkens aufbrechen – weg von der Lehrbuchwissenschaft, die die Studierenden in mathematische Scheinwelten entführt und dann lehrt, die daraus gezogenen Erkenntnisse nahezu unbewusst auf die reale Welt anzuwenden“. Das passende Hegel-Zitat hat sie auch parat: „Abstraktionen in der Wirklichkeit geltend machen, heißt Wirklichkeit zerstören.“

Ein akademisches Start-up

Den alles entscheidenden Moment für die Gründung gab es wohl nicht. Schwaetzer sieht in der Hochschule „die Erscheinungsseite einer Idee, die dahintersteht. Ideen vertiefen sich über mehrere Jahre hinweg, sie wachsen, sie metamorphosieren sich. Das sind tastende Prozesse.“

Nicht klagen, sondern selbst aktiv werden:
Silja Graupe und Harald Schwaetzer

Unter den gut zwei Dutzend Gleichgesinnten, die sich Anfang 2014 zur Gründungsinitiative formierten, finden sich auch Studenten. Einige von ihnen arbeiteten an der Konzeption der neuen Studiengänge mit. „Wir haben uns die Bildung, die wir wollen und brauchen, selbst gemacht“, sagt Theresa Steffestun, Master-Studentin der Ökonomie. Man habe „die Praxis nach der Idee gestaltet“, ergänzt ihre Kommilitonin Johanna Hueck, als Philosophiestudentin mit dem schwierigen Verhältnis von Denken und Handeln wohlvertraut. „Auf keinen Fall wollten wir, dass es wieder heißt: Hier sind die Zwänge, wir würden ja gern anders, können aber leider nicht.“

Für das zwischen Trier und Koblenz gelegene, von Weinbau und Tourismus geprägte 7000-Einwohner-Städtchen Bernkastel-Kues sprach die Aufgeschlossenheit der Stadtväter – beispielsweise das Angebot, mit der Hochschule in eine frei gewordene Etage des Rathauses zu ziehen. Außerdem beherbergt die Stadt die Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte, ein außeruniversitäres, dem gleichen Bildungsideal wie die neue Hochschule verpflichtetes geisteswissenschaftliches Forschungsnetzwerk, in dem unter anderem Silja Graupe und Harald Schwaetzer die Fäden ziehen. Es überrascht nicht, dass Funktionsträger und Mitarbeiter der Kueser Akademie sowie Dozenten aus dem Kreis der anthroposophisch ausgerichteten Alanus Hochschule in der Cusanus-Gründungsinitiative stark vertreten sind.

Mit Kampfansagen an den traditionellen Hochschulbetrieb geizten die Macher der Cusanus Hochschule von Anfang an nicht. Sie predigten Autonomie, Freiheit und akademische Selbstbestimmung; mit markigen Sätzen geißelten sie die Macht des großen Geldes in der Finanzierung von Lehre und Forschung sowie die Bildungsproduktion für den schnöden Markt. Größeres Kino geht kaum.

Auch institutionell beschreitet man neue Wege, vor allem beim Thema Geld. Mächtige Unternehmensstiftungen oder Großsponsoren, die möglicherweise Einfluss auf die Lehr- und Forschungsinhalte nehmen könnten, waren von Beginn an tabu. „Hier kann sich kein Unternehmen einkaufen, um Manager nach Maß zu produzieren“, sagt Harald Schwaetzer. Gesucht wurden stattdessen Förderer, die, so Silja Graupe, „mit uns überzeugt sind, dass freie Bildung keinen Verwertungskriterien unterworfen werden darf“. Ein Kreis von etwa zwei Dutzend kleinerer Stiftungen, Unternehmen und Einzelpersonen hat sich zu einer „Schenkgemeinschaft“ formiert. Hin und wieder schauen sich die Mäzene auch ein Seminar des Professors an, dessen Lehrstuhl sie finanziert haben.

Privat, aber für alle offen

Da Cusanus wie die Mehrzahl der privaten Hochschulen keine staatliche finanzielle Förderung erhält, müssen Studiengebühren erhoben werden, rund 600 Euro pro Monat für die Master-Studiengänge, 480 Euro monatlich für die Bachelor-Studiengänge. Nicht gerade wenig, wenn man bedenkt, dass größtenteils Blockseminare abgehalten werden und für Philosophie und Ökonomie weder teure Labors noch technisches Equipment nötig sind. Stipendien mindern die finanzielle Last für jene, die sich derart hohe Studiengebühren nicht leisten können. Hierfür wirbt die Hochschule Spenden ein, im vergangenen Semester rund 33 000 Euro.

Studieren, so wie ich es mag: Johanna Hueck

Auch die Studenten engagieren sich dafür, dass möglichst viele, die an der Hochschule studieren wollen, dies auch können. Die von ihnen eingeworbenen Stipendien kommen jeweils einem Jahrgang zugute. Der verteilt die Geldsumme dann intern auf die Kommilitonen mit dem größten Bedarf. Mehr als 30 Studenten konnten bislang unterstützt werden. Auch ihre Unterkunft haben die Cusaner selbst organisiert. Sie hörten davon, dass die hoch über der Stadt gelegene Jugendherberge Moselblick schließen würde. Nun wohnt eine Handvoll Studenten dort, als Zwischennutzung bis zur Sanierung der Herberge, andere kommen zu den Blockseminaren dort unter.

Ein Foto aus der Anfangszeit der Hochschule zeigt den – mittlerweile ausgeschiedenen – Gründungspräsidenten Harald Spehl vor dem rheinland-pfälzischen Bildungsministerium in Mainz, vor sich eine Sackkarre mit Unterlagen, 300 Seiten in 14-facher Ausfertigung. Die Cusanus Hochschule hatte Mitte 2014 das Ministerium gebeten, das Verfahren zur staatlichen Anerkennung einzuleiten. Die Zulassung privater Hochschulen ist Angelegenheit der Bundesländer. Allerdings prüfen die Ministerialbeamten nicht selbst. Diese Aufgabe übernimmt eine Art akademischer TÜV. Eine von zehn bundesweit zugelassenen Akkreditierungsagenturen prüft, ob die Studiengänge wissenschaftlichen Anforderungen genügen, der Finanzplan solide ist und das akademische Personal eine hinreichende Qualifikation nachweisen kann. Außerdem ist ein Gutachten des Wissenschaftsrats nötig, jenes Expertengremiums, das Bund und Länder bei der Weiterentwicklung des Hochschulsystems berät. Der Rat befindet darüber, ob „das vorgelegte Konzept eine geeignete Grundlage für die Gründung einer Hochschule bildet“.

Allzu große Sorgen machten sich die Cusanus-Gründer nicht. „Wir sind hier wissenschaftlich gut aufgestellt, also kriegen wir auch unsere Akkreditierung und staatliche Anerkennung“, war Vizepräsident Schwaetzer überzeugt. Er hatte ja selbst schon Studiengänge anderer Hochschulen begutachtet. Bewusst war ihm allerdings, „dass unsere Bildungsidee eine gewisse Sprengkraft hat. Vielleicht hatten wir anfangs noch nicht den Wachheitshorizont, der erforderlich gewesen wäre.“

Die Gutachter der von der Hochschule ausgewählten Akkreditierungsagentur waren anderthalb Tage vor Ort, schauten sich die Räumlichkeiten an, sprachen mit dem wissenschaftlichen Personal und verabschiedeten sich mit einem positiven Votum für sämtliche Studiengänge. Doch dann sperrte sich der Wissenschaftsrat. Ein Thema, über das niemand mehr reden möchte. Woran das Gremium genau Anstoß nahm, verraten beide Seiten nicht. Der Wissenschaftsrat verweist auf seine Richtlinien, wonach das Ergebnis der Prüfung nur dem Bundesland und der Hochschule mitgeteilt werden darf. Dies diene dem Vertrauensschutz. Es lässt sich nicht einmal in Erfahrung bringen, ob – wie die Cusanus Hochschule behauptet – das Beratungsgremium lediglich einzelne „Nachfragen“ und „Bedenken“ geäußert habe, die man in einem „eng abgestimmten, vertrauensvollen Prozess“ habe entkräften können, oder ob das Konzept der Hochschule als Ganzes durchfiel. Cusanus hüllt sich in Schweigen. Fragen zum Gutachten des Wissenschaftsrats werden nicht beantwortet.

Wieso senkte der Wissenschaftsrat den Daumen?

Ob der Grund für die kritische Haltung des Gremiums im bildungsrevolutionären Anspruch der Hochschule zu suchen ist? Handelt es sich gar um eine Art Verschwörung des etablierten Wissenschaftsbetriebs gegen das zart keimende Hochschulgewächs? Schwaetzer und Graupe sparen nicht mit Andeutungen, die in diese Richtung weisen, ziehen sich aber letztlich in die Unverbindlichkeit zurück: „Diese Frage können wir nicht beantworten“, sagt Graupe. Innerhalb des Verfahrens habe es „nicht einmal einen Ort gegeben, an dem unsere sachlichen Richtigstellungen gehört wurden“. Auf welche Einschätzungen sich diese Richtigstellungen bezogen? Ende der Debatte.

Studieren in der Provinz: In dem Mosel-Städtchen Bernkastel-Kues ...
... lenkt kaum etwas von der akademischen Arbeit ab

Das Ministerium in Mainz war nun im Zugzwang. Es habe letztlich „verstanden, dass es von seiner Entscheidungskompetenz Gebrauch machen muss“, sagt Graupe. Das Ministerium ist an die Stellungnahme des Wissenschaftsrats nicht gebunden; als demokratisch legitimiertes politisches Organ kann es sich darüber hinwegsetzen. Was dann auch geschah: Im Mai vorigen Jahres wurde die Hochschule durch das Land Rheinland-Pfalz staatlich anerkannt, mit allen Bachelor- und Master-Studiengängen. Cusanus war es gelungen, genug Unterstützer zu mobilisieren – darunter offenbar solche aus sämtlichen Landtagsfraktionen – und beim Bildungsministerium erfolgreich gegen das Votum des Wissenschaftsrats zu intervenieren.

Die Auseinandersetzung hatte allerdings Zeit gekostet. Ursprünglich wollte man im Wintersemester 2014/15 loslegen, tatsächlich zogen die ersten Studenten erst ein Jahr später in die Hörsäle ein. Der Hochschulinitiative gelang es, die Durststrecke zu überdauern. Kein Finanzier sprang ab. „Unsere Förderer hatten Einsicht und Vertrauen in die Sache“, sagt Schwaetzer.

Der Anfang ist gemacht. „Alles, wofür wir stehen, können wir jetzt im staatlich anerkannten Rahmen machen“, sagt Silja Graupe. Doch wie weit in die Zukunft kann das akademische Start-up verlässlich planen? Das Verständnis der Förderer, „das sich in Geld ausdrückt, ist bis jetzt groß genug, dass wir unsere Pläne realisieren können“, sagt sie. Der weitere Aufbau der Hochschule sei jedoch „eine Frage an die Gesellschaft“. Eine freie Bildung könne nur wachsen, „wenn immer mehr Menschen sie wollen“. Die Sparkasse Mittelmosel hat eine Ausfallbürgschaft im sechsstelligen Bereich gegeben, immerhin. Das sollte auf jeden Fall reichen, um die eingeschriebenen Studenten zum Abschluss zu führen.

Spätestens im Herbst, wenn die ersten Bachelor-Studenten nach Bernkastel-Kues kommen, wird sich die Strahlkraft der Idee beweisen müssen. Wie viele Studenten werden sich für das nicht ganz billige Studium an dieser Hochschule der etwas anderen Art entscheiden? „Es kann und darf scheitern“, urteilt der Ökonomieprofessor Walter Ötsch, den es nach seiner Emeritierung vom österreichischen Linz an die Mosel verschlagen hat. „Und trotzdem war es auf jeden Fall richtig, es zu tun – weil die Idee wichtig war.“

Aber dann würden sich doch all jene freuen, die sowieso immer geraunt haben, die Hochschule sei ein Ponyhof-Idyll – das wie erwartet ohne großen Widerhall in der akademischen Welt gestrandet ist. Ganz falsch, sagt der Ökonomiestudent Lukas Bäuerle. „Von Wirkungslosigkeit kann überhaupt keine Rede sein“, sagt er. „Die Wirkung geht doch allein schon davon aus, dass wir es gemacht haben.“ ---