Mikroökonomie

Verdienst, Grundkosten, Altersvorsorge

Jawed Taiman verdient rund 2400 Euro im Monat. Davon führt er 17 Prozent Steuern ab, eine Kranken- oder Rentenversicherung hat er nicht. Für sein Haus in Kabul bezahlt er monatlich 880 Euro Miete und 160 Euro für einen Haushälter. Mit seinem Bruder besitzt er ein Pferd, für das er monatlich rund 80 Euro ausgibt. Wenn er mit Freunden ausgeht, kostet ihn das über den Monat hinweg weitere 300 bis 400 Euro. Was dann noch übrig bleibt, gibt er für Reisen aus.




Was bedeutet Ihnen Arbeit?

Sehr viel, denn ich konnte mein Hobby zum Beruf machen. Der Beruf des Filmemachers ist in unserem Land noch etwas Neues. Es ist eine schöne Herausforderung, einen Berufszweig aufzubauen. Man kann den Menschen etwas zeigen, das sie vorher noch nicht kannten.

Was ist das Wichtigste in Ihrem Leben?

Ich möchte dabei helfen, unsere Gesellschaft zu gestalten, den Menschen Angebote machen, sie anregen. An der Universität von Kabul unterrichte ich Studenten darin, Filme zu machen. Das bedeutet mir sehr viel.

Was möchten Sie an Ihrem Leben verändern?

Nichts. Wenn überhaupt, dann würde ich gern einen Film machen, der die Menschen erreicht: ihnen eine Perspektive gibt und für Aussöhnung und Frieden wirbt.

Was sind Ihre größten Probleme, und wie gehen Sie damit um?

Mein größtes Problem ist das vieler Menschen in Afghanistan: Es ist die Sicherheit. Wir beten am Morgen, bevor wir das Haus verlassen, dass wir abends wohlbehalten zurückkommen.

Was tun Sie, wenn Sie sich etwas Besonderes gönnen wollen?

Dann rauche ich eine Shisha.

Was erwarten Sie von der Zukunft, und was tun Sie dafür?

Ich möchte das afghanische Kino verändern und die Medien im Land aufbauen. Denn Medien haben großen Einfluss auf die Menschen. Man kann etwa gute Fernsehprogramme machen, die den Zuschauern die Augen öffnen. Dann wenden sie sich vielleicht von den Taliban ab. Das Land könnte dadurch friedlicher werden.

Was würden Sie tun, wenn Sie sich ein Jahr lang nicht um Ihren Unterhalt kümmern müssten?

Ich würde weiter Dokumentarfilme drehen.

Wie geht es in Afghanistan nach dem Abzug der Amerikaner weiter?

Die Situation ist sehr instabil. Wir haben eine hohe Arbeitslosigkeit, die wirtschaftliche Lage ist sehr schlecht. Die Menschen hoffen, dass wir jetzt einen Präsidenten haben, der sich um das Land kümmert, und dass sich die internationale Gemeinschaft weiter in Afghanistan engagiert. Alle hoffen auf eine bessere Zukunft. Aber wir wissen nicht, ob wir unserer Führung trauen können. ---
Afghanistan:
Einwohner: 32 Millionen
Währung: Afghani (AFN – 74 AFN = 1 Euro)
BIP pro Kopf: 511 Euro
Human Development Index: Platz 169 (Deutschland: Platz 6 von 187 Ländern) Aktuelle Durchschnittskosten:
1 Liter Benzin: 84 Cent
1 Nan Brot: 14 Cent
1 Wasserpfeife (zum Rauchen präpariert, nach Haus geliefert): 6,80 Euro
1 Ein-Liter-Wasserflasche: 68 Cent
1 Kino-Eintrittskarte: 1,36 Euro