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Nordsee Restaurantkette

Die Imbiss- und Handelskette Nordsee ist ein Pionier der Systemgastronomie hierzulande – und auf der Suche nach sich selbst.





• Der Manager, der die sehr norddeutsche Marke aufpeppen soll, ist ein wie aus dem Ei gepellter Österreicher mit modischem Vollbart. Robert Jung, der zuvor die Nordsee-Geschäfte in seiner Heimat führte, verantwortet seit diesem Jahr das Marketing. Über seine neue Rolle spricht der 34-Jährige in der Bremerhavener Firmenzentrale direkt an der Wasserkante recht blumig. „Es ist ein bisschen so wie im Zustand der Verliebtheit, wenn man die Frau seines Herzens ganz sensibel beobachtet.“ Was aus der Analyse folgen wird, kann er noch nicht sagen. Demnächst sollen Werbeagenturen eingeladen werden, um ihre Konzepte zu präsentieren. Wenn man sich für eines entschieden hat, sollen mindestens sechs Millionen Euro jährlich ins Marketing fließen.

Für die Zahlen ist Jungs Chefin Hil-trud Seggewiß zuständig. Sie war früher Finanzchefin der Bäckereikette von Heiner Kamps, der dann an die Spitze des Lebensmittelkonzerns von Theo Müller rückte, zu dem Nordsee heute mehrheitlich gehört. Die 53-Jährige ist seit August 2011 dabei, die Firma zu modernisieren. Jährlich werden 20 Millionen Euro investiert, um die rund 400 Restaurants aufzumöbeln. Außerdem setzt sie verstärkt auf das Franchisegeschäft – „Unternehmer im Unternehmen sollen neue Ideen mitbringen“. Denn der Umsatz der Kette stagniert seit Jahren, während jüngere Konkurrenten wie Vapiano oder Hans im Glück wachsen. „Die Systemgastronomie dreht sich immer schneller“, sagt Seggewiß, „immer neue Anbieter treten auf den Plan.“

Um mitzuhalten, haben sie bei Nordsee einiges probiert. Zum Beispiel morgens Gäste in die Schnellrestaurants zu locken, die meist nur zur Mittagszeit von älteren Leute frequentiert werden. Ohne Erfolg, weil für die meisten Menschen Fisch und Frühstück nicht zusammenpassen. Außerdem sollte die Marke – die laut eigener Forschung als „wenig innovativ, langweilig und kühl“ empfunden wird – wieder ins Gespräch gebracht werden. Es folgte eine „Die Alternative“ genannte Kampagne mit durchgestrichenem Hamburger, gern auch in der Nähe von Burger-Imbissen plakatiert. Nur ist das mit vergleichender Werbung so eine Sache, weil die Gefahr besteht, unfreiwillig für das Vergleichsobjekt Reklame zu machen. Außerdem ist zweifelhaft, ob Nordsee-Kunden vornehmlich an gesunde Ernährung denken, wenn sie ein Backfischbaguette mit Remoulade ordern, den Bestseller an der Snack-Theke. Mehr Aufmerksamkeit erregte dann die Kampagne „Fisch macht sexy“, in der Models viel Haut zeigten, was die Fachzeitschrift »Horizont« online zu der ätzenden Kritik „Der Fisch stinkt vom Schritt her“ animierte.

Dass beim Marketing noch Luft nach oben ist, hat man nun auch an der Unternehmensspitze erkannt. Am Ende des Gesprächs lässt sich Robert Jung noch zu einer ersten Schlussfolgerung aus seiner liebevollen Markenbeobachtung hinreißen: Nordsee, sagt er, stehe für „Vertrauen, Sicherheit und Tradition“. Eine Revolution muss also nicht befürchtet werden. ---

Bremer Reeder und Kaufleute gründen 1896 die Deutsche Dampffischerei-Gesellschaft Nordsee – und rollen den Markt auf. Sie bauen nicht nur eine Fangflotte nebst Fischerei-Industrie und Logistik auf, sondern verkaufen die Ware auch in eigenen Geschäften. Das Unternehmen wächst, unterbrochen von Rückschlägen durch die beiden Weltkriege, beständig. Ende der Fünfzigerjahre werden die Dresdner Bank und die Deutsche Unilever Hauptgesellschafter. 1965 erfindet man das Schnellrestaurant „Quick“, 1974 macht die hundertste Filiale auf. In den Achtzigerjahren wird die Flotte ausgegliedert. 1997 kauft die Beteiligungsgesellschaft Apax Nordsee und spaltet Tochterfirmen ab, darunter die Tiefkühlsparte. 2005 steigt Heiner Kamps bei Nordsee ein, später landet das Unternehmen im Firmenimperium von Theo Müller, das Kamps leitet. Er besetzt den Chefposten bei Nordsee mit seiner Vertrauten Hiltrud Seggewiß. Kamps ist Minderheitseigner der Firma.

Nordsee Holding GmbH

Mitarbeiter: 6000 (davon 800 bei Franchisepartnern); Umsatz 2013: ca. 350 Mio. Euro; Bestseller im Restaurant: Seelachs und Scholle